US Masters in Augusta : Wenn der Putter streikt

Golfer Martin Kaymer enttäuscht bei den US Masters, weil er Probleme beim Putten hat. Damit ist der einstige Weltranglistenerste im Augusta National Golf Club nicht allein.

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Die Visualisierung der Puttlinie: Fehlt dem Spieler der Glauben, fällt nur selten ein Putt.
Die Visualisierung der Puttlinie: Fehlt dem Spieler der Glauben, fällt nur selten ein Putt.Foto: dpa

Martin Kaymer ist frustriert. Er schüttelt den Kopf, ein wenig fassungslos. „Dass ich so schlecht putte, hätte ich ja nicht gedacht.“ Es ist Samstagnachmittag bei der US Masters im Augusta National Golf Club, als er das sagt. Er belegt mit fünf über Par den 44. Platz. Jeder Profi erwischt irgendwann einmal einen Tag, an dem der Putter streikt -  im Falle von Kaymer und der US Masters aber beschreibt dieser eine Satz eine generell nicht einfache Beziehung.

Die Bilanz des Deutschen bei diesem Major-Turnier ist denkbar schlecht. Bei den ersten vier Starts hat er den Cut verpasst, im vergangenen Jahr Rang 44 belegt. Auch 2013 griff der Deutsche niemals in den Kampf um einen der Top Ten-Plätze ein. Als die dritte Runde zu Ende geht, trennen Kaymer von den Führenden Brandt Snedeker und Angel Cabrera zwölf Schläge, von seinem Landsmann Bernhard Langer sieben. Eine Situation, die für einen Majorsieger und einstigen Weltranglistenersten gänzlich ungenügend ist. „Das ist ja dann auch schon egal, ob ich 50. werde oder den Cut verpasse“, kommentiert er seine Leistung. „Ich muss einfach vorne mitspielen.“

Ein Ziel, das Jahr für Jahr an den komplizierten Grüns scheitert. „Ich habe eigentlich gut gespielt, aber nichts gelocht“, stöhnt Kaymer. Nach der dritten Runde belegt er in der Puttstatistik den viertletzten Platz. „Man darf nicht zu aggressiv sein, weil der Ball sonst fünf Meter ausläuft und muss aber aggressiv sein, um den Putt zu lochen“, suchte der Düsseldorfer nach der Lösung des Problems.

Er war nicht der Einzige. Der Australier Jason Day verpasste am Samstag auf den zwei letzten Löchern zwei Putts, die kürzer als eineinhalb Meter waren . Der aktuelle Weltranglistenerste Tiger Woods sah konsterniert zu, wie sein Putt an Bahn acht aus einem Meter Entfernung wie auf einer Murmelbahn einmal komplett um den Grünrand lief und dann doch nicht fiel. „Das war eine ziemlich heftige Geschwindigkeit auf den Grüns“, resümierte Woods. „Da musste man richtig vorsichtig sein.“ Kaymer schließlich lief der Ball an Bahn 16 nach seinem Putt sogar wieder vom Grün. „Das sieht ja im Fernsehen immer richtig schrecklich aus“, kommentierte er das Desaster. „Aber hier lässt sich das ja gar nicht vermeiden.“

Oder vielleicht doch? Die winzigen Kanten und Dellen am Grün, die ausgetrockneten, plattgewalzten Grashalme sind arglistig und erbarmungslos. Und doch sagt ein Putting-Spezialist wie Brandt Snedeker, „man muss aggressiv rund um die Grüns sein.“ Der Amerikaner, der das Feld am Samstagabend mit sieben unter Par anführte, hat nichts so gern in der Hand wie seinen Putter. Stunde um Stunde verbringt er auf den Übungsgrün. So abgenutzt war die Schlagfläche seines Lieblingsschlägers, dass der Hersteller die Schlagfläche erneuern musste, weil sie eine kleine Delle nach abertausenden Treffern an der gleichen Stelle aufwies. Betritt Snedeker die Grüns von Augusta ist der Putter die Verlängerung seines Arms. Er fühlt die Grüns, spürt wie viel Ballbeschleunigung sie erwarten.

Putten, da sind sich alle Spieler und Trainer einig, hat nur begrenzt mit Technik zu tun. Sieht man einmal von einigen Basiselementen ab, geht es vor allem um Glauben und Vertrauen. Die Visualisierung der Puttlinie, die Vorstellung von einem Putt, der totsicher ins Loch läuft, ist entscheidend. Fehlt dem Spieler der Glauben, fällt nur selten ein Putt.

Wie er das Putt-Problem in Augusta in Zukunft in den Griff bekommt, weiß der Deutsche erst einmal nicht. Nachdem er seit mehr als einem Jahr mit mittelmäßiger Form kämpft,  ist er erst einmal froh, dass er in den vergangenen drei Wochen generell wieder zu einer besseren Einstellung gefunden hat. „Bei den letzten Turnieren war ich oft frustriert, weil ich nicht so gut gespielt habe. Ich hatte mich schon vorbereitet, aber eben nie so richtig wie früher“, stellte er fest. Seinen schnellen Aufstieg in der Weltrangliste  seit seinem Wechsel ins Profilager 2005 habe er aber letztlich der Tatsache zu verdanken, dass er exzessiv trainiert und hart gearbeitet habe. „Man wird mit der Zeit aber einfach bequem“, stellt er in seinem achten Profijahr fest. „Zum Glück habe ich selbst erkannt, dass das nicht zu mir passt.“ Im Vorfeld der Masters hat er mit seinem Coach Günter Kessler in Arizona gearbeitet. „Das war eben so wie früher, als man richtig Blasen an der Hand bekam. Sechs bis sieben Stunden jeden Tag nur Training.“ Für das Putten allerdings ist Kessler nicht zuständig. Dieses Thema bearbeitet Kaymer ohne Coach. Die Lösung kann nur er allein finden.

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