Uwe Neuhaus : Puzzlen für Union

Nach der Vorbereitung rätselt Uwe Neuhaus noch, mit welcher Form sein Team in die Saison geht. Die Puzzleteile müssten sich jetzt zu einem passenden Bild fügen, sagte der Trainer.

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Bleibt er im Tor? Jan Glinker musste sich in der Vorbereitung beweisen.
Bleibt er im Tor? Jan Glinker musste sich in der Vorbereitung beweisen.Foto: SNAPS GmbH

Berlin - Uwe Neuhaus gibt sich nach außen gerne ein bisschen spröde, aber hinter seiner rauen Fassade verbirgt der Trainer des 1. FC Union durchaus ein Gespür für den feinen Witz. Am Samstag jedenfalls hat er sich ein wenig lustig gemacht über die allgemeine Aufregung, die mit der Suche nach dem neuen Kapitän des Fußball-Zweitligisten aus Köpenick verbunden war. Die Frage habe ihn schon in der Sommerpause intensiv beschäftigt, behauptete Neuhaus, „weil ich ja weiß, dass das allerhöchste Priorität hier besitzt“.

Jetzt ist es endlich raus. Via Stadionheft für das Testspiel gegen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach verkündete Neuhaus weltexklusiv seine Entscheidung: Torsten Mattuschka, 29, wird in der neuen Saison bei Union die Kapitänsbinde tragen. „Er hat schon immer ein gewichtiges Wort in der Mannschaft gehabt“, begründete Neuhaus seine Wahl.

Neben der menschlichen Komponente aber hat der Trainer diesmal besonders auf die sportliche Qualifikation geachtet – aus einschlägiger Erfahrung. Mattuschkas Vorgänger Sebastian Bönig, Daniel Schulz, Marco Gebhardt und Michael Bemben erlebten in ihrer Zeit als Spielführer einen so rapiden Bedeutungsverlust, dass sie zunächst ihre Stammplätze verloren und schließlich auch das Kapitänsamt. Auf der Binde scheint ein Fluch zu lasten. Für Neuhaus war es daher wichtig, einen Kandidaten zu finden, „der sportlich unumstritten sein muss“. Einen wie Mattuschka, der am Samstag als „Unioner des Jahres“ ausgezeichnet wurde. „Das war keine enge Kiste“, sagte Neuhaus.

Auch wenn die Suche nach dem Kapitän für Unions Trainer bei weitem nicht die Bedeutung besessen hat wie für das geneigte Publikum, so ist es doch gut, dass zumindest dieser Punkt nun geklärt ist. Unions Trainer bleiben eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel noch genügend andere offene Fragen. Die 1:4-Niederlage gegen den Bundesligisten aus Mönchengladbach hat das recht deutlich offenbart.

„Wir stecken ein bisschen in der Ungewissheit“, sagte Neuhaus eine Woche vor dem Pokalspiel beim Halleschen FC. Die Vorbereitung verglich er mit einem Puzzle: Man testet dieses, man testet jenes, aber wenn es ernst wird, müssen sich alle Teile zu einem passenden Bild fügen. „Wir haben viele Formationen ausprobiert und auch verschiedene Systeme gespielt“, sagte Neuhaus, der selbst im abschließenden Test gegen Mönchengladbach noch fleißig gewechselt hatte. Im Tor löste Marcel Höttecke den bisherigen Stammtorhüter Jan Glinker zur Pause ab. Neuhaus hatte für die Position einen offenen Wettkampf ausgerufen, seine Entscheidung steht noch aus, die Leistungen in der Vorbereitung aber sprechen eindeutig für die bisherige Nummer eins. Höttecke kassierte gegen die Gladbacher zwar nur ein Gegentor, doch einmal hatte er großes Glück, nachdem er einen Flankenball durch seine Finger hatte flutschen lassen. Borussias Offensivspieler Patrick Herrman war so gnädig, Höttecke den Ball unbedrängt und gerade drei Meter vor dem Tor zurück in die Arme zu schießen.

„Wir haben insgesamt zu viele Fehler gemacht“, klagte Neuhaus. Vor allem in der Defensive. Von den sieben Vorbereitungsspielen hat Union zwar nur eins verloren, in keinem einzigen aber blieb die Mannschaft ohne Gegentor. Gegen Gladbach fehlten mit Daniel Göhlert und Ahmed Madouni immerhin die beiden Innenverteidiger, die viele als Stammbesetzung in der Viererkette sehen.

Hinten fehlerhaft, vorne harmlos – so präsentierte sich Union am Samstag. Karim Benyamina muss sich allein im Sturm lange ziemlich überflüssig vorgekommen sein. Erst nach dem 0:3 hatte Union einige Chancen. Das Tor zum 1:4 von Jerome Polenz in letzter Minute hübschte das Resultat zwar ein bisschen auf, konnte die Unterlegenheit des Zweitligisten aber nur notdürftig vertuschen. Vor einem Jahr hatten die Berliner in der Auseinandersetzung mit einem Bundesligisten eine ähnliche Erfahrung gemacht: Damals wurden sie im Pokal von Werder Bremen mit 0:5 abgefertigt. In der Liga folgten anschließend sieben Spiele ohne Niederlage. Ein gutes Omen, Herr Neuhaus? „Sich darauf zu verlassen, das wäre fatal.“

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