US Open : Roger Federer: Windeln fordern ihn heraus

Tennis-Superstar Roger Federer siegt bei den US Open souverän und erzählt dann entspannt vom Leben mit seinen Zwillingen.

Anke Myrrhe[New York]
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Dynamisch ins Achtelfinale. Roger Federer feierte gegen Tommy Robredo seinen 39. Sieg in Folge bei den US Open. Foto: dpaEPA

Roger Federer spricht dieser Tage viel über Windeln, mangelnden Schlaf und das neue Gefühl, zum ersten Mal als Vater von Zwillingstöchtern zu einem Grand-Slam-Turnier zu kommen. Mit dem Windelnwechseln laufe es ganz gut, erzählt er. „Doch Gott sei Dank bewertet niemand, wie gut ich mich da schlage.“ Seine Frau Mirka und die Mädchen seien wohlauf, und das kleine Familienunternehmen Federer finde langsam in seinen Alltag auf der Tennistour hinein. Die ständigen Fragen zu seinem privaten Glück scheinen den Schweizer nicht zu stören: Seine familiären Umstände lassen ihn offensichtlich noch entspannter an die US Open herangehen, als er das ohnehin könnte. Federer ist in New York angetreten, seinen Titel zum fünften Mal in Folge zu verteidigen. Sein lockerer 7:5, 6:2, 6:2-Sieg im Achtelfinale über den Spanier Tommy Robredo war sein 39. in Folge in Flushing Meadows.

Dass Federer so viel über sein Privatleben reden muss, liegt aber auch daran, dass ansonsten noch nicht allzu viel passiert ist im Männerturnier der diesjährigen US Open. Alle 16 Topgesetzten erreichten Runde drei und auch dort war die einzige wirkliche Überraschung die Niederlage des Wimbledonfinalisten Andy Roddick gegen seinen US-amerikanischen Landsmann John Isner, der als einziger ungesetzter Spieler das Achtelfinale erreichte. Hier verlor er allerdings am Montag 6:4, 4:6, 4:6, 4:6 gegen den spanischen Haas-Bezwinger Fernando Verdasco. Erstmals in der Geschichte der US Open hat damit kein Amerikaner das Viertelfinale erreicht.

„Das zeigt einfach, wie solide die Besten zurzeit spielen“, sagt Roger Federer und schließt sich selbst ein. Nicht nur, weil es privat gerade so gut läuft, wirkt der 28-Jährige ausgeglichener denn je. Die Last, endlich einmal die French Open zu gewinnen, hat er Anfang Juni durch seinen Sieg in Paris von sich genommen. Kurz danach sicherte er sich in Wimbledon seinen 15. Grand-Slam-Titel. Er ist wieder Weltranglistenerster, und alles, was er nun noch erreichen wird, ein Plus auf seiner Liste der Rekorde.

Diese neue Lockerheit macht Federer umso gefährlicher. Denn wer glaubt, der Schweizer würde sich nun mit Motivationsschwierigkeiten herumplagen, der irrt. „Es geht doch nur darum, Spaß zu haben, gutes Tennis zu spielen und das vollgepackte Stadion zu genießen“, sagt er. „Warum sollte ich meinen Platz so einfach aufgeben?“ Und auch wer dachte, dass seine veränderte familiäre Situation vielleicht schlechtere Leistungen verursachen würde, der wurde schnell eines Besseren belehrt. Das Vorbereitungsturnier in Cincinnati gewann Federer souverän wie eh und je und besiegte dabei locker die US-Open-Mitfavoriten Andy Murray und Novak Djokovic. „Ich glaube nicht, dass die Geburt der beiden Mädchen einen bremsenden Effekt für mich hat“, sagt Federer, der an seinen freien Tagen sogar die Zeit findet, mit seiner Familie durch New York zu flanieren.

Während für Federer gerade alles perfekt zu laufen scheint, durchlebt sein Widersacher Nummer eins Rafael Nadal derzeit eine schwierige Phase. Eine Knieverletzung zwang ihn zu einer zehnwöchigen Pause, zudem litt der 23-Jährige unter der Trennung seiner Eltern. Die ersten Runden in New York verliefen für Nadal, der im Achtelfinale in der Nacht zu Mittwoch auf Gael Monfils traf, nicht unproblematisch. So verlangte Nicolas Kiefer ihm in der zweiten Runde alles ab, ehe Nadal sich in vier Sätzen doch noch durchsetzen konnte.

„Den Knien geht es gut, danke“, sagt er und will sonst gar nicht mehr über irgendwelche Blessuren sprechen. In der dritten Runde hatte Nadal nämlich zusätzlich mit Magenproblemen zu kämpfen und ließ sich auf dem Platz behandeln.

So läuft alles mal wieder auf Federer hinaus, dem auch die gute Besetzung der kommenden Runden keine Sorgen macht. „Das ist doch super für die Fans“, sagt er. Und je besser sein Gegner spielt, desto besser wird auch Roger Federer. Gegen seinen nächsten Kontrahenten, den Schweden Robin Söderling, hat Federer in elf Begegnungen noch nicht einmal verloren, zuletzt gewann er im French-Open-Finale und im Viertelfinale in Wimbledon glatt in drei Sätzen. Allerdings weiß Söderling seit dem Triumph über Rafael Nadal in Paris, wie man Turnierfavoriten besiegt.

Trotzdem gibt es derzeit keinen Grund für Roger Federer, sich große Sorgen um andere Dinge als die Windeln seiner Töchter zu machen.

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