Sport : Vaclav Sverkos

Wie Herthas Stürmer das Spiel in Frankfurt erlebte

Ingo Schmidt-Tychsen

Kurz vor dem Anpfiff wollen alle ihn noch einmal in den Arm nehmen. Vaclav Sverkos drückt jeden Spieler aus der Mannschaft von Hertha BSC für einen Moment an sich. Dann beginnt das Spiel. Nach 89 Sekunden kommt der 22-Jährige erstmals an den Ball – und verliert ihn sofort wieder an Frankfurts Abwehrspieler Aleksandar Vasoski. Chris und Vasoski wechseln sich bei der Bewachung des Tschechen ab. „Es ist nicht leicht, als einziger Stürmer, da musst du sehr viel arbeiten“, wird Sverkos später sagen. Bei Ecken oder Freistößen hilft der Angreifer in der Verteidigung aus, bei Kontern muss Sverkos daher über das gesamte Feld nach vorne spurten.

Bei einem dieser schnellen Gegenangriffe der Berliner rutscht Sverkos fünf Meter vor dem Tor der Frankfurter knapp am Ball vorbei. Marcelinho, der versucht hatte, ihn anzuspielen, entschuldigt sich bei Sverkos für den ungenauen Pass. Der Tscheche winkt zurück. Je länger das Spiel andauert, desto heftiger und häufiger gestikuliert Sverkos. Einmal in Richtung des Schiedsrichters Michael Weiner – wegen eines angeblichen Handspiels –, später weil Herthas Mittelfeldspieler Bastürk ihn übersieht und den Ball nicht abspielt.

Als Boateng in der 20. Minute zum 1:0 für Hertha trifft, ist Sverkos der Erste, der dem Torschützen gratuliert. Acht Minuten später hat er selbst seine beste Szene: Friedrich spielt ihn kurz hinter der Strafraumkante an, Sverkos lässt den Ball direkt zu Friedrich zurückprallen. Herthas Kapitän steht plötzlich frei vor dem Tor, wird aber geblockt. Zu Beginn der zweiten Hälfte marschiert Sverkos als erster Berliner aufs Feld – er hat sich viel vorgenommen. In der 55. Minute dirigiert der U-21-Nationalspieler seine Kollegen zum ersten Mal, ohne selbst unmittelbar an der Situation beteiligt zu sein. Mit rudernden Armen versucht Sverkos seine Mitspieler nach hinten zu beordern, nachdem Frankfurt den Ball abgefangen hat. Doch es nützt nichts: In der 58. Minute trifft Jermaine Jones zum 1:1. Sverkos hatte sich in die Flugbahn des Balles geworfen, ihn aber nicht blocken können. Fast eine halbe Minute lang bleibt er danach auf dem nassen Rasen sitzen, mit gesenktem Kopf.

Anschließend ist Sverkos sauer, bei einem Kopfballduell mit Vasoski setzt er den Ellenbogen ein. Die Zuschauer pfeifen – Frankfurts Jones stürmt auf Sverkos zu. Die Gesichter der beiden nähern sich bis auf wenige Zentimeter, sie schreien sich an. Die anderen Spieler trennen die beiden, Sverkos entschuldigt sich bei Vasoski und bekommt dann eine Gelbe Karte. Er schüttelt den Kopf. Wenig später wird Sverkos ausgewechselt. Er klatscht den für ihn ins Spiel kommenden Marko Pantelic ab, gibt Trainer Götz und Kotrainer Thom die Hand und setzt sich hin. „Ich kann mehr“, sagt Sverkos nach dem Spiel.

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