Uwe Neuhaus : Der Rasen soll glühen

Unions Trainer Neuhaus fordert Ungewöhnliches von seiner Mannschaft: "Es muss die Luft brennen und der Rasen glühen". Was meint er damit?

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Foto: Mike Wolff
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Berlin - In den vergangenen Tagen war Berlin-Köpenick eine Postkartenlandschaft. Kinder tollten im Schnee, Rentnerehepaare spazierten durch die weiße Wuhlheide, und an vielen Ecken duftete es nach Glühwein. Nur der Trainer des 1. FC Union wollte nichts von der Idylle wissen. Etwas unfreiwillig komisch forderte Uwe Neuhaus für das heutige Heimspiel gegen den VfL Bochum (20.15 Uhr, live bei Sport1): „Es muss die Luft brennen und der Rasen glühen.“

Neuhaus meinte damit, dass sich seine Mannschaft in das Spiel hineinkämpfen soll, gerade an der Alten Försterei, wo Unions Mannschaften seit jeher vor allem laufen, kämpfen und grätschen. In diesem Sinne ist Neuhaus’ Forderung nicht sonderlich kreativ.

Dabei hat er gar keine Wahl, er muss immer wieder darauf setzen, dass seine Mannschaft über die Physis ins Spiel kommt. Fast eine komplette Elf fehlt Union wegen Verletzungen oder Sperren. Von den Namen her ein konkurrenzfähiges Team: Ahmed Madouni, Michael Parensen, Christoph Menz, Björn Brunnemann, Santi Kolk, Torsten Mattuschka und Marcel Höttecke fallen gegen Bochum sicher aus. Zudem klagten auch Offensivmann Chinedu Ede (Rücken) und Verteidiger Christian Stuff (Adduktoren) über Probleme. „Wir brauchen nicht zu jammern, unser Kader ist groß genug“, sagte Neuhaus, der vor dem wichtigen Spiel versucht, positive Stimmung zu verbreiten. Mit einem Sieg könnte Union auf Platz elf klettern – so gut stand die Mannschaft in dieser Saison noch nie da. Neuhaus weiß aber auch, dass es immer schwerer wird, je mehr er improvisieren muss.

Vor allem im zentralen Mittelfeld fehlen Union die Optionen. Die Spielgestalter Mattuschka und Kolk werden in diesem Jahr nicht mehr zum Einsatz kommen. Die Probleme auf der Spielmacherposition sind symptomatisch. Im Sommer noch schwebte Neuhaus ein flexibles System vor, doch davon ist nicht viel geblieben, weil Neuhaus immer wieder wichtige Spieler fehlten. So wie jetzt auf der Position des Torhüters. Nachdem Jan Glinker einige Male gepatzt hatte, stellte Neuhaus Marcel Höttecke ins Tor. Höttecke absolvierte nur drei Spiele, dann zog er sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu. Heute wird deshalb Glinker wieder im Tor stehen. Er wird seine Vorleute animieren, sie müssen gegen Bochum schließlich laufen, kämpfen und grätschen. Mehr ist derzeit nicht möglich. Sebastian Stier

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