US Masters in Augusta : Vom Platz auf die Probe gestellt

Am Donnerstag beginnt der Golf-Höhepunkt des Jahres in Augusta. Wer mit zehn Golfprofis über das US Masters spricht, erhält zehn verschiedene Antworten.

Petra Himmel
Ein Spektakel, auch ohne Wettkampf. Schon die Trainingsrunden in Augusta ziehen die Zuschauer an. Foto: AFP
Ein Spektakel, auch ohne Wettkampf. Schon die Trainingsrunden in Augusta ziehen die Zuschauer an. Foto: AFPFoto: AFP

„Ich bin offline für den Rest der Woche.“ Die Botschaft am Montag stammte von Twitter-Fanatiker Rory McIlroy. Wenn der Nordire beschließt, auf Kurzmitteilungen zu verzichten, steht Besonderes an: Am Donnerstag beginnt das US Masters im Augusta National Golf Club. Geht es um das erste Major-Turnier des Jahres, überlässt der Weltranglistenzweite nichts dem Zufall. Er hat seit Mitte März eine Turnierpause eingelegt, sich aufs Training konzentriert und vergangenen Mittwoch und Donnerstag zwei Proberunden in Augusta gespielt.

Jetzt steckt der 22-Jährige in den letzten Vorbereitungen – von den gemütlichen Proberunden normaler Turnierwochen ist nicht nur er dieser Tage weit entfernt. Angesichts der Herausforderungen des Platzes verschwindet so mancher Spieler derzeit lieber in Klausur als sich stundenlang auf der Anlage zu zeigen und sich dem Rummel der Fans auszusetzen. Neun schnelle Löcher mit Mark O’ Meara spulte Tiger Woods am Montagmorgen um acht herunter. Auch Martin Kaymer ließ sich nur kurz sehen und verschwand kommentarlos. Selbst sein Manager Johan Elliot suchte seinen Arbeitgeber vergeblich. Große Trainingseinheiten muss Kaymer allerdings ebenso wenig wie Woods kurz vor Turnierstart noch einlegen – beide haben in der vergangenen Woche auf einen Turnierstart verzichtet und stattdessen zu Hause in Arizona und Florida trainiert.

Eine Form der Vorbereitung, die für Lee Westwood und Phil Mickelson ein Unding ist. Beide haben ihr Spiel bei den Houston Open in Texas auf die Probe gestellt. „Houston ist für mich eine Hinführung auf das Masters“, sagt Westwood. „Der Platz ist in einem ähnlichen Zustand wie Augusta, die Geschwindigkeit der Grüns und die abfallenden Flanken sind ähnlich.“ Von ausgedehnten Ausflügen nach Augusta vor Beginn des Turniers sieht der Brite dagegen ab: „Am Montag vor dem Masters ist der Platz völlig anders, ganz zu schweigen von einem Tag zwei Wochen vor dem Turnier.“

Wer eine genaue Anleitung für eine erfolgreiche Woche in Augusta sucht, wird sie nicht finden. Wer mit zehn Spielern über ihre Vorbereitung für das US Masters spricht, wird zehn verschiedene Antworten erhalten. Der Italiener Francesco Molinari setzte im vergangenen Jahr auf die Begleitung vieler Familienmitglieder, in diesem Jahr hat er nur den Coach zugelassen. Martin Kaymer hat in der Vergangenheit mal in Houston das Turnier gespielt, mal auf viel Training gesetzt. 2011 versuchte er es mit einer späten Anreise, wenige Trainingsrunden und möglichst viel Entspannung. Nichts davon hat funktioniert. Der 27-Jährige hat bei vier Starts in Augusta viermal den Cut verpasst. „Ich habe in den vergangenen Jahren da einfach einen kleinen Fehler gemacht”, sagte er. „Ich habe versucht, anderes Golf zu spielen, aber das war nicht mein Golf.“

2012, so beschloss er schon zu Beginn des Jahres, wolle er sich ganz auf Bewährtes verlassen. „Am Ende des Tages muss man bei seinen Stärken bleiben, und genau das werde ich dieses Jahr tun.“ Sein Golf werde er spielen, stellte der Deutsche fest, „nicht jenes Golf, das der Platz verlangt.“ Zum Abschluss suchte er in Augusta wie so viele seiner jungen Kollegen noch einmal den Rat der alten Champions. Am Sonntag spielte er eine Runde mit Bernhard Langer, am Monat gab ihm Tom Watson die letzten Tipps.

Wer am Sonntag das Grüne Jackett für den Sieger gewinnen will, philosophiert der sechsfache Champion Jack Nicklaus vor sich hin, müsse eben seine ganz persönliche Strategie für diese Woche entwickeln. „Als ich noch ein Amateur war, da bin ich schon eine Woche vorher nach Augusta gereist und habe mich vorbereitet“, erinnert er sich. Der 72-Jährige ist wie Langer und Watson in jedem Jahr im Vorfeld der Masters ein begehrter Gesprächspartner. „Keegan Bradley hat mich angerufen und viele Fragen gestellt. Rory hat das auch gemacht. Trevor Immelman ist vor seinem Masters-Sieg zu mir gekommen, Schwartzel auch.“ Jedem hat Nicklaus Tipps gegeben. „Was ich all’ diesen Kindern aber wirklich eindrücklich mitteile, ist, dass jeder ein Individuum ist und jeder seine Sache anders angeht. Jeder muss herausfinden, wer er ist, warum er so ist und wie er an bestimmte Dinge herangeht.“

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