Sport : Uruguays Inspiration

Diego Forlan, der beste WM-Spieler, ist nun begehrt

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Vielleicht haben sie seit Sonntagabend einen gewissen Sammlerwert, und einige werden es besonders lustig finden, sie rauszukramen und gerade jetzt wieder zu tragen. „Ich war dabei, als Forlan ein Tor schoss“ stand auf den T-Shirts enttäuschter Fans von Manchester United. Forlan vergab reihenweise beste Chancen, es war nicht zu begreifen, wie ein Stürmer sich immer wieder so glänzend durchsetzte und dann danebenschoss. Zehn Tore in zwei Jahren gelangen Forlan, als er von 2002 bis 2004 in England weilte, einen Stammplatz erspielte er sich nicht. Kaum mehr vorstellbar.

Jetzt war alle Welt dabei, als Forlan seine fünf Tore bei dieser WM geschossen hat. Der Uruguayer wurde von den Journalisten zum besten Spieler gewählt, er bekommt den Goldenen Ball. „Das hätte ich nie erwartet. Ich habe zwar davon geträumt, in das Rennen um den Goldenen Schuh für den besten WM-Torschützen einzugreifen, aber zum besten Spieler des ganzen Turniers ernannt zu werden, ist einfach unglaublich“, sagte Forlan. Torschützenkönig wäre er schließlich beinahe auch noch geworden, wenn sein sehenswerter Freistoß in der letzten Minute des Spiels um Platz drei gegen Deutschland nicht an die Latte, sondern ins Tor gegangen wäre. Ein Paar Goldene Schuhe hat er ohnehin schon, denn nach der Zeit bei Manchester United traf Forlan das Tor. Er war 2005 für den FC Villarreal und 2009 für Atletico Madrid Europas Torjäger des Jahres. Er hat es noch weiter gebracht als sein Vater, der auch Nationalspieler Uruguays war.

Der 31-Jährige ist zum Star eines Turniers geworden, bei dem so viele große Stars aus den Topligen keine waren. Forlan erhielt 23,4 Prozent der Stimmen, hinter ihm landeten mit 21,8 Prozent der Niederländer Wesley Sneijder sowie David Villa aus Spanien, für den 16,9 Prozent stimmten. Eine knappe Wahl also, und eine durchaus überraschende dazu.

Sneijder und Villa standen im Endspiel, und seit der Einführung der Auszeichnung 1982 hat sie noch nie ein Spieler bekommen, der nicht im Finale war. Dieses Mal aber drängte sich einer auf, der sein Außenseiterteam bis ins Halbfinale führte – und zwar spektakulär. Als omnipräsenter Dirigent und Antreiber, der alle Ecken und Freistöße schießt. Als Stürmer, der sich im Mittelfeld die Bälle holt und verteilt oder selbst mit seinen schnellen Haken Richtung Tor stürmt und jederzeit den Abschluss sucht, mit seinen erstaunlichen und für die Torhüter kaum zu berechnenden Schüssen. Forlan war die Inspiration, er war das Spiel Uruguays.

Nun wird schon spekuliert, ob Atletico Madrid Forlan halten kann. Den Klub hat er gerade zum Gewinn der Europa League geschossen, beim 2:1 im Endspiel gegen Fulham erzielte er beide Tore, das entscheidende kurz vor Schluss der Verlängerung mit dem Außenrist. In Spanien ist Forlan zum weltweit besten Spieler geworden, der nicht bei einem der weltbesten Klubs spielt. Mathias Klappenbach

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