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Unterschrift beim Hamburger SV? : Thomas Tuchel spricht von "Falschmeldung"

Der Hamburger SV steht zwar kurz vor dem erstmaligen Abstieg, dennoch bemüht sich das Gründungsmitglied der Bundesliga intensiv um den begehrten Thomas Tuchel als Trainer für die kommende Saison.

Frank Heike
Thomas Tuchel: Ab nächster Saison beim Hamburger SV?
Thomas Tuchel: Ab nächster Saison beim Hamburger SV?Foto: dpa

Die Rahmendaten stehen schon seit Längerem: 3,2 Millionen Euro Gehalt im Jahr, ein Vertrag bis 2019, Transfer-Geld in Höhe von 25 Millionen Euro im ersten Jahr und dazu umfangreiche Befugnisse vom Nachwuchs bis zur Spielidee - der Hamburger SV ist bereit, für den Trainer Thomas Tuchel tief in die Tasche zu greifen und ihm freies Feld für all seine Pläne und Ideen zu bieten. Nur so ist ein Trainer dieser Kategorie überhaupt zu bekommen für einen Verein mit großer Vergangenheit und unsicherer Gegenwart.
Spätestens, seit der 41 Jahre alte Tuchel dem Mittbewerber RB Leipzig zu Wochenbeginn absagte, schien sich der kühne Plan des abstiegsbedrohten HSV zu konkretisieren. Doch die schöne, neue Fußballwelt, die man in Hamburg mit dem Namen Tuchel verbindet, sollte doch wohl nur möglich sein, würde der Traditionsklub im Hier und Jetzt den ersten Abstieg aus der Bundesliga verhindern. In dieses Szenario platzte am Freitagmittag die Meldung des Fernsehsenders Sky, dass Tuchel bereits zu den oben genannten Konditionen unterschrieben habe und auch im Falle des Abstiegs kommen würde. Eine Bestätigung des HSV blieb zunächst aus. Eine Einigung zwischen Klub und Trainer sei in den nächsten Tagen zu erwarten.

Einigung mit dem HSV? Thomas Tuchel sprach von einer Falschmeldung

Der stolze norddeutschen Verein mit dem selbstbewussten Schwaben auf der Kommandobrücke im Unterhaus: Das wäre die kurioseste Variante, seit es die einteilige Zweite Bundesliga gibt. Doch den Gerüchten entzogen der HSV und Tuchel dann am Freitagmittag selbst die Nahrung: "Es ist bekannt, dass der HSV mit Thomas Tuchel im Austausch steht. Meldungen zu einer Einigung mit ihm können wir nicht bestätigen", schrieb HSV-Pressesprecher Jörn Wolf über den Nachrichtendienst Twitter. Tuchel selbst ging gegenüber dem Sender "Sport1" noch einen Schritt weiter. Es handele sich um eine "Falschmeldung", sagte er. Doch man kennt die Bundesliga ja gut genug - vielleicht sind all diese Aussagen auch nur Ablenkungsmanöver.

In der Gerüchteküche wurde weiterhin die Variante "Tuchel sofort" heißt gekocht: Sollte der HSV sein Heimspiel am Samstagabend gegen den VfL Wolfsburg verlieren, könnte Tuchel schon am Montag auf dem Trainingsplatz stehen und das Team auf das Nordderby bei Werder Bremen am nächsten Sonntag vorbereiten. Peter Knäbel kehrte dann auf den Posten des Sportchefs zurück. Das wäre wirklich eine irre Variante: Der Wunschtrainer kommt drei Monate zu früh, um zu verhindern, dass er bei seinem neuen Klub in der zweiten Liga anfangen muss. Nicht wenige im Klub trauen Tuchel aber offenbar genau das zu: Dass er, ausgeruht und voller Tatendrang nach seinem (dann doch nicht ganz vollendeten) Sabbat-Jahr, den HSV rettet. Ein besserer Start ab der Saison 2015/2016 wäre natürlich gar nicht vorstellbar. Doch all dass war am Freitag nur Schall und Rauch, denn keiner der Verantwortlichen mochte etwas nachhaltig Erhellendes zur Causa Tuchel sagen - was 30 Stunden vor Anpfiff der Partie ja auch beileibe kein Wunder ist.

Der Hamburger SV buhlt um Wunschkandidat von Thomas Tuchel

Wie weit HSV-Chef Beiersdorfer in den Verhandlungen mit Tuchel offenbar aber ist, verdeutlicht das von der "Bild"-Zeitung bekundete Interesse an Joo Ho Park. Der 28 Jahre alte linke Verteidiger des FSV Mainz 05 aus Südkorea soll ein Wunschkandidat Tuchels sein. Auf der linken Abwehrseite fehlt nach dem Abgang Marcell Jansens zum Sommer ein zweiter Mann neben Matthias Ostrzolek. Park soll es sein. Sein Vertrag in Mainz endet im Sommer. Interesse an einem Spieler, den der Trainer mag, den man noch nicht hat - oder vielleicht bald: Was Geschichten und Schlagzeilen betrifft, ist der HSV weiterhin eine Fundgrube. Ob man inmitten dieser Gemengelage, die sich immer mehr mit der vermeintlich rosigen Zukunft beschäftigt als mit der tristen Gegenwart, eine vernünftige und sinnvolle Vorbereitung auf ein Bundesligaspiel hinbekommt, steht auf einem anderen Blatt. Man könnte auch sagen: Jeder blamiert sich so gut, wie er kann.

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