Sport : Unterhaching vs. Bremen: Kaffeefahrt nach Unterhaching

Gellende Pfiffe von den Zuschauern, Frust bei den Spielern. "So etwas habe ich noch nie erlebt, dass ein Spiel abgesagt wird, nachdem sich die Spieler schon aufgewärmt haben", kritisierte Trainer Lorenz Köstner von der SpVgg Unterhaching am Freitagabend die Entscheidung von Schiedsrichter Hartmut Strampe, das Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremer abzusagen. "Ein Witz", schimpfte der Hachinger Oliver Straube, und Werders Torhüter Frank Rost stellte ironisch fest: "Da haben wir halt eine schöne Kaffeefahrt gemacht." Voraussichtlich am 20. Dezember müssen die Bremer wieder in den Münchner Süden anreisen - die Entscheidung über den Nachholtermin wird nach Abstimmung mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Montag getroffen.

Am Freitag um 20.17 Uhr waren die erste Absage der Saison und der 401. Spielausfall in der Geschichte der Bundesliga perfekt. "Die klare Sicht von Tor zu Tor war nicht gegeben. Ich habe meinen Assistenten auch zur gegenüberliegenden Seit geschickt, und ich konnte ihn nur schemenhaft erkennen. Unter diesen Umständen konnte ich es nicht verantworten, das Spiel anzupfeifen", begründete der 44-jährige Strampe seine Entscheidung. Die Kritik von Köstner, er habe seinen Spielraum nicht voll ausgenutzt, wies der Fifa-Schiedsrichter aus dem niedersächsischen Handorf zurück: "Als ich um 19.30 Uhr auf dem Platz war, waren die Verhältnisse schon irregulär, und eine halbe Stunde später bestand nur geringe Hoffnung. Der Nebel wurde immer dichter, und eine Besserung war nicht absehbar. Meine Entscheidung war richtig."

Strampe, der seit 1991 in der Bundesliga pfeift und erstmals in seiner Karriere als Profi-Referee ein Spiel absagte, löste mit seinem Entschluss fast nur Unverständnis aus. "Das ist sehr ärgerlich. Man hätte warten können, denn erfahrungsgemäß steigt der Nebel nach oben", meinte Köstner. "Das ist schön blöd. Wir wollten hier gewinnen", sagte Bremens Nationalspieler Marco Bode. "Das Tor auf der anderen Seite war doch zu sehen. Ich verstehe die Absage nicht", so sein Mitsopieler Andreas Herzog. "Wenn man sieht, was in letzter Zeit alles angepfiffen wurde, hätten wir auch spielen können", bemerkte der Unterhachinger Marco Haber. Strampe zeigte später Verständnis für den Ärger der Akteure. "Ich ärgere mich selber. Als Spieler hätte ich auch gern gespielt", sagte der Verwaltungsbeamte.

Die Mannschaften verschwanden nach der Absage wieder in der Kabine. Dagegen harrten die rund 7000 Zuschauer im Sportpark noch bis 20.30 Uhr auf ihren Plätzen aus, ehe sie der Stadionsprecher vom Spielausfall informierte. Die zunächst vorgesehene Verlegung auf Samstag scheiterte aus organisatorischen Gründen.

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