Sport : Unterhaching - Hertha: Unerklärliches in Unterhaching

Benedikt Voigt

Als Jürgen Röber nach der Pressekonferenz in Unterhaching aufstand, entdeckte er einen Bekannten in der zweiten Reihe. "Wenn du nicht sofort mit dem Grinsen aufhörst", sagte der Trainer von Hertha BSC, "dann ..." Vollendet hat Röber den Satz nicht, aber es genügte, dass der Angesprochene die Mundwinkel nach unten zog. An so einem Abend sollte man den Berliner Trainer besser nicht reizen.

An diesem Abend nämlich bekam Hertha BSC deutlich zu spüren, dass es dem eigenen Anspruch von einem Spitzenteam in der Fußballbundesliga nicht genügt. "Wenn man oben bleiben will", erklärte Trainer Röber, "dann muss man auch auswärts punkten." Und darf nicht der SpVgg Unterhaching mit 2:5 (1:2) den ersten Saisonsieg und höchsten Erfolg in der Bundesliga bescherten. "Mir fehlen die Worte", sagte Sebastian Deisler nach der peinlichen Berliner Darbietung in der zweiten Halbzeit. Zu der aktuellen Auswärtsschwäche fiel dem Nationalspieler ebenso viel ein. "Das kann ich mir nicht erklären." In drei Auswärtsspielen dieser Saison setzte es für Hertha drei Niederlagen. Darunter mit Unterhaching und Wolfsburg nicht gerade Meisterschaftsfavoriten.

Dabei hatte die Partie in Unterhaching noch gut begonnen. Gleich die erste Chance nach 21 Minuten köpfte Stefan Beinlich nach einer vorzüglichen Flanke von Michael Hartmann zum 1:0 zum Entsetzen der 10 000 Zuschauer ins Tor. "Wir hatten das Spiel im Griff", bemerkt Marko Rehmer später verwundert über die überraschende Wendung dieser Partie. Denn zur Überraschung der meisten Zuschauer bekamen die Unterhachinger plötzlich durch Schiedsrichter Michael Weiner einen Elfmeter zugesprochen, den André Breitenreiter zum Ausgleich nutzte (32.). Dick van Burik hatte im Strafraum-Gewühl seinen Gegenspieler Breitenreiter leicht am Trikot gehalten. Eine Szene, die sich erst bei der fünften oder sechsten Wiederholung im Fernsehen erkennen lässt. "Beide halten", sagte van Burik, "wenn man so einen Elfmeter pfeift, hat man kein Gefühl für das Spiel."

Was aber für Hertha BSC viel trauriger war: die peinliche Leistung in der zweiten Halbzeit. Da lagen die Berliner zwar schon mit 1:2 im Rückstand, weil Breitenreiter einen Eckball von Francisco Copado im Tor untergebracht hat. "Da sind noch 45 Minuten zu spielen", ärgerte sich Röber, "das spiele ich doch cool runter." Stattdessen fingen sich die Berliner in der 47. und 49. Minute zwei Kontertore durch Breitenreiter und Altin Rraklli ein. Nach dem 1:4 gab auch Röber das Spiel verloren. "Ich dachte, die da drauf sind, die sollen das auch ausbaden", erklärte Röber. Immerhin ersparte er dem überforderten Abwehrchef René Tretschok durch die Auswechslung in der 62. Minute, dass er das bittere Ende auf dem Platz miterleben muss.

So blieb auch der Brasilianer Alex Alves auf der Bank sitzen. "Ich habe mich für Ali Daei entschieden, weil er zuletzt gut gespielt hat", erklärte Röber. Doch der Iraner brachte wie die gesamte Berliner Mannschaft nichts Konstruktives zustande. Lediglich das Eigentor des Unterhachingers Jan Seifert bereitete er mit seinem Schuss vor (88.). Da hatte allerdings schon Oliver Straube den fünften Treffer für Unterhaching erzielt. "Wir haben hier die Hütte voll gekriegt", sagt Manndecker van Burik.

Auch sein Trainer war ratlos. "Vielleicht sollten wir auswärts defensiver spielen", sagte Röber, "das muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen." Die Unterhachinger erfreuten sich jedenfalls an dem Berliner Spiel ohne Engagement. Ihr Präsident Engelbert Kupka wurde sogar gefragt, ob Hertha der richtige Aufbaugegner für den Abstiegskandidaten waren. Er hat nicht Nein gesagt.

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