Sport : Untergang mit Tränen

Handball-Traditionsklub Großwallstadt steigt ab.

Berlin - So richtig freuen konnte sich Dominik Klein nicht. Der Linksaußen hatte gerade das letzte Saisonspiel mit dem alten und neuen Meister THW Kiel 32:29 gewonnen, doch sein Mitgefühl galt dem Gastgeber. „Das ist der traditionsreichste Verein, den die Bundesliga hatte. Es waren schwere Momente, den Spielern in die tränenden Augen zu sehen. Ich bin sehr, sehr traurig“, sagte Klein über den TV Großwallstadt. Der Nationalspieler hatte einst selbst bei den Mainfranken gespielt – nun hatte er dabei mitgeholfen, den Traditionsverein nach 44 Jahren aus der Handball-Bundesliga zu werfen. „Da verlieren wir eine große Marke“, sagte Frank Bohmann, der Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL.

„Es gibt nichts Schlimmeres als einen Abstieg“, sagte Sportdirektor Peter Meisinger mit glasigen Augen, nachdem das erhoffte Wunder für das Gründungsmitglied der Bundesliga ausgeblieben war. Als eine „Katastrophe für die ganze Region“ bezeichnete er den erstmaligen Abstieg des siebenmaligen Deutschen Meisters und zweimaligen Siegers im Europapokal der Landesmeister.

Doch es ist eine Katastrophe, die sich lange abgezeichnet hatte. Der Klub mit der großen Vergangenheit hatte in der Gegenwart den Anschluss verloren. Vor allem die Finanzen machten große Sorgen, weil es sich kaum namhaften Sponsoren in der strukturschwachen Region finden ließen. Die Misswirtschaft im Verein tat ein Übriges dazu, zwischenzeitlich führte die Lage sogar zu einem Spielerstreik, nachdem sie monatelang keine Gehälter überwiesen bekommen hatten.

Wie es beim TVG nun weitergeht, ist ungewiss. Nur zwei Spieler aus dem Abstiegskader haben einen Vertrag für die kommende Saison, auch Trainer Peter David geht. Sein Nachfolger Khalid Khan weiß noch nicht einmal, in welcher Liga er übernehmen soll. Denn aufgrund der leeren Kassen droht sogar der Zwangsabstieg in die Dritte Liga. Die HBL hat die Lizenz für Liga zwei bislang nicht erteilt. Bis zum 12. Juni haben die Großwallstädter noch Zeit, ihre Unterlagen nachzubessern. Tsp/dpa

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