US-Open-Finale gegen Novak Djokovic : Stan Warinka, der Straßenkämpfer

Stani Wawrinka fordert im Finale der US Open selbstbewusst den Weltranglistenersten Novak Djokovic heraus. Wegen seiner Aggressivität wird der Schweizer "Stan, the Man" und "Stanimal" genannt.

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Immer an der Grenze. Wawrinka hat sich in New York durchgebisssen. Foto: AFP
Immer an der Grenze. Wawrinka hat sich in New York durchgebisssen.Foto: AFP

Die Passion der Amerikaner für den sportlichen Wettbewerb wird wohl nur noch von ihrer Hingabe zu Klimaanlagen übertroffen. Stan Wawrinka hatte sich gerade in brutaler New Yorker Schwüle drei Stunden lang gequält, den Japaner Kei Nishikori mit 4:6, 7:5, 6:4 und 6:2 niedergerungen und damit sein erstes Finale bei den US Open erreicht. Abkühlung konnte der Schweizer gut gebrauchen. Allerdings war selbst ihm die Polarluft im Presseraum in den Katakomben des Arthur-Ashe-Stadions offenbar zu heftig. Wawrinka hatte sich die Kapuze seines grauen Sweatshirts tief über den Kopf gezogen, und so sah er aus wie ein Boxer vor seinem großen Kampf. Und das passte ja auch ins Bild, er fordert heute schließlich den Weltranglistenersten Novak Djokovic im Endspiel heraus.

Vielleicht wollte sich Wawrinka mit der Optik des Straßenkämpfers aber auch bloß gegen die verbalen Hiebe wappnen, die ihm entgegenschlugen. Da musste er sich als Nummer drei der Welt fragen lassen, was ihn eigentlich noch motivieren würde. Er habe zwei Grand-Slam-Turniere gewonnen, sei sehr reich und werde ohnehin nie an die Anzahl der Trophäen heranreichen, die Roger Federer, Rafael Nadal und Djokovic gesammelt hätten. Wawrinka wurde nicht handgreiflich, er schüttelte bloß den Kopf und grinste. „Was soll ich also tun?“, konterte er. „Ich bin 31 Jahre alt. Soll ich mich an den Strand legen und faulenzen? Ich liebe meinen Sport, Tennis ist meine Leidenschaft und ich darf vor so unglaublicher Kulisse spielen. Was gibt es Besseres?“

Mit genauso viel Feuer hatte sich Wawrinka in sein drittes Grand-Slam-Finale in drei Jahren gespielt. In der dritten Runde musste er dabei einen Matchball gegen Daniel Evans abwehren, das hat ihn entfesselt. „Seither bin ich immer besser geworden“, sagt Wawrinka. „Ich spiele aggressiv, lasse den Gegner leiden. Ich zeige ihm, dass ich vier, fünf Stunden kämpfen kann und nie aufgebe.“

Die US Open sind das brutalste Grand-Slam-Turnier. Der Lärm, die Hitze, der Betonboden. Hier gewinnt schierer Überlebenswille. Und den hat Wawrinka. Auf jeden wichtigen Moment in seinen Matches folgt sofort seine Geste in Richtung seines Trainers Magnus Norman: das Tippen mit dem Zeigefinger an seine Schläfe. „Seht her, ich bin der Mann.“

„Stan, the Man“ nennen sie ihn und „Stanimal“, seine mentale Stärke ist riesig. Von Rückschlägen in seinen Partien lässt er sich in New York nicht aus der Bahn werfen, er geht immer wieder an seine Grenzen. „Stan ist ein Spieler für die großen Matches“, sagte Djokovic nach seinem 6:3, 6:2, 3:6 und 6:2-Sieg über Gael Monfils. Der Serbe bekam das im Finale der French Open im Vorjahr schmerzlich zu spüren. Dennoch will Djokovic in seinem siebten Endspiel in New York unbedingt mit seinem 13. Major-Titel die Formkrise der letzten Monate vergessen machen.

Dank dreier Aufgaben und Absagen im Turnierverlauf hat Djokovic sechs Stunden weniger auf dem Platz gestanden als Wawrinka und bloß 13 Sätze gespielt. Aber der Schweizer scheint frischer als der leicht angeschlagene Serbe und von seiner perfekten Final-Bilanz beflügelt. Seine letzten zehn Endspiele gewann Wawrinka allesamt. „Novak ist ein großartiger Spieler“, sagt er, „aber ich weiß, dass ich ihn schlagen kann. Und er weiß das auch.“

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