Sport : US-Open: Die Bronx macht stark

Stefan Liwocha

Kurz vor Sonnenuntergang ist auf Außenplatz vier die Überraschung perfekt. Ein Qualifikant aus Weilerswist bei Köln serviert bei den US Open den an Nummer 19 gesetzten Schweden Thomas Enqvist mit 6:3, 4:6, 6:3, 6:4 ab. Nach dem Sieg lässt ein gewisser Björn Phau einen Urschrei los und reißt die Arme hoch. Björn Phau - wer bitte ist dieser kleine Mann (1,73 Meter), der an Michael Chang erinnert? Auch Thomas Enqvist schüttelte nach der Pleite in Runde eins nur den Kopf. "Ich hatte noch nie von ihm gehört", sagte er, "aber jetzt kenne ich ihn nur zu gut und muss seine Leistung loben. Er hat sehr aggressiv gespielt und wenige Fehler gemacht."

Online-Gaming Spiel, Satz und Sieg: Der Pong-Klon von meinberlin.de Thomas Haas hatte zuvor den Holländer John van Lottum 6:2, 6:2, 7:6 (7:5) besiegt - doch das Interesse galt plötzlich dem 22-jährigen Phau. "Das war ein perfektes Match und ich bin überglücklich", sagte der Sieger nach dem "größten Erfolg meiner Laufbahn". Es war erst der zweite Grand-Slam-Auftritt des Sohnes eines indonesischen Vaters und einer deutschen Mutter gewesen, nachdem er bei den French Open 2000 in der ersten Runde gescheitert war. Der jetzige Erfolg kommt um so überraschender, als der auf Platz 199 der Weltrangliste geführte ehemalige Junioren-Auswahlspieler im Februar an einer schweren Viruserkrankung litt. Die Saison schien gelaufen zu sein.

Doch mit dosiertem Training und der Einnahme von Vitaminen und Mineralien legte Phau den Grundstein für sein Tennis-Abenteuer in New York. Er spielte zunächst bei einem Challenger-Turnier in der Bronx, "wo alles von Polizisten abgeriegelt war". Durch den Sieg dort schaffte Phau den Sprung in das Qualifikationsturnier für die US Open und kämpfte sich ins Hauptfeld. "Die Kondition ist eigentlich nicht mein Problem. Ich bin sehr fit", sagte der einst von Boris Becker ins Mercedes-Junioren-Team geholte Nachwuchsspieler. Anfangs habe er mit dem Wimbledonsieger "ab und an" trainiert, doch dann sei der Kontakt abgebrochen. Dem stark kritisierten Tennis-Förderteam verdanke er viel. "Die haben mich toll unterstützt und alle Kosten übernommen."

Er sieht den Vergleich mit dem ehemaligen amerikanischen Spitzenspieler Michael Chang als "große Ehre" an, weil der "schließlich einmal unter den Top fünf der Welt war". Phau denkt an die Top 50, glaubt aber, das Niveau eines Haas oder Kiefer "durchaus erreichen zu können. Ich kann in dieser Form fast jeden schlagen". In der zweiten Runde trifft er auf den Tschechen Jiri Novak. Sollte Phau auch diese Hürde nehmen, wäre ein Duell gegen Thomas Haas, der nun gegen den Spanier Felix Mantilla spielt, möglich. Anders als der Topspieler hat der Qualifikant sein Soll schon erfüllt. "Wie, ich bekomme für das Weiterkommen 20 000 Dollar", staunte Phau, "einfach irre."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben