Sport : US Open: Huber und Kiefer stehen im Achtelfinale

Jörg Allmeroth

Die verblüffend erfolgreiche US-Open-Mission von Anke Huber geht nach einem Aufgabesieg gegen die Weltranglisten-Vierte Mary Pierce in eine erfreuliche Verlängerung: In der erdrückenden Mittagshitze von New York konnte die Karlsdorferin nach genau 38 Minuten und einem 6:4-Zwischenstand schon wieder ihren Arbeitsplatz verlassen, als die French-Open-Siegerin Pierce wegen einer Entzündung im rechten Schultergelenk ihren schmerzvollen Arbeitseinsatz vorzeitig beenden musste. Mit dem Viertelfinal-Einzug stellte Huber ihr bisher bestes US-Open-Ergebnis des Vorjahres ein und erreichte zum siebten Mal in ihrer Achterbahn-Karriere die Runde der letzten acht bei einem Grand-Slam-Wettbewerb. Ein sattes Preisgeld von 110 000 Dollar ist der DTB-Spitzenspielerin nun schon sicher.

"Ich bin froh, dass mein Aufwärtstrend auch bei einem wichtigen Turnier bestätigt wird", sagte die 24-jährige Karlsdorferin, die nun auf auf die Siegerin der Partie zwischen Elena Dementieva und Lilia Osterloh trifft und gegen beide ungesetzte Spielerinnen die Chance hat, sich zum berühmten Super Saturday durchzuschlagen, ins Halbfinale, vermutlich gegen die jüngere Williams-Schwester Serena.

"Ich habe vom ersten Moment an gemerkt, dass bei Mary etwas nicht stimmt", erklärte Huber, die allerdings erst gegen Ende des ersten und letzten Satzes die körperliche Schwäche von Pierce zielstrebig nutzte. Bis dahin verkrampfte die deutsche Nummer eins eher im Bemühen, mit aller Macht einen klaren Vorsprung gegen die angeschlagene Französin herauszuspielen: "Ich wußte, dass sie aufhört, wenn ich mal deutlich vorne liege", sagte Huber, "aber es ist teuflisch schwer, gegen eine verletzte Spielerin die Nerven im Griff zu halten."

Ähnlich wie Huber freut sich Nicolas Kiefer auf die kommenden Aufgaben in der Endphase dieses Grand-Slam-Spektakels: "Man kann die Spannung mit Händen greifen", sagt Kiefer, der quälend lange auf vergleichbare Erfolgserlebnisse wie seinen erstmaligen US-Open-Achtelfinaleinzug warten musste. Der souveräne 6:1, 6:4, 6:3-Sieg des Holzmindeners am Sonntag gegen den Holländer Sjeng Schalken war nicht nur neue Seelennahrung fürs angekratzte Selbstbewusstsein, sondern auch ein Achtungszeichen in einem kuriosen Wettbewerb ohne klaren Favoriten. "Ich bin wieder da", verkündete der 22-jährige nach dem dritten Sieg im dritten New Yorker Match, "ich weiß, dass ich ganz oben mitspielen kann."

Beweisen muss er das schon heute gegen Magnus Norman, den French-Open-Finalisten und Dritten der Setzliste. Der bärenstarke Schwede, längst nicht mehr der farblose Langweiler unter den Topspielern, lieferte in der Nacht zum Sonntag das "Match des Turniers" ab: Gegen May Myrni, einen 2,01-Meter-Giganten aus Weißrußland, drehte Norman erst einen 0:2-Satzrückstand herum, wehrte dann in dem vier Stunden und neun Minuten währenden Klassiker vier Matchbälle ab, ehe er schließlich im Tiebreak des fünften Satzes nach einem 3:6, 4:6, 7:6, 6:4, 7:6 (12:10)-Sieg entkräftet, aber überglücklich auf den Boden sank. "Im Moment bin ich todmüde, aber gegen Kiefer werde ich topfit sein", drohte Norman, dessen größte Stärke ist, keine Schwäche in seinem Schlagrepertoire zu haben.

Bald schon will Kiefer wieder unter den ersten zehn der Rangliste landen, zurück also in Spitzenregionen, die der Deutsche Ende 1999 bereits erklommen hatte. "Ich habe das Gefühl, dass ich da hingehöre", sagt Kiefer, der in New York auch ein für allemal die Zeit der Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Trainer Bob Brett hinter sich lassen will. Am Montag warf Kiefer dem Australier vor, er habe ihn im Frühjahr bedrängt, "Turniere um jeden Preis zu spielen, auch mit regelmäßiger Einnahme von Schmerzmitteln." Das sei ein Grund für die Trennung gewesen, sagt Kiefer.

Die gefühlsbeladene Neuauflage des legendären 1991er US Open-Halbfinalduells der beiden einstigen Wunderkinder Monica Seles und Jennifer Capriati ging mit 6:3 und 6:4 mühelos an die Weltranglistenfünfte Seles.

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