Sport : US- Open: Bitte nicht auf den Centre Court!

Stefan Liwocha

Als die Arbeit getan war, schickte Thomas Haas seinen Trainer mit einer ungewöhnlichen Anfrage zu den Organisatoren: Ob er denn, bitteschön, sein Achtelfinalspiel gegen den Australiner Lleyton Hewitt nicht auf dem Centre Court bestreiten könne, sondern auf dem Nebenplatz, dem so genannten Grandstand. "Dort habe ich das bisher beste Tennis meiner Karriere gespielt", sagte Haas. Bestätigung erfuhr der Hamburger im Arthur-Ashe-Stadion zu New York vom Tschechen Jiri Novak, der Haas nach seiner 3:6, 4:6, 2:6-Niederlage am Sonntag spontan "zum Geheimfavoriten auf den Turniersieg" erklärte. Und auch Haas sprach plötzlich davon, dass ein Grand-Slam-Turnier bei den Herren selten zuvor so offen war. "Rafter, Kuerten, Agassi, Sampras und sogar Roddick. Viele haben Chancen auf den Titel", sagte der 23-Jährige, der selbstbewusst anfügte: "Wenn ich mein Niveau erreiche, kann ich jeden schlagen."

Wird Haas im entscheidenden Moment bei einem Grand-Slam-Turnier auftrumpfen, oder sich erneut mit einem rätselhaften Einbruch verabschieden? Selbst sein Achtelfinalgegner, der Australier Lleyton Hewitt, kann nicht verstehen, "warum Tommy nicht unter den Top 10 der Welt ist. Da gehört er auf jeden Fall hin."

Online-Gaming Spiel, Satz und Sieg: Der Pong-Klon von meinberlin.de Rückblende: Auf dem Weg ins Halbfinale der Australian Open 1999 schlägt Haas den Kämpfer Hewitt in der zweiten Runde. Es ist die bislang beste Grand-Slam-Platzierung des Hamburgers, der im Herbst des gleichen Jahres seine beste Weltranglistenposition (10.) erreicht. "In Melbourne dachte ich wie viele, dass dies sein großer Durchbruch ist", sagte Hewitt in New York, "warum er es dann nicht geschafft hat, ist schon seltsam. Vielleicht spielten mentale Dinge oder Verletzungen eine Rolle."

Beides ist richtig. Haas schöpfte sein Potenzial bislang nie richtig aus und die unzähligen Trainerwechsel der vergangenen Monate untermauerten die Konzeptlosigkeit. Die jüngst erfolgte Rückkehr zu Trainer David Ayme überraschte, doch im vertrauten Umfeld der Tennis-Akademie von Nick Bollettieri in Florida schuf Thomas Haas die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Sommer.

Der Turniersieg in Long Island gegen Pete Sampras (USA) gab ihm "ungeheuren Auftrieb", die Demontage von Novak eingeschlossen verließ der deutsche Daviscupspieler achtmal in Folge den Hartplatz als Sieger. "Dies sind sicherlich die besten fünf, sechs Wochen meiner Karriere, ich habe über einen langen Zeitraum konstant gut gespielt", sagte Haas, der sein erstes Ziel mit dem Erreichen der dritten Runde in Flushing Meadows locker erreichte. "Jetzt kommt mit Hewitt der erste dicke Brocken. Ich freue mich unheimlich auf das Match."

Haas muss sich vor Hewitt, der durch ein 6:1, 6:3, 6:4 über den Spanier Albert Portas die vierte Runde erreichte, keineswegs verstecken. Im direkten Vergleich steht es 3:3, und in diesem Jahr gewann jeder Spieler ein Duell. Haas bezwang die Nummer vier der Welt in Adelaide, anschließend revanchierte sich Hewitt bei den Australian Open. "Unsere Begegnungen sind immer eng. Ich muss schon mein bestes Tennis spielen, um ihn zu schlagen", lobte Hewitt die deutsche Nummer eins, die ein bislang enttäuschendes Grand-Slam-Jahr (2. Runde Australien Open, 2. Runde French Open, 1. Runde Wimbledon) zu einem versöhnlichen Abschluss bringen will.

Da Andre Agassi (USA) gestern den Schweizer Roger Federer im Achtelfinale locker mit 6:1, 6:2, 6:4 bezwang und sich im Duell zwischen Patrick Rafter (Australien) und Pete Sampras (USA) noch zwei weitere Topspieler in der Nacht zu Dienstag gegenüberstanden, verringert sich automatisch der Kreis der Favoriten. Der Sieger des deutsch-australischen Kräftemessens Haas kontra Hewitt trifft in der leichteren oberen Hälfte des Tableaus vermutlich im Viertelfinale auf den Amerikaner Andy Roddick.

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