Sport : US-Open: Noch einmal richtig genießen

Stefan Liwocha

Es war ein unspektakulärer Auftritt. Auf Court elf gewann Anke Huber ihr Erstrundenmatch gegen die Argentinierin Emilia Salerni mit 6:2, 6:4. Ein Pflichtsieg des Tennisprofis aus Karlsdorf, kaum der Rede wert. Doch da der zweite Tag der US Open keine spektakulären Resultate lieferte, versammelte sich der deutsche Reporterpool geschlossen um die deutsche Spielerin. Huber wurde ganz unplanmäßig in den großen Interviewsaal Nummer eins geführt, wo sie auf dem Podium Platz nahm. Hier halten sonst die Stars der Tennisszene vor einem internationalen Medienaufgebot Hof. Bei der Deutschen war nur ein einziger US-Reporter anwesend, der den Grund ihres baldigen Karriereendes wissen wollte. "Ich bin es einfach müde", sagte Huber auf Englisch, "und möchte etwas anderes probieren." Dann sprach man deutsch.

Online-Gaming Spiel, Satz und Sieg: Der Pong-Klon von meinberlin.de An ihrem Rücktrittsplan halte sie nach wie vor fest, unterstrich Huber, eine Verlängerung ihrer Karriere über den Januar hinaus sei ausgeschlossen. "Und wenn ich aufhöre, dann höre ich auch auf", meinte die 26-Jährige in Anspielung auf Boris Becker: "Da verstehe ich ihn nicht. Entweder ist Schluss oder man sagt eben, dies ist nur eine vorübergehende Pause." Becker hatte vor kurzem wieder einen Auftritt in der Senioren-Tour.

13 Jahre war Huber Teil des so genannten Haifischbeckens Profitennis, in dem es von Egoisten und Exzentrikern wimmelt. Aber zu denen gehört auch Huber, die ungemein schnippisch sein kann und in Berlin mal einen Journalisten trotz eines fest vereinbarten Termins arrogant abblitzen ließ. Sie gewann zwölf WTA-Turniere, erspielte 4,5 Millionen Dollar Preisgeld und konnte sich nur den Traum von einem Grand-Slam-Triumph nicht erfüllen. Allerdings wurde sie auch immer wieder wegen ihrer mitunter schwer verständlichen Leistungseinbrüche hart kritisiert. Die Finalteilnahme 1996 bei den Australian Open ist für Huber "gewiss die schönste Grand-Slam-Erinnerung", und daher wollte sie auch ihre Karriere in Australien beenden. Nun kann es aber durchaus sein, dass sie ihren Rücktritt vorverlegt. "Wenn ich mich für das Masters in München qualifiziere", sagt Huber, "dann wäre auch dies ein prima Schlusspunkt."

Die beste deutsche Tennisspielerin betonte, keine Wehmut zu spüren, denn "sonst würde ich nicht aufhören". Mittlerweile habe sie schon beim Kofferpacken Probleme und reise nicht mehr gerne. Der Zeitpunkt für den endgültigen Abschied von der Tennisbühne sei daher perfekt. "Sicher werde ich die Wettkämpfe und den Centre Court vermissen", meint Huber, und sie glaubt auch zu wissen, "dass ich nichts mehr finden werde, was ich genauso gut kann wie das Tennisspielen." Dennoch hat sie vor ihrem Schritt in ein neues Berufsleben keine Angst. Was die 26-Jährige in ihrer Zukunft genau machen will, darüber ist sie sich noch nicht völlig im Klaren: "Es soll aber etwas sein, was mir Spaß bringt."

Den Spaß am Tennisspielen hat sie aber noch nicht ganz verloren. Sie hat zuletzt gut trainiert und hofft, im Herbst bei den zahlreichen Hallenturnieren "noch einige Erfolge feiern zu können". An den großen Coup bei ihren zwölften US Open denkt sie nicht. Viel wichtiger ist es für Huber, "jetzt alles mehr zu genießen". Es könnte schließlich ihr letztes Grand-Slam-Turnier sein.

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