Sport : US Open: Irgendwann ins Halbfinale

"Es war ein sehr gutes Turnier für mich. Ich bin wieder auf dem Weg nach oben", sagte Kiefer nach dem ärgerlichen, aber richtungsweisenden 5:7, 6:4, 6:7 (5:7), 3:6 gegen den 20-jährigen Russen Marat Safin.

"Ich bin bereit für die letzten drei Monate des Jahres", stellte der 23-Jährige aus Holzminden einen interessanten Tennis-Herbst in Aussicht. Dieser soll schon bei den Olympischen Spielen in Sydney beginnen. "Die Favoriten sind dort Patrick Rafter und Lleyton Hewitt. Sie haben als Australier das Publikum im Rücken. Aber Außenseiter gibt es immer. Eine Medaille ist für jeden ein Traum", erklärte Kiefer seine Ambitionen.

Natürlich war der beste deutsche Spieler enttäuscht, dass er bei seiner Niederlage gegen den hochtalentierten Safin im ersten und dritten Satz zwei Mal eine 5:3-Führung bei eigenem Aufschlag nicht verwerten konnte. Natürlich trauerte er "einer großen Chance" nach: Bereits zum vierten Mal nach Wimbledon 1997 und den Australian Open 1998 und 2000 hat er den Qualitätssprung vom Viertel- ins Halbfinale eines Grand Slams nicht geschafft. Doch den Traum von einem Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier gibt er deswegen nicht auf. "Irgendwann komme ich ins Halbfinale - und vielleicht noch weiter", sagte Kiefer.

"Es fehlen nur Kleinigkeiten", bilanzierte Kiefer nach seinem erfolgreichsten Abschneiden in Flushing Meadows, das mit umgerechnet fast 250 000 Mark Preisgeld honoriert wurde. Er besiegte schließlich den an Nummer drei gesetzten Schweden Magnus Norman im Achtelfinale und scheiterte gegen den an sechs gesetzten Safin nur knapp. "Marat und Magnus sind diejenigen, die das Herren-Tennis in den letzten acht Monaten geprägt haben", betonte der Niedersachse und versprach: "Eins ist sicher, das nächste Mal nehme ich Revanche."

Nach Verletzungen, Krise und Trainer-Wechsel präsentierte sich in Flushing Meadows ein neuer, gereifter Kiefer: Fit wie lange nicht, sehr zielstrebig und extrem kampfstark. "Früher war ich sauer, wenn ich zurücklag, jetzt gibt mir das noch einen Extra-Kick", begründete Kiefer seinen Kampfgeist. Gegen Safin holte er mehrmals ein 0:40 bei eigenem Aufschlag auf und wehrte 17 von 21 Breakchancen des Russen ab. "Es war ein sehr enges Match, zwei, drei, vier Punkte, die entschieden. Es konnte eben nur einen Sieger geben", sagte die deutsche Nummer eins.

"Ohne Fleiß - kein Preis", dieses Motto hat Kiefer zum Leitmotiv erhoben. "Man muss viel mehr fit sein als früher, immer härter und platzierter schlagen, einen sehr guten Aufschlag haben", beschrieb er die Entwicklung im Herren-Tennis. Sein Spiel will er unter der Anleitung von Sven Groeneveld, den Boris Becker als "exzellenten Trainer" bezeichnete, noch aggressiver gestalten und noch mehr ans Netz vorgehen. 33 von 54 Netzattacken gegen Safin waren erfolgreich.

Kiefer ist "heiß" auf Erfolge, auch im Daviscup. "Rumänien ist ein guter Gegner", kommentierte er das Ergebnis der Weltgruppen-Auslosung am Donnerstag in New York. Bei dem Heimspiel im Februar 2001 kann er vor heimischem Publikum sein Comeback nach fast zweijähriger Auszeit feiern. "Wir haben eine gute Mannschaft. Ich kann sagen, dass wir den Daviscup irgendwann gewinnen werden", sagte Kiefer selbstbewusst.

Seinem Bezwinger Marat Safin traut er bei den US Open zu, sogar den Titel zu gewinnen. Zunächst muss der 20-jährige Russe heute den zehn Jahre älteren Amerikaner Todd Martin im Halbfinale besiegen. Der Vorjahres-Finalist zog durch ein 6:4, 6:4, 3:6, 7:5 gegen Thomas Johansson aus Schweden als letzter Spieler in die Vorschlussrunde ein. Auch im zweiten Halbfinale kommt es zwischen dem 29-jährigen Pete Sampras (USA) und dem ebenfalls zehn Jahre jüngeren Lleyton Hewitt zu einem Generationen-Duell.

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