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US-Basketball : Royce White: Botschafter der Angst

28.03.2013 18:18 UhrVon Sebastian Schuldt
Mutig nur auf dem Feld. Royce White (l.) setzt sich in einem Collegespiel mit Iowa State gegen den späteren NBA-Spieler Michael Kidd-Gilchrist (Mitte) durch.Bild vergrößern
Mutig nur auf dem Feld. Royce White (l.) setzt sich in einem Collegespiel mit Iowa State gegen den späteren NBA-Spieler Michael Kidd-Gilchrist (Mitte) durch. - Foto: AFP

Royce White hat das Talent zum Basketballstar. Doch er leidet unter Panikattacken, fürchtet sich vorm Fliegen und vor Menschenmassen. Kann er es damit in die NBA schaffen?

Royce White holt einen Rebound, dribbelt blitzschnell nach vorn und wirft den Ball zu einem Mitspieler, der von der Dreierlinie trifft. Wenig später gibt White den Ball nicht ab, er schlängelt sich selbst zum Korb und versenkt den Ball. Auch Whites krachenden Dunking kann die Verteidigung nicht verhindern. Nur Fouls helfen, den 2,03 Meter großen und 120 Kilogramm schweren Flügelspieler zu stoppen. Am Ende hat White 23 Punkte, neun Rebounds und vier Vorlagen gesammelt. Sein Basketballteam, die Rio Grande Valley Vipers, hat er zum Sieg in der NBA-Development-Liga geführt.

Keine Aufgabe auf dem Feld scheint für ihn zu schwer. Die Probleme von Royce White beginnen nach dem Spiel.

Für den Weg nach Hause braucht White manchmal 34 Stunden. Anstatt mit seiner Mannschaft zu fliegen, fährt der 21-Jährige mit dem Bus. Er hat Angst vor dem Fliegen. Doch das ist nicht alles. Er fürchtet sich vor Dunkelheit, vor großen Menschenmassen und in vielen anderen alltäglichen Situationen.

Royce White leidet unter Panik- und Zwangsstörungen. Er ist damit nicht allein, nach US-amerikanischen Untersuchungen leiden 15 bis 25 Prozent der Bevölkerung einmal im Leben an einer Angststörung. In Deutschland sind es laut einer Studie etwa 10 Prozent.

Whites erste Erfahrung mit Angstattacken liegt Jahre zurück. Während eines Trainings kollabiert sein bester Freund. Eine Herzkrankheit. Der Freund überlebt, doch die Angst, selbst auf dem Feld tot umzufallen, begleitet White fortan und weitet sich in den Alltag aus. Seine Leistungen werden dadurch nicht schlechter. White ist eines der vielversprechendsten Talente im Bundesstaat Minnesota. „Meine Ärztin sah mir in die Augen und sagte, dass Basketball nicht das Beste für mich sei. Sie sagte: Diese Industrie ist aufgebaut, um jemanden wie dich zu vernichten“, berichtet White. Trotzdem bestärkte sie ihn darin, Profi zu werden. „Ich will, dass du den Leuten zeigst, dass du mit deiner Krankheit klarkommst.“

Das nimmt sich Royce White vor und wechselt an die Universität von Minnesota. Dort hält die Ruhe allerdings nicht lange an. Zwei Mal wird er beim Klauen erwischt. Seine Leistungen stagnieren, er hat Probleme mit Mitschülern und Lehrern. Schließlich verlässt er die Uni. Sogar das Basketballspielen gibt er auf. Sein ehemaliger Highschool-Coach Ken Novak jr. führt Whites Probleme in dieser Zeit auf fehlende Routinen zurück. Auch White sagt: „Mein DVD-Regal ist alphabetisch, mein Kleiderschrank nach Farben, und meine Schuhe mit perfekten Zwischenräumen geordnet. Ich brauche das einfach.“

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