Sport : Urlaub vom Selbstmitleid

Cottbus feiert das 3:3 in Bochum wie einen Sieg

Ein Versprecher machte am besten deutlich, wie der Fußballlehrer Bojan Prasnikar sich nach dem Spiel in Bochum gefühlt haben muss. „Ich bin zufrieden mit den drei Punkten“, sagte er eine ganze Weile nach dem Schlusspfiff. Wer freut sich nicht über einen Sieg – zumal, wenn er Energie Cottbus trainiert? Allerdings hatte Prasnikars Mannschaft gar nicht gewonnen, jedenfalls nicht die Auswärtspartie in Bochum.

Prasnikar korrigierte seinen Fehler in Sekundenschnelle. Natürlich freue er sich über die drei Tore seiner Elf und darüber, dass es noch zu einem Punkt gereicht habe. Der Aufsteiger hatte zweimal mit zwei Toren Unterschied zurückgelegen und einer weiteren Niederlage ins Auge geblickt, die im Kampf gegen den Abstieg arg aufs Gemüt gedrückt hätte. Aber dank ungebrochener Widerstandskraft erreichten Cottbuser noch ein 3:3, das sie als Gewinn, ja als Energieschub für den Abstiegskampf interpretieren konnten.

Der eine, ganz real gewonnene, Punkt wirkte auf die Leidensgemeinschaft aus der Lausitz wie ein Stimmungsaufheller, auch wenn sie in der Tabelle auf dem vorletzten Platz bleiben, mit zwei Zählern Rückstand auf den Fünfzehnten Rostock. Die erfolgreiche Aufholjagd in Bochum vermittelte dem Außenseiter das Gefühl, etwas zu haben, was andere nicht haben. „So eine Moral haben nicht viele“, sagte Prasnikar.

Soweit es aber auch auf dem Fußballplatz auf die inneren Werte ankommt, durften sich Prasnikar und seine Mitstreiter wirklich wie Gewinner fühlen. Nicht nur dass die Mannschaft sich erfolgreich wehrte – der Klub bekam auch vorgeführt, dass die Schiedsrichter keineswegs im Zweifel gegen Cottbus entscheiden. Diese Verschwörungstheorie hatten die Lausitzer jüngst aufgestellt, nachdem sie ihr Heimspiel gegen Bayer Leverkusen trotz zweimaliger Führung verloren hatten. Dem Schiedsrichter war in jener Partie letztlich aber kein Fehler, schon gar keine böse Absicht nachzuweisen.

Eine Woche später in Bochum widerlegte auch Babak Rafati den Vorwurf, Cottbus solle als eher unbeliebter Klub aus der Liga gemobbt und gepfiffen werden. Obwohl Verteidiger Daniel Ziebig den Ball zu Beginn der zweiten Hälfte im eigenen Strafraum mit der Hand gespielt hatte, verweigerte der Schiedsrichter Bochum den Elfmeter und erkannte lediglich auf Freistoß. Auf diese Situation angesprochen, lächelte Prasnikar sanft und antwortete, dieses Mal wolle er „lieber nichts zum Schiedsrichter sagen“. Nach der Niederlage gegen Leverkusen schienen die Cottbuser im Selbstmitleid zu versinken. In Bochum sind sie wieder aufgetaucht.

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