Sport : Unterhaltsame Abwehr

Die Eisbären schlagen beim Heimauftakt Iserlohn 7:5, aber auf Trainer Jeff Tomlinson wartet noch viel Arbeit.

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Alte Angewohnheit. Die Eisbären-Defensive um Rob Zepp (l.) und Jimmy Sharrow (o.) zeigt bekannte Schwächen. Foto: Engler
Alte Angewohnheit. Die Eisbären-Defensive um Rob Zepp (l.) und Jimmy Sharrow (o.) zeigt bekannte Schwächen. Foto: Engler

Berlin - Auf dem Papier endete des Auftaktwochenende der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) für die Eisbären mit einer makellosen Bilanz: Die optimale Ausbeute von sechs Punkten verbuchte der Deutsche Meister in den ersten beiden Spielen unter der Regie des neuen Trainers Jeff Tomlinson. Nach dem 3:2-Auswärtssieg am Freitag in Ingolstadt gewannen die Berliner auch am Sonntag Heimauftakt vor 13 100 Zuschauern mit 7:5 (3:4, 2:0, 2:1) gegen die Iserlohn Roosters. Hinterher waren sich Tomlinson und Gästetrainer Doug Mason einig: Für die Fans sei es ein „tolles Spektakel“ gewesen. Ganz zufrieden konnte der Berliner Trainer aber nicht sein: „Ich freue mich über diesen Arbeitssieg“, sagte Tomlinson, „aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen.“

Denn nicht nur die spielstarken, angriffslustigen Gäste, auch die Eisbären trugen mit eigenen Abwehrschwächen ihren Teil zum Unterhaltungswert des Spiels bei. Vor allem im ersten Drittel wackelte die Defensive bedenklich: Darin Olver, Jens Baxmann und André Rankel brachten die offensiv überzeugenden Berliner zwar drei Mal in Front, die Gäste konnten aber jeweils ausgleichen und kurz vor Pausensirene sogar ihrerseits in Führung gehen. Da seien die schlechte „Angewohnheiten“ – die aus den vergangenen Jahren bekannten defensiven Nachlässigkeiten - wieder zum Vorschein gekommen, sagte Tomlinson, „die Neuerungen, an denen wir arbeiten, haben wir noch nicht hundertprozentig umgesetzt.“ Das sei aber „nach dem zweiten Spieltag auch ganz normal“.

Dass die Eisbären durchaus solide verteidigen können, wenn sie sich konzentrieren, bewiesen sie im zweiten und lange auch im dritten Drittel: „Da haben wir dann gut gestanden“, sagt der Trainer. So bekamen sie das zuvor höchst turbulente Spiel in den Griff: Daniel Weiß, Julian Talbot und Florian Busch verwandelten den Rückstand in eine Zwei-Tore-Führung. Nach dem Anschlusstreffer der Gäste sorgte Laurin Braun in der Schlussminute für die Entscheidung.

Und bei aller Kritik, die Tomlinson an der Abwehr üben musste: Im Über- und Unterzahlspiel, an denen der Trainer in den vergangenen Wochen ebenfalls viel gearbeitet hatte, erkannte er entscheidende Fortschritte: „Da haben wir sehr gut gespielt. Das war heute der Unterschied zwischen beiden Teams“, sagte er.

Erstaunlich gut konnten seine Spieler zudem die Ausfälle einiger Stammkräfte kompensieren: Die beiden 20 Jahre jungen Verteidiger Henry Haase und Alex Trivellato die aufgrund der Rückenbeschwerden von Casey Borer viel Eiszeit bekamen, hätten „sehr solide für ihr Alter“ gespielt, sagte der Trainer. Auch die dritte Angriffsreihe, die er nach den Verletzungen von Mads Christensen und Matt Foy auf die Schnelle völlig neu zusammenstellen musste, funktionierte. Der erst vor wenigen Tagen verpflichtete Kris Sparre, Daniel Weiß, der vor der Saison aus Nürnberg zurückgekehrt war, und Laurin Braun harmonierten auf Anhieb. „Super!“, lautete Tomlinsons Urteil über die improvisierte Formation. Weiß habe gegen Iserlohn sogar „sein bestes Spiel überhaupt“ für die Eisbären gemacht.

Trotz der beiden Siege, die den Berlinern angesichts der oft schwachen Leistungen in der Vorbereitung und der vielen Verletzten nicht unbedingt zugetraut worden waren, sieht Tomlinson nun aber erst mal „einen Haufen Arbeit“ auf sich und die Mannschaft zukommen. „Ich freue mich schon auf die Videoanalyse am Mittwoch“, sagt er.Jan Schröder

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