Sport : US Open: Der Broadway hat keine Chance

Stefan Liwocha

Andre Agassi und Pete Sampras waren gut drauf nach ihren Siegen im Achtelfinale der US Open gegen Roger Federer und Patrick Rafter. Nacheinander erschienen die beiden US-Amerikaner im Presseraum des Arthur-Ashe-Stadions, um die höchste Hürde des Tages zu nehmen. Ob sie sich noch an ihr erstes Duell erinnern können, lautete die Frage. "Hmm, wir waren 12 oder etwas jünger", antwortete Agassi, "aber ich weiß nur noch, dass ich viel größer als Pete war." Sampras wusste es besser: "Es war bei einem Junioren-Turnier im kalifornischen Northridge. Ich war acht, Andre neun. Und nach meiner Version habe ich das Match gewonnen." Sampras grinste, die Journalisten lachten. Es war ein schöner Tag für das amerikanische Herren-Tennis. Agassi hatte den Schweizer Jungstar Federer vorgeführt, Sampras den Australier Rafter überrascht. "Doch über den Sieg kann ich mich nur fünf Minuten freuen", meinte Sampras. Die US Open gehen weiter, und als nächster Gegner wartet Andre Agassi. Wohlgemerkt in einem Grand-Slam-Viertelfinale.

Online-Gaming Spiel, Satz und Sieg: Der Pong-Klon von meinberlin.de Es ist der Hit der US Open, der seine Magie aus dem Alter und der Titelsammlung der beiden Hauptdarsteller erfährt. Sampras ist 30, Agassi 31. Da es am Mittwochabend (Ortszeit) zum vielleicht letzten großen Duell der beiden Stars bei einem Grand-Slam-Turnier kommt, freuen sich Fans und Schwarzmarkthändler. New York ist im Tennis-Fieber. Gegen diesen Evergreen kann der Broadway einpacken. "Ein Abendmatch von diesem Kaliber", meint Andre Agassi, "dafür sind die US Open der beste Platz auf der Welt. Es wird ein Feuerwerk geben." Auch Pete Sampras ist sicher, dass es "ein hervorragendes Match" werden wird: "Hoffentlich einer jener Klassiker, die man nie vergisst." Es ist das 32. Duell der ewigen Rivalen, doch selten war der Ausgang ungewisser. Vorteil, Samprassi.

Agassi zeigte beim 6:1, 6:2, 6:4 gegen den Schweizer Jungstar Roger Federer seine bislang beste Turnierleistung. "In den ersten beiden Sätzen hatte ich nicht den Hauch einer Chance", klagte Federer, der gegen Agassis "unglaubliche Grundschläge" völlig machtlos war: "Man hat einfach das Gefühl, dass er nie Fehler macht." Agassis Einzug in die Runde der letzten acht war keine Überraschung. Dafür strafte Pete Sampras alle Kritikier Lügen, die ihn als "Tennis-Rentner" tituliert und für die US Open bereits abgeschrieben hatten. Der ehemalige Weltranglistenerste, der seit Wimbledon 2000 in 17 Turnieren keinen einzigen Titel holte, bewies gegen Patrick Rafter alte Klasse. Er gewann mit 6:3, 6:2, 6:7 (5:7), 6:4 und zeigte nach dem verwandelten Matchball seltene Emotionen.

Sampras, sonst eher reserviert, stieß vor Freude einen Urschrei aus, machte die doppelte Becker-Faust und küsste seine rechte Hand. Momentaufnahmen wie nach einem Turniersieg. "Für mich war es rein gefühlsmäßig ein Finale", sagte Sampras, "und es ist schade, dass ein solch großes Match gegen Patrick Rafter bereits in der vierten Runde ausgetragen wurde." Der viermalige US-Open-Champion war "heilfroh", im vierten Satz keinen weiteren Tiebreak gespielt haben zu müssen. "Denn da hätte alles passieren können", sagt Sampras. Den Grundstein zum Sieg im Duell der beiden Serve-und-Volley-Spezialisten legte der Amerikaner in den ersten beiden Sätzen, als er nahezu fehlerfrei spielte und sehr gut servierte. Am Ende stand für ihn die Matchstatistik von 20 Assen, 60 Gewinnschlägen und nur 14 unerzwungenen Fehlern.

Agassi hat bereits sechs Grand-Slam-Titel gewonnen, Sampras sogar deren 13. Dennoch ist ihre Motivation ungebrochen. "Hier in New York hat man die Gelegenheit, dem Jahr die Krone aufzusetzen", sagte Andre Agassi, "es ist ein besonderer Nervenkitzel." 14-mal behielt er in den bisherigen Duellen die Oberhand, 17-mal Sampras. Für Sampras spricht, dass er gegen Agassi bei beiden bisherigen US-Open-Duellen gewann, und zwar 1990 und 1995 jeweils im Finale. Zudem hat Sampras bei Flutlichtspielen in Flushing Meadows eine makellose Bilanz von 16:0 vorzuweisen. Allerdings setzte sich Agassi in den vergangenen drei Duellen (Australian Open 2000, Indian Wells und Los Angeles 2001) durch. "Wenn beide in Topform sind, favorisiere ich den über mehr Waffen verfügenden Sampras", sagte der amerikanische Daviscup-Coach Patrick McEnroe, "je länger das Match dauert, desto größer sind Agassis Chancen." Man kann es auch anders formulieren: In der Neuauflage des Klassikers ist alles möglich.

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