US Open : Finale ohne Trophäe

Es fühlte sich an wie ein Finale, doch als die Nummer vier und sieben der Setzliste trafen sie sich bereits im Viertelfinale: Serena Williams schlägt Schwester Venus.

Petra Philippsen
Williams
Venus (l.) und Serena Williams -Foto: dpa

New YorkFast schon könnte man es eine lieb gewonnene Familientradition im Hause Williams nennen, dass Vater Richard Williams stets fluchtartig die Stadt verlässt, wenn seine Töchter auf dem Tennisplatz gegeneinander antreten. Er sei in New Jersey oder Chicago zu finden, ließ er daher auch im Vorfeld des 17. Duells von Venus und Serena Williams im Viertelfinale der US Open verlauten. Am Samstag zum Halbfinale käme er natürlich zurück nach New York, kündigte Vater Williams an, der sich die Partie seiner Töchter auch nicht im Fernsehen ansehen wollte. Das tut er nie. Daher entging ihm der intensive Kampf, den die beiden am späten Mittwochabend im Arthur-Ashe-Stadion austrugen, und der Serena Williams mit 7:6 (8:6) und 7:6 (9:7) als Siegerin hervorbrachte. Es wurde eine weit überzeugendere Vorstellung der Schwestern als jene, die sie zuletzt im Finale von Wimbledon boten und bei der Venus noch die Oberhand behielt.

„Es fühlte sich wie ein Finale an. Wir hätten eine Trophäe für unsere Leistung verdient gehabt“, sagte Serena Williams hinterher nicht ohne Stolz. Dass es nicht so war, lag vor allem daran, dass die Schwestern durch ständige Verletzungen im Ranking zurückgefallen waren. Daher trafen sie sich als die Nummer vier und sieben der Setzliste bereits im Viertelfinale. Ihr Potenzial bewiesen sie jedoch unabhängig von Ranglistenpositionen, sie taten es auch in New York mit Siegen im Eiltempo. Ihren gestrengen Vater wussten sie damit allerdings nicht zu überzeugen. „Sie spielen nicht einmal annähernd mehr auf dem Niveau wie früher“, kritisierte das Familienoberhaupt. Er mag, was den Beginn der Partie angeht, vielleicht recht gehabt haben, denn bis zum Stand von 5:5 dominierten Fehler und schwache Aufschlagquoten das Spiel der Schwestern. Hochklassige Ballwechsel waren erst zu sehen, als es im ersten und dann im zweiten Satz auf den Tiebreak im ersten zuging. „Gegen die meisten Spielerinnen hätte ich heute gewonnen. Aber es ist eben Serena“, sagte Venus, die sich beim Glückwunsch am Netz kaum ein Lächeln abringen konnten.

Auch ihre Schwester Serena, die die US Open schon zweimal gewonnen hat, meinte, dass „wir bisher bestimmt die Besten im Turnier waren“. Im Halbfinale trifft sie auf die Russin Dinara Safina, das andere Semifinale bestreiten Olympiasiegerin Jelena Dementjewa aus Russland und die Weltranglistenzweite Jelena Jankovic aus Serbien. Serena Williams kümmert sich nicht um die anderen, sondern nur um sich selbst. „Ich will das Turnier gewinnen“, sagt sie, „und früher oder später werde ich wieder die Nummer eins sein. Das steht fest.“ Ihren Vater dürfte diese Ansage versöhnlich stimmen.

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