Sport : Unverhofftes Weihnachtsgeschenk

Ex-Schiedsrichter Hoyzer redet über die 500 Euro, die ohne Gegenleistung auf seinem Konto landeten

Frank Bachner

Berlin - Bislang klang die Geschichte recht nebulös. Robert Hoyzer, der Skandalschiedsrichter, habe Ende 2003 auf seinem Konto plötzlich 500 Euro entdeckt. Und zwar nach dem Regionalliga-Spiel zwischen dem FC Chemnitz und dem FC Sachsen Leipzig (1:1). Absender: unbekannt. Eine seltsame Überweisung, denn Robert Hoyzer hatte zwar dieses Spiel geleitet, aber nicht manipuliert. Das erklärte er auch der Staatsanwaltschaft. Es gab, sagen alle Beobachter dieses Spiels, wirklich keine seltsamen Entscheidungen.

Aber zu den ominösen 500 Euro gibt es doch eine konkrete Spur. Robert Hoyzer selbst hat sie gelegt. Gegenüber der Staatsanwaltschaft erklärte er, Christian Rocca, der damalige Präsident von Sachsen Leipzig, habe ihm die 500 Euro überwiesen. Später habe er ihm telefonisch mitgeteilt: „Das war eine Art Weihnachtsgeschenk.“ Schon Robert Hoyzers Vater Peter, bei Sachsen Leipzig damals als Mannschaftsbetreuer angestellt, hatte vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt, der Vereinspräsident Rocca habe ihn, Peter Hoyzer, gebeten, auf den Sohn einzuwirken, damit dieser das Spiel zugunsten des FC Sachsen Leipzig manipuliere. Er habe dies später seinem Sohn mitgeteilt, aber der Schiedsrichter habe dieses Ansinnen klar abgelehnt. Rocca kennt Robert Hoyzer seit vielen Jahren. Der Bankkaufmann Rocca, der jetzt in Leipzig arbeitet, war früher selbst Schiedsrichter in Berlin.

Robert Hoyzer bestätigte in seiner Aussage die Version seines Vaters. Dann gab er noch etwas umständlich zu Protokoll: „Durch die Tatsache, dass ich bei dem Verein (Sachsen Leipzig – d.Red.) regelmäßig (...) als Schiedsrichter angesetzt war und durch entfernte Kontakte durch meinen Vater (...) zu Herrn Rocca möchte ich nicht gänzlich ausschließen, dass man sich durch die Zahlung von 500 Euro schnellen Zugriff auf meine Person erhoffte.“

Rocca bestreitet energisch, dass er 500 Euro an Hoyzer überwiesen habe. „Das habe ich nie gemacht. Ich habe ihm noch nie etwas überwiesen. Ich hatte auch nichts mit seinem Konto zu tun. Ich hatte andere Verantwortlichkeiten.“ Rocca hatte schon früher deutlich dementiert, dass er Peter Hoyzer gebeten habe, Einfluss auf dessen Sohn zu nehmen.

Einen Rückzieher machte Robert Hoyzer vor der Staatsanwaltschaft in Bezug auf seinen Jugendfreund Markus K. Gegen den ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin wegen Geldwäsche, weil er von Robert Hoyzer 12 000 Euro erhalten hatte. Nach K.s Aussage handelte es sich dabei um ein Darlehen für ein Auto. Den Ermittlern hatte Hoyzer zuerst gesagt: „Ich denke, dass Markus ahnen konnte, dass das Geld aus Wettgeschäften in Zusammenhang mit meiner Schiedsrichtertätigkeit stammte.“ Sechs Wochen später korrigierte er sich: „Dazu möchte ich richtig stellen, dass ich mit ihm darüber (über die Wettgeschäfte – d. Red.) nicht gesprochen habe.“ K. habe nichts von den Manipulationen gewusst. K. habe ihm gesagt, er wolle mit dem Geld ein Mercedes Cabrio kaufen. Markus K. bestreitet energisch, dass er in den Wettskandal verwickelt sei.

Angeblich haben auch mazedonische Drogenhändler in der Saison 2003/2004 hohe Beträge auf manipulierte Regionalliga-Spiele gesetzt, darunter das Spiel Wattenscheid 09 – Sachsen Leipzig. Das berichtet die „Neue Ruhr/Neue Rhein-Zeitung“. Fahnder in Duisburg sollen bei verdeckten Ermittlungen auf diese Spur gekommen sein. Michael Grunwald, der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, sagte allerdings: „Es liegt kein Anfangsverdacht für eine konkrete Straftat vor.“ Auch beim Deutschen Fußball-Bund hält man sich vorerst zurück.

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