Uwe Rösler : Ein Deutscher zum Verlieben

Uwe Rösler macht in England auch als Trainer Karriere – im Pokal will er am heutigen Sonntag (Anstoß 13 Uhr) mit dem drittklassigen FC Brentford gegen den FC Chelsea mit viel Mut die Sensation schaffen.

Kit Holden
Britisch-Kurzhaar. Trainer Uwe Rösler (r.) bei der Arbeit an der Seitenlinie, beobachtet von Chelsea-Coach Rafa Benitez beim 2:2 im Januar.
Britisch-Kurzhaar. Trainer Uwe Rösler (r.) bei der Arbeit an der Seitenlinie, beobachtet von Chelsea-Coach Rafa Benitez beim 2:2...Foto: afp

Der FC Brentford ist vielleicht nicht die erste Adresse im englischen Profifußball, aber der Drittligist ist auf dem Wege, eine gute Adresse zu werden. Kein Team auf der Insel hat sich in den jüngsten zwei Jahren so gut entwickelt wie der Klub aus dem Westen Londons. Vergangene Saison erreichte Brentford die beste Ligaplatzierung seit sechs Jahren, und dieses Jahr kämpft der Verein um den Aufstieg in die Zweite Liga. Und der Mann hinter diesem Erfolg ist ein junger, im thüringischen Altenburg aufgewachsener Trainer, der viermal das Trikot der DDR-Nationalelf trug: Uwe Rösler schickt sich an, zum Kulthelden von Brentford zu werden.

Es braucht etwas Besonderes, damit sich der englische Fußball in einen Deutschen verliebt. Aber die Geschichte von Uwe Rösler ist eben eine besondere. Ein ostdeutscher Fußballspieler der Generation Matthias Sammers ist er, aber der Spieler Rösler konnte nie das Niveau des aktuellen Bayern-Vorstands erreichen. Eine glücklose Saison beim 1. FC Nürnberg – kurz nach der politischen Wende war er ein Spieler, dem es schwerfiel, sich in der brutalen, professionellen Welt des westlichen Fußballs einzugewöhnen. Er gibt selbst zu, dass die Mauer im Kopf seine Karriere fast zerstört hat.

Seine Rettung fand er – in England. Bei einem Klub, der schon einmal einen deutschen Spieler die Karriere gerettet hatte. Manchester City war das Zuhause von Bert Trautmann – und genau wie der ehemalige Torwart haben sich Rösler und City ineinander verliebt. Klubtorschützenkönig in drei seiner vier Jahre in Manchester wurde Rösler und damit zum Favoriten der Fans in einer der schwierigsten Zeiten der Klubgeschichte. Die Verbindung zwischen Rösler und City ist immer noch stark. So stark, dass er zugibt, ein oder zwei Tränen verdrückt zu haben, als City 2011 den FA-Cup, und damit den ersten Titel seit 35 Jahren, gewonnen hatte. Jetzt spricht man leise, aber konstant über eine Rückkehr des 43-jährigen Röslers zu City – dieses Mal als Trainer. Zuerst muss er sich aber noch in Brentford beweisen. Bei einem Klub, der ihn zur Zeit ebenso liebt wie City vor 15 Jahren. Im Januar zeigte Rösler der Welt die Qualität seiner Arbeit mit Brentford, als seine Mannschaft unentschieden gegen Chelsea im FA-Cup spielte. Bis zur 83. Spielminute hatte sie sogar in Führung gelegen. Das Spiel endete 2:2. An diesem Sonntag muss Brentford an die Stamford Bridge zum Rückspiel.

„Ich musste meine Spieler vor dem ersten Spiel beruhigen“, erzählt Rösler. „Wir hatten eine Mannschaftsversammlung, und zwei Spieler kamen zu spät. Das war vorher niemals passiert. Sie waren so nervös, dass sie vergessen hatten, auf die Uhr zu schauen.“ Seine Mannschaft zeigte aber Nerven im ersten Spiel gegen Chelsea, mit einer Leistung, die sie am Sonntag wiederholen will. Rösler sagt, dass der März über die Zukunft und den Aufstieg seines Teams entschieden würde. Letzlich ist die Liga dem Trainer wichtiger, aber ein Pokalsieg gegen Chelsea wäre sicher ein Quantensprung, was die Popularität des Klubs angeht. Aber auch angesichts der enttäuschend verlaufenen Saison an der Stamford Bridge ist Champions-League-Sieger Chelsea ein Gegner aus einer anderen Gewichtsklasse für Röslers Mannschaft.

Doch Rösler ist an große Herausforderungen gewohnt – auch im privaten Bereich. 2003 wurde bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert, er scheint den Krebs besiegt zu haben. Rösler sagt, dass es auch im Fußball um Leben und Tod gehe, und er kenne die feine Linie zwischen Leben und Tod. Mut ist alles, was Rösler heute von seinen Spielern sehen will. Er sagt: „Wir wollen nicht nach dem Spiel in der Kabine sitzen und uns fragen müssen: ’Hätten wir mutiger sein können?’“

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