US Open : Nadal zurück vom Sofa

Zehn Monate musste Rafael Nadal wegen Knieproblemen aussetzen. Bei den am Montag beginnenden US Open wird sich zeigen, wie fit er ist.

Anke Myrrhe[New York]
Nadal
Rafael Nadal -Foto: dpa

Bis hierher war es nur ein Testlauf. So zumindest stellt Rafael Nadal den bisherigen Erfolg seines Comebacks auf die Tennistour dar. Mit dem Viertelfinale in Montréal und dem Halbfinale in Cincinnati könne er vollauf zufrieden sein, sagt der Spanier, denn er habe in den zwei Monaten zuvor „mehr Zeit auf dem Sofa verbracht als in den letzten vier Jahren.“ Trotzdem bleiben viele Fragezeichen hinter der raschen Rückkehr des früheren Weltranglistenersten. Hat er die Sehnenentzündung in seinen Knien gänzlich auskuriert? Und reicht die wenige Spielpraxis aus, um noch in diesem Jahr zur alten Stärke zurückzufinden? Einige Antworten wird es in den kommenden zwei Wochen geben, wenn Nadal in New York bei den US Open, dem letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres, antritt.

Nadal gab nun zu, neun Monate unter Schmerzen gespielt zu haben

Zehn Wochen hatten die Knie Rafael Nadal zum Fernsehen gezwungen, über sieben Wochen hat er nicht einmal einen Tennisschläger in die Hand genommen. Sehnenentzündungen auf beiden Seiten machten ihm schon seit Monaten zu schaffen. „Ich habe neun Monate mit Schmerzen gespielt“, gab der 23-Jährige nun zu. Die Kniebandagen gehörten schon lange ebenso zu Nadals Ausrüstung auf dem Platz wie Schläger und Stirnband.

Die Bandagen zumindest sind nun vorerst aus dem Equipment verschwunden. Dass jedoch auch die Schmerzen gänzlich weg sind, daran dürfen einige Zweifel bestehen. Aus den Aussagen seines Onkels und Trainers Toni Nadal konnte der aufmerksame Zuhörer vor drei Wochen deutliche Skepsis herausfiltern. „Ich glaube nicht, dass er schon fit genug ist“, sagte sein Coach.

Es war bereits die zweite Verletzungsunterbrechung seines Neffens innerhalb relativ kurzer Zeit ist. Bereits Ende der vergangenen Saison hatte der Mallorquiner das Davis-Cup-Finale gegen Argentinien und das Finale der besten acht Spieler in Schanghai absagen müssen. Es war ein unwürdiges Ende eines nahezu perfekten Jahres, in dem Nadal zum vierten Mal in Folge die French Open gewann, den Schweizer Roger Federer in Wimbledon und an der Spitze der Weltrangliste entthronte. Doch den auf dem Platz schier nicht aufzuhaltenden Nadal stoppte schließlich der eigene Körper.

Sein Körper scheint seiner extrem kraftvollen Spielweise auf Dauer nicht standzuhalten

Der scheint den Anforderungen von Nadals enormen Spielpensums dauerhaft nicht standhalten zu können. Sein Spiel ist wesentlich kraftintensiver als das anderer Profis. Nadal ist zweifelsfrei der beste Defensivspieler auf der Tour. Unermüdlich rennt er von einer Ecke des Platzes zur anderen und rutscht selbst auf Hartplatz die letzten Meter zum Ball. Auf der anderen Seite gönnt sich der 23-Jährige trotz dieser extrem kraftvollen Spielweise gerade zu Beginn des Jahres in der geliebten Sandplatzsaison kaum Pausen. Dabei ist er längst auf allen anderen Belägen so gut, dass er sich – wie Federer – einen maßvolleren Turnierplan mit mehr Unterbrechung erlauben könnte.

Die Absage des Davis-Cup-Finals bezeichnete Nadal damals als „die schwierigste Entscheidung meiner Karriere“. Doch es sieht nicht so aus, als habe der 23-Jährige aus dieser Erfahrung gelernt. Scheinbar beflügelt von seinem ersten Sieg bei den Australian Open im Februar ließ er erneut keines der Sandplatzturniere im Frühjahr aus. Wer genau hinsah, der bemerkte schon bei den French Open, wie müde der Mallorquiner bereits im Mai wirkte. Es bedurfte die schmerzliche Niederlage gegen den Schweden Robin Söderling im Pariser Achtelfinale, damit sich Nadal eine Pause gönnte.

Inzwischen ist Nadal nur noch die Nummer drei der Welt

Nach der ist er nun hinter Roger Federer und dem Schotten Andy Murray in der Weltrangliste zurückgefallen. Doch eine Kampfansage Nadals gab es zum Comeback trotzdem nicht. „Hauptsache ist doch, dass ich gesund bin und spielen kann“, sagte er und betonte die Rückkehr an die Spitze sei vorerst nicht sein Ziel. Gut möglich aber, dass diese Vorsicht auch damit zusammenhängt, dass er auf dem Platz eben noch nicht ganz so befreit agieren kann, wie er gern würde.

Fragt sich, wie lange sein Körper diesmal durchhält. Denn auch wenn Nadal sich wieder fit fühlt, wird erst die Belastung über die zwei Wochen eines Grand-Slam-Turniers wahren Aufschluss über seine Kondition geben. „Mal sehen, wie es läuft, wenn ich über fünf Sätze muss“, sagte Nadal kürzlich. Dass er in diesem Jahr den einzigen großen Titel holt, der ihm in seiner Sammlung noch fehlt, ist allerdings äußerst unwahrscheinlich. In der ersten Runde trifft Rafael Nadal am Dienstag auf Richard Gasquet aus Frankreich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben