Sport : US-Open: Der Frust nach dem Regen

Stefan Liwocha

Das Bild sprach Bände. Nach dem Aufschlagverlust zum 2:5 im dritten Satz behandelte Thomas Haas sein Arbeitsgerät auf brutalste Weise. Erst donnerte er den Schläger auf den Boden, wenig später zertrümmerte er ihn vor seinem Stuhl. Die unsachgemäße Handhabung ließ darauf schließen, dass der Hamburger sein Match gegen den Australier Lleyton Hewitt bereits abgeschrieben hatte. Die Nerven lagen blank, der Frust war groß. Wie so oft in der Vergangenheit fehlte zum Aufbäumen die Kraft und die mentale Stärke. Mit der 6:3, 6:7 (2:7), 4:6, 2:6-Niederlage verabschiedete sich Haas von den US Open. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob Haas eine Regenfront zum Verhängnis wurde.

Online-Gaming Spiel, Satz und Sieg: Der Pong-Klon von meinberlin.de Haas und Hewitt waren bereits am Dienstagnachmittag ins Arthur-Ashe-Stadion marschiert. Nach nur 47 Minuten mussten sie ihre Auseinandersetzung abbrechen. Es regnete. Da die Abendveranstaltung bei den US Open Vorrang genießt, hatten die beiden Tennisspieler zwei Möglichkeiten: entweder nach dem Match von Gustavo Kuerten gegen Albert Costa im Louis-Armstrong-Stadion weiterzumachen, oder ihr Duell am folgenden Tag fortzusetzen. "Der Schiedsrichter ließ uns keine andere Wahl, aber Lleyton und ich waren uns einig", sagte Haas, und Hewitt erklärte: "Es war eine schwierige Situation. Die Verlegung hat mir sicher ein wenig geholfen." Nach Ende des ersten Teils führte Haas 6:3, 2:2, und der als TV-Kommentator arbeitende John McEnroe wiederholte, dass der Deutsche "eine große Chance auf eine Überraschung" habe.

Es war ein vorschnelles Urteil. Denn wie erwartet zeigte sich der laufstarke Weltranglistenvierte in der Fortsetzung des Achtelfinales von seiner besten Seite. Die Vorentscheidung zugunsten des Australiers fiel zwischen dem Ende des zweiten Satzes und dem Beginn des dritten Satzes. Nachdem Haas beim Stand von 5:6 mit einem As einen Satzball abgewehrt und sein Aufschlagspiel durchgebracht hatte, ging es in den Tiebreak. Dort lag Haas schnell 0:5 zurück und gab den Satz ab. "Hätte ich dort verloren, wäre es verdammt eng geworden", sagte Hewitt. Gleich zum Auftakt des dritten Satzes nahm er Haas den Aufschlag ab. Es war das erste Mal im 45. Aufschlagspiel. "Da hat sich das Match gedreht", sagte Haas.

Der Frustpegel stieg mit jedem Fehler. Und man hatte nicht den Eindruck, dass Haas das Spiel noch drehen könnte. "Es ist unheimlich schwer, gegen einen Spieler vom Kaliber eines Hewitt zurückzukommen", sagte Haas. Erinnerungen an das Zweitrundenmatch bei den Australian Open wurden wach, in dem der Deutsche einen möglichen Sieg gegen Hewitt ebenfalls verschenkt hatte. "Tommy muss mental stärker werden", sagte Hewitt. Der Unterlegene verwies auf den "besten Sommer meiner Karriere" mit acht Matchgewinnen in Folge.

Die Serie riss beim vierten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Dahin ist die Chance, sich nach einem viel versprechenden Start die Krone aufzusetzen. Doch Haas wurmte nicht nur das Ausscheiden. "Es ist respektlos von Herrn Steeb und dem DTB eine Erklärung abzugeben, während ich hier noch im Einsatz bin", sagte Haas. Zudem hätte "man mich ruhig einmal anrufen können". So hatte der Daviscupspieler von Steebs Rücktritt aus der Presse erfahren. Erhellendes zu dessen Nachfolge konnte auch Haas nicht bieten: "Ich kann Boris Becker nicht noch öfter fragen, und an Michael Stich ist man auch schon mehrmals herangetreten. Es gibt keinen Wunschkandidaten."

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