US Open : Der Tag der langen Matches

Thomas Haas und Simon Greul hatten einige Probleme, bei den US Open die zweite Runde zu erreichen. Dort trifft Greul auf Roger Federer - und freute sich darüber. Auch Philipp Kohlschreiber in der nächsten Runde, Mischa Zverev hingegen ist ausgeschieden.

Anke Myrrhe[New York]
US Open Day 1
Beidhändige Rückhand. Simon Greul musste hart um den Einzug in die zweite Runde kämpfen.Foto: AFP

Mehrfach flog der Schläger auf den blauen Hartplatz des Court 11. Thomas Haas brüllte sich selbst an, haderte mit dem Wind, der Bespannung seines Schlägers, seinem Körper und was ihm sonst noch so einfiel. Es war ein holpriges Spiel, das der 31-Jährige zum Einstieg in die US Open ablieferte, „ein Stück harte Arbeit“, wie er später sagte. Im dritten Satz sah es beinahe so aus, als könne die größte deutsche Hoffnung beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres tatsächlich gegen den kolumbianischen Qualifikanten Alejandro Falla, die Nummer 160 der Welt, verlieren. Haas lag mit Break hinten, kämpfte sich noch in den Tiebreak, wo er zwei Satzbälle abwehren musste. Doch er überstand diese Phase, gewann 7:5, 4:6, 7:6 (9:7), 6:2 und steht neben Philipp Kohlschreiber und Simon Greul in der zweiten Runde der US Open. Dort er trifft auf Robert Kendrick aus den USA.

Haas’ Match war symptomatisch für einen durchwachsenen ersten Tag der deutschen Tennisprofis. Der gebürtige Hamburger konnte froh sein, dass Falla im vierten Satz am Ende seiner Kräfte war. Dem Kolumbianer waren die Strapazen der Qualifikation deutlich anzusehen. „Aber dadurch hatte er die Routine aus drei Matches“, sagte Haas, „und das Selbstvertrauen hat man ihm angemerkt.“ Das schien Haas teilweise zu fehlen, wenn er zögerte, den Bällen hinterherzugehen. Er war in den Vorbereitungsturnieren früh gescheitert und spielt bislang ohnehin eine eher mäßige Hartplatzsaison. So hatte er große Probleme mit dem Aufschlag, servierte teilweise sogar hinter die Grundlinie. „Ich habe keinen Rhythmus gefunden“, sagte Haas. Die guten Returns seines Gegners machten es ihm bei den Aufschlagspielen zusätzlich schwer.

Es hätte zu diesem ersten Tag gepasst, wenn auch Thomas Haas in den fünften Satz gegangen wäre. Denn zeitweise sah es so aus, als würden alle deutschen Spieler ihre anfangs guten Ausgangspositionen leichtfertig verspielen. Mischa Zverev, Rainer Schüttler und Simon Greul führten jeweils, mussten dann aber über die volle Matchdistanz – bei der nur Greul am Ende erfolgreich war. Der 28-Jährige wehrte im fünften Satz drei Matchbälle ab und nutzte seinen zweiten zum 6:3, 4:6, 3:6, 6:0, 7:6 (11:9) gegen Giovanni Lapentti aus Ecuador. Allerdings trifft der Weltranglisten-65. nun auf den 64 Plätze vor ihm rangierenden Roger Federer aus der Schweiz. „Ich habe mich über diese Auslosung gefreut“, sagte Greul. „Davon werde ich sicher noch in 40 Jahren erzählen.“

Weniger glücklich endeten die Fünf-Satz-Auftritte von Rainer Schüttler und Mischa Zverev. Schüttler, der zum dritten Mal in dieser Grand-Slam-Saison in der ersten Runde scheiterte, verlor gegen den Tschechen Jan Hernych 6:1, 6:7 (5:7), 4:6, 6:2, 3:6. Der 33-Jährige, der inzwischen auf Rang 99 der Welt abgerutscht ist, ließ offen, ob er am Ende des Jahres seine Karriere beenden wird. Mischa Zverev hatte sein Spiel ebenso lange in der Hand und beklagte nach dem 6:2, 5:7, 6:3, 4:6, 0:6 gegen den Spanier Marcel Granollers seine Nervenschwäche. „Das geht mir jetzt schon eine Weile so, dass ich die Matches nicht zu Ende bekomme“, sagte er ratlos.

Der Einzige, der bei all den Nervenkrimis etwas aus der Reihe fiel, war Philipp Kohlschreiber. Er besiegte den Italiener Andreas Seppi 6:0, 6:4, 6:4, warnte jedoch hinterher gleich vor zu viel Enthusiasmus: „Es sieht zwar nicht so aus, aber es war ein richtiger Arbeitssieg. Ich bin froh, die erste schwierige Hürde genommen zu haben.“ In der nächsten Runde trifft Kohlschreiber auf den Inder Somdev Devvarman. Erwartungsgemäß glatt verabschiedeten sich Qualifikant Dieter Kindlmann (3:6, 4:6, 5:7 gegen den Russen Nikolai Dawidenko) und in der späten New Yorker Nacht Björn Phau in der ausverkauften Nightsession gegen den US-Amerikaner Andy Roddick (1:6, 4:6, 2:6).

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