Sport : Unterschiedlich gut

Alexander Waske und Rainer Schüttler harmonieren als Doppel und stehen im Viertelfinale

Benedikt Voigt

London - Alexander Waske erschien zur Pressekonferenz in einem T-Shirt mit der Aufschrift: „Normal kann jeder, ich bin ein Topspinner“. Das stimmt bei dem extrovertierten deutschen Tennisprofi in jeder Hinsicht. Sein Topspin funktioniert auf dem Platz derzeit so gut, dass er mit seinem Partner Rainer Schüttler das tschechische Duo Cyril Suk und Pavel Vizner 6:4, 6:4, 7:6 bezwang und ins Viertelfinale des Doppelwettbewerbs in Wimbledon einzog. Und für seine Sprüche ist Waske ohnehin bekannt. Gestern eröffnete der Frankfurter, der mit einem Korbacher spielt, die Pressekonferenz mit einem Lied der Rodgau Monotones: „Erbarmen – zu spät, die Hesse komme.“

Die deutschen Tennisspieler sind in Wimbledon in diesem Jahr für den Mannschaftssport zuständig. Anna-Lena Grönefeld steht im Doppel bereits im Halbfinale. Gemeinsam mit Martina Navratilova bezwang die 20-Jährige die Russin Wera Douschewina und die Israelin Shahar Peer 7:6, 6:4. Navratilova behält damit die Chance, mit einem 21. Turniersieg endgültig die erfolgreichste Spielerin in Wimbledon zu werden.

Die entscheidenden Spiele in den Einzelwettbewerben finden allerdings ohne deutsche Beteiligung statt. Gestern erreichte der Favorit Roger Federer durch ein 7:5, 6:2, 7:6 über Fernando Gonzales das Halbfinale. Darin wird er auf den Australier Lleyton Hewitt treffen, der Feliciano Lopez, einen Serve-and-Volley-Spieler aus Spanien (!), 7:5, 6:4, 7:6 bezwang. Das zweite Halbfinale bestreiten der Schwede Thomas Johansson und Andy Roddick aus den USA.

Auf das deutsche Herren-Doppel wartet heute im Viertelfinale eine schwere Aufgabe. Es spielt gegen die an Nummer eins gesetzten Jonas Bjorkman aus Schweden und Max Mirnyi aus Weißrussland, die gerade erst die French Open gewonnen haben. Schüttler und Waske hingegen spielen in Wimbledon zum ersten Mal miteinander – und genießen es. „Wir beschweren uns nicht, dass wir weitergekommen sind“, sagte Waske fröhlich, „das fühlt sich gut an.“ Ihm war wichtig, Cyril Suk geschlagen zu haben, der als Teamchef Tschechien betreut, den nächsten Gegner der deutschen Daviscup-Mannschaft. „Wenn wir verloren hätten, hätte ich mir in der Kabine blöde Sprüche anhören müssen“, sagte Waske.

Das Erreichen des Viertelfinales hat auch für Schüttler Bedeutung. „Das ist schon ein Riesenerfolg“, sagte der 29-Jährige, der aber betont: „Das Einzel ist mir wichtiger als das Doppel.“ Alleine erreichte er einige Erfolge, vor allem 2003 das Finale der Australian Open. Doch inzwischen scheidet er regelmäßig bei großen Turnieren in der ersten Runde aus. So auch in Wimbledon. An der Seite des aufgedrehten Waske gewinnt er im Doppel neue Sicherheit. „Wir haben einen sehr guten Teamgeist“, sagt Schüttler.

Auf dem Platz zeigt sich der unterschiedliche Charakter der beiden. Während Waske sich ständig lautstark anfeuert, bleibt Schüttler ruhig. Gestern entfuhr ihm nach einem gelungenen Return seines Partners irgendwann doch ein Kommentar. „Unmenschlich“, sagte er. Waske grinste. Normal kann schließlich jeder.

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