US-Masters : Achtung, die Jungs kommen

Beim US-Masters war Erfahrung oft entscheidend – das könnte sich ändern.

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Schöne Aussichten. Nirgendwo ist die Kulisse beim Golf so imposant wie in Augusta, Adam Scott durfte sie schon mal im Testlauf am Dienstag genießen.
Schöne Aussichten. Nirgendwo ist die Kulisse beim Golf so imposant wie in Augusta, Adam Scott durfte sie schon mal im Testlauf am...Foto: AFP

Patrick Reed, Matt Jones, Jimmy Walker, Harris English – sie alle sind Sieger, in dieser Saison auf der US-PGA-Tour erfolgreich. Sie alle treten zum ersten Mal an bei einem US-Masters. Und: Sie sind chancenlos. Zumindest laut Statistik. Der Platz des Augusta National Golf Clubs hat nie viel Erbarmen mit jenen gehabt, die sich zum ersten Mal für dieses Turnier qualifizierten.

Der einzige Augusta-Neuling, der sich bis heute bei seiner Premiere das Grüne Jackett holte, war der US-Amerikaner Fuzzy Zoeller 1979. Seitdem sind alle, die hier zum ersten Mal antraten, entweder den extrem schwierigen Grüns erlegen oder haben sich vom überwältigenden Umfeld des Turniers ablenken lassen. „Es war unglaublich“, staunte dann auch Patrick Reed zu Beginn dieser Woche, nachdem sich das eiserne Tor an der Washington Road zum ersten Mal für ihn geöffnet und er die Magnolia Lane, die Allee der Magnolien, passiert hatte. „Ich wäre ja zu gerne umgekehrt und hätte es gleich noch einmal getan“, sagte er. Er steuerte stattdessen doch schnell die Driving Range an. Wohl in der Hoffnung, dass dieses Jahr das Jahr der Newcomer sein könnte. Aller Statistik zum Trotz.

24 der 96 Golfprofis spielen das Turnier zum ersten Mal. Zehn von den Debütanten sind in den Top 50 der aktuellen Weltrangliste. Und: So mancher von ihnen hat im Verlauf der Saison weit mehr überzeugt als die etablierten großen Namen. Die Spieler, die bei den Majors in den jüngsten Jahren dominiert haben, schienen so gut wie nicht relevant zu sein. Während Seriensieger Tiger Woods fehlt, fällt Phil Mickelson seit Monaten vor allem durch seine Blessuren auf. Luke Donald war an der Schulter verletzt, Jason Day am Daumen. Henrik Stenson, im vergangenen Jahr der dominierende Spieler in Europa und den USA, sucht seine Form. Bernhard Langer hat dank seiner Siege 1985 und 1993 lebenslanges Startrecht, der 56-jährige Deutsche hat kaum Chancen, der älteste Sieger überhaupt zu werden.

Die Golfszene gewöhnt sich gerade an neue Champions, unbekannte Namen, die für Aufsehen sorgen. „Wenn man sich die Sieger der letzten Monate ansieht, dann hat jede Woche ein anderer gewonnen“, fasst Rory McIlroy das Geschehen zusammen. „Es wird immer schwieriger, da draußen zu gewinnen, weil es jede Woche so viele Jungs gibt, die jedes Mal eine Chance auf den Sieg haben.“

Angst vor großen Namen berührt sie nicht: Matt Jones setzte sich am Sonntag im Play-off der Shell Houston Open gegen den Weltranglistensiebten Matt Kuchar durch und reiste damit als letzter Qualifikant nach Augusta. Gut möglich, dass ihm Jordan Spieth in die Quere kommt: Der 20-Jährige, der die Saison 2013 ohne eine Spielberechtigung auf der US Tour begann und als Nummer 22 in der Weltrangliste beendete, hat keine Angst mehr vor den großen Stars. „Ich glaube nicht, dass es unmöglich ist zu gewinnen“, ließ Spieth nach den ersten Trainingseinheiten in Augusta wissen. „Ich spiele jetzt seit gut einem Jahr gegen all die Jungs hier und fühle mich durchaus zu Hause.“

Dabei ist Spieth noch nicht einmal so selbstbewusst wie Patrick Reed, der sich nach seinen drei US-PGA-Tour-Siegen in nur sieben Monaten in einem Interview zu einem der Top-5-Spieler der Welt erklärte und das auch in Augusta zeigen will. „Ich muss mich nur an die Geschwindigkeit der Grüns gewöhnen“, ließ er wissen. Ansonsten sei alles im grünen Bereich.

„Keine Ahnung, warum diese Gruppe so gut im Siegen ist“, sagt der 24-jährige Harris English, inzwischen immerhin auf Platz 36 der Weltrangliste geführt, auf die Frage nach dem Erfolgsrezept der neuen Generation. „Es macht ganz den Eindruck, als seien die Spieler nach dem Abschluss auf dem College einfach besser vorbereitet. Die Jungs wissen, wie man siegt, und haben überhaupt keine Angst vor den Veteranen.“

„Das ist doch ganz egal, ob man hier einmal oder 59 Mal gespielt hat“, sagt Patrick Reed. „Am Ende geht es darum, wer am Schluss am besten Golf spielt, und der nimmt dann den Pokal mit nach Hause.“ Was sich so einfach anhört, mag sich ab Donnerstag dann doch als deutlich komplizierter darstellen. Nach dem Unwetter vom Montag trocknen die Grüns wieder im Wind und unter der Sonne aus. „Na ja, irgendwie ist das in Augusta eben alles anders“, sagt der Brite Justin Rose, zum neunten Mal dabei. „Erfahrung spielt hier eben eine gigantische Rolle.“

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