Sport : US-Justiz erhebt Anklage gegen Funktionäre des Box-Weltverbands

Auch der Kampf von Axel Schulz gegen Foreman soll "verschoben" worden sein

Was dem titellosen Boxprofi Axel Schulz im Ring nicht vergönnt war, könnte ihm jetzt auf juristischem Wege gelingen. Sein umstritten verlorener Weltmeisterschafts-Kampf nach Version der Internationalen Boxing-Federation (IBF) am 22. April 1995 in Las Vegas gegen Titelverteidiger George Foreman soll manipuliert worden sein, so dass das Urteil möglicherweise im Nachhinein umgewandelt wird. Der "verschobene" Schwergewichts-Kampf ist laut "USA-Today" einer von 32 Anklagepunkten, die von einer Grand Jury in Newark (New Jersey) am Donnerstag gegen den IBF- Präsidenten Robert W. Lee senior (65) und drei weitere Funktionäre des Weltverbandes erlassen worden sind. Alle vier sind wegen Betruges angeklagt. Bei einer Verurteilung drohen ihnen bis zu 20 Jahre Gefängnis.

"Dass es in meinem Kampf nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann, war eigentlich schon immer klar. Eine späte Rehabilitierung wäre natürlich eine schöne Sache, doch daran glaube ich nicht", erklärte Axel Schulz, der von der Anklage während einer Urlaubreise in Dubai erfuhr. Der 30 Jahre alte Box-"Rentner" aus Frankfurt (Oder) war gegen George Foremann als krasser Außenseiter in den Ring gegangen, hatte aber nach Meinung aller Experten den Kampf gewonnen. Zwei der amerikanischen Punktrichter sahen jedoch Foreman mit zwei Punkten vorn, einer wertete den Kampf unentschieden. Die daraufhin von der IBF festgelegte Revanche lehnte Foreman ab, woraufhin Axel Schulz gegen den Südafrikaner Frans Botha um den vakanten Titel boxte.

Den IBF-Angeklagten wird vorgeworfen, Ranglistenplätze manipuliert, Kampfurteile durch Bestechungsgelder beeinflusst und Geld gewaschen zu haben. "Bei der IBF sind die Ranglistenränge erkauft, und nicht verdient worden. Die Angeklagten korrumpierten die Rangliste vollständig", stellte Bundesankläger Robert F. Cleary fest. Laut Clearly sollen insgesamt 338 000 Dollar als Schmiergelder seit der Gründung der IBF im Jahre 1984 geflossen sein. In der Regel wären Beträge zwischen 1000 und 25 000 Dollar gezahlt worden. In einem Fall, vermutlich im Schulz-Kampf, ist von 100 000 Dollar die Rede.

Zahlungen sollen neben Lee sen. auch die drei Mitangeklagten erhalten haben. Es sind dies der inzwischen verhaftete Präsidentensohn Robert Lee junior (38), der bei seiner Festnahme unter Drogen stand, sowie der früheren Box-Kommissioner von Virginia und Präsident des US-Boxverbandes, Donald William Brennan (86) und der IBF-Commissioner Francisco Fernandez (Kolumbien).

In der Anklage heißt es, dass in den Manipulationen insgesamt sieben Promotor und Manager sowie 23 Boxer involviert gewesen seien. Die Untersuchungen gegen diese Personen laufen noch. Während der zweijährigen Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft und dem FBI, die bis ins Jahr 1982 zurückgingen, wurden sämtliche Kampfverträge, Rangfolgen, Rechnungen und Telefon-Aufzeichnungen untersucht. Nach dem skandalösen Unentschieden im WM-Kampf zwischen IBF-/WBA- Weltmeister Evander Holyfield und WBC-Titelträger Lennox Lewis am 13. März in New York hatte die dortige Strafverfolgungsbehörde zudem eigene Ermittlungen eingeleitet. In der Folge ist im Juni in Florida das Büro von Promotor Don King durchsucht worden. Holyfield und Lewis werden in einer Woche in Las Vegas erneut gegeneinander boxen.

Laut "Miami Herald" sollen in den letzten 17 Jahren über 30 WM-Kämpfe manipuliert worden sein. "Ich bin das Opfer böswilligen Tratsches und gemeiner Gerüchte von Leuten aus der Box-Industrie, die von dieser Untersuchung profitieren wollen", jammerte derweil Robert Lee senior.

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