Sport : Unterkühltes Finale

Im letzten Länderspiel des WM-Jahres müht sich Deutschland zu einem 0:0 bei destruktiven Schweden

Gregor Derichs[Göteborg]

Es war kalt und nass und windig, wer wird da ein großes Fußballspiel erwartet haben? Die Schweden hatten es nicht nach der Absage ihres Stars Zlatan Ibrahimovic, und auch die Deutschen waren mit eher überschaubaren Erwartungen in das letzte Länderspiel des WM-Jahres 2010 gegangen. Was dabei heraussprang vor 22 000 Zuschauern im Ullevi-Stadion zu Göteborg , war ein auch in dieser Höhe verdientes 0:0, das der radikal verjüngen deutschen Mannschaft allerdings zu sehr viel mehr Ehre gereichte.

Joachim Löw sagte, was man so sagt nach so einem Spiel. „Wir haben engagiert gespielt, aber es war schwer gegen die körperlich starken Schweden“, befand der Bundestrainer, später am Abend sprach er noch von „Qualitätsfußball made in Germany“, aber damit waren andere Auftritte im WM-Jahr 2010 gemeint. Dass so lange so wenig Aufregendes geschah im gerade mal zur Hälfte gefüllten Ullevi, war nicht so sehr den jungen Deutschen geschuldet. Sondern dem zurückhaltenden Stil der Schweden, deren Motivation in erster Linie darin bestand, den Deutschen den Spaß am Spiel zu nehmen. Konstruktives zur Steigerung der Qualität hatten sie kaum beizutragen, so dass sich die deutsche Mannschaft ganz allein dazu aufgefordert sah, den an ein Fußballspiel gestellten ästhetischen Ansprüchen zu genügen. Dabei tat sich vor allem Lewis Holtby hervor. Der 20-jährige Mainzer spielte genauso unbekümmert, wie er es in den vergangenen Wochen in der Bundesliga gezeigt hat. Holtby war mal links, mal rechts und am häufigsten in der Mitte, er hatte gute Ideen und Mut. Das Debüt in Göteborg dürfte nicht sein letztes Länderspiel gewesen sein. „Er will jeden Ball und hat sehr gut gespielt“, sagte Joachim Löw.

Auch zwei der raren Torchancen entsprangen seiner Initiative. Einmal schnippte Holtby den Ball mit dem Außenrist in den Lauf von Mario Gomez, den der Schiedsrichter fälschlicherweise im Abseits verortet hatte. Und dann inszenierte er jene Kombination, in deren Folge Marcel Schmelzer auf dem linken Flügel frei gespielt wurde, mit dessen Schuss aus 20 Metern Schwedens Torhüter Andreas Isaksson doch einige Mühe hatte (was allerdings auch am aufgeweichten Rasen gelegen haben könnte).

Marcel Schmelzer, ein weiterer Debütant, hinterließ auf der linken Abwehrseite wie sein zentral verteidigender Dortmunder Kollege Mats Hummels einen guten Eindruck. Kevin Großkreutz kam auf der rechten Seite nicht ganz so gut zurecht. Über die Seite des langen Borussen lief auch der einzige gefährliche schwedische Angriff, bei dem allerdings vor allem der zu Manchester City gewechselte Jerome Boateng schlecht aussah. Das war kurz vor der Pause, als der schwerfällig wirkende Boateng sich von Christian Wilhelmsson überlaufen ließ. Der Schwede spielte flach und scharf in die Mitte, wo sich Ola Toivonen so etwas wie eine Torchance offenbarte. Er vergab sie überhastet mit einem Schuss ans eigene Bein, was irgendwie symptomatisch war für die uninspirierte Vorstellung der Schweden.

Boateng blieb dann wegen muskulärer Probleme zur Halbzeitpause in der Kabine, aber das fiel nicht weiter ins Gewicht. Die Schweden blieben harmlos und wären beinahe von Holtby bestraft worden, aber der Mainzer schoss nach schönem Doppelpass mit Marko Marin knapp vorbei. Weil nicht viel mehr passierte, schickte Löw fast sein gesamtes noch auf der Ersatzbank verbliebenes Personal auf den Platz, so dass auch der Mainzer André Schürrle und der gerade 18-jährige Dortmunder Mario Götze zu ihren ersten Länderspieleinsätzen kamen. Götze nahm in der letzten Viertelstunde die Position von Holtby ein und machte genau da weiter, wo der Mainzer gerade aufgehört hatte. Frech, mutig und schlau stiebitzte er sich den ersten Ball und hatte auch danach ein paar gute Szenen, aber zu einer Chance oder gar zu einem Tor reichte es nicht mehr. So gab es das erste torlose Spiel der Deutschen seit drei Jahren, seit einem 0:0 in Frankfurt gegen Wales. 43 Länderspiele ist das jetzt her...

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