US-Schwimmer Ryan Lochte : Erfolglos erfolgreich

Nach der für ihn nur mäßigen Schwimm-Weltmeisterschaft in Barcelona will sich der Amerikaner Ryan Lochte wieder voll auf den Sport konzentrieren. Der 29-Jährige will 2016 bei den Olympischen Spielen in Brasilien starten.

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Sanfte Bauchlandung. Ryan Lochte war nicht zufrieden mit sich in Barcelona. Foto: dpa
Sanfte Bauchlandung. Ryan Lochte war nicht zufrieden mit sich in Barcelona.Foto: dpa

Bevor Ryan Lochte aus Barcelona verschwand, musste er sich noch die hinterlistige Frage eines Landsmanns gefallen lassen. Ob es stimme, dass er die USA verlassen und zum Training ins Ausland gehen wolle – der Punkt musste nach dem Ende der WM noch dringend geklärt werden. Denn Lochte, Schuhdesigner, Frauenheld und derzeit etwas angeschlagener Superschwimmer, hätte allen Grund, der Heimat für gewisse Zeit den Rücken zu kehren: Im Frühjahr hatte er sich mit seiner eigenen Reality-Soap zum Gespött der TV-Nation gemacht. „What would Ryan Lochte do?“ lautete der Titel der Show, in der dem Zuschauer das fabelhafte Lochte-Universum näher gebracht werden sollte. Sein Faible für Mode, Partys und Frauen. Es wurden Themen erörtert wie: Was würde Ryan Lochte tun, wenn man einen Hotdog nach ihm benennen würde?

Die Serie floppte. Trotz, oder wegen so bemerkenswerter Sätze wie: „Meine Philosophie ist: Wenn du in der Nacht ein Mann bist, musst du auch am Morgen ein Mann sein.“ Dazu blamierte sich der stotternde oder sekundenlang nach Antworten kramende Lochte bei einem Live-Interview mit dem Sender Fox 29. Irgendwann brachen die beiden Moderatoren das Gespräch ab. Auf die Frage nach einem Standortwechsel ins Ausland antwortete der Schwimmer aus Gainesville, Florida in Barcelona ausweichend. „Man hört da manches. Aber ich weiß nicht, ob das zu einhundert Prozent so kommen wird“, sagte er, ehe er die noch viel gemeinere Frage parieren musste, ob es denn eine Fortsetzung seiner Fernseh-Soap geben werde. Das allerdings war der Moment, in dem der Inhaber von fünf olympischen Goldmedaillen auf den Sport zu sprechen kam. Kein Wort zum TV-Trash, sondern der ehrliche Hinweis: „Es hat mir nicht gefallen, wie ich bei dieser WM geschwommen bin.“

Keine Antwort ist auch eine Antwort. Dabei packte Lochte selbst mit reduziertem Training im Palau Sant Jordi noch drei goldene und eine silberne Medaille ein. Aber er verfehlte bei zwei Einzelfinals eben auch das Podium, verpasste zudem einen vierten WM-Titel in der finalen Lagenstaffel, als der 19-jährige Kevin Cordes beim Wechsel mit Startschwimmer Matt Grevers um 0,04 Sekunden zu früh vom Starblock sprang.

Das US-Team wurde später disqualifiziert, Lochte als Nummer drei hatte seine 100 Meter Schmetterling umsonst absolviert. „Das war nicht der Fehler eines Einzelnen, das war der Fehler von uns allen“, sagte Lochte. „Wir sind ein Team.“

Und irgendwann ging er doch noch auf die spannende Auslandsfrage ein. „Ich will auf jeden Fall Gainesville verlassen und etwas anderes ausprobieren“, betonte der 29-Jährige und stellte zwei Dinge klar. Erstens: „Gregg Troy wird mein Cheftrainer bleiben.“ Und zweitens: „In den nächsten drei Jahren lege ich meinen ganzen Fokus aufs Schwimmen, denn 2016 will ich bereit sein.“ Olympia in Rio ruft und er stellt sich wohl die Frage, was er tun würde, wenn er dort nicht erfolgreich wäre.

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