Sport : Vancouvers Spiele

Salzburg scheitert als Kandidat für Olympia 2010

Paul Kreiner

Salzburg. 18 512 Zuschauer im seit Wochen ausverkauften B.C. Place von Vancouver feierten im Konfetti-Regen die Bekanntgabe der Hafenstadt am Pazifik als Ausrichter der Olympischen Winterspiele 2010 durch Jacques Rogge. Nur zehn Minuten nach den Worten des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wurde bereits die fünfseitige Sonderausgabe der Tageszeitung „Vancouver Sun“ mit dem Schriftzug „The games are ours“ (“Die Spiele gehören uns“) verteilt. Mit 56:53 Stimmen hatte die drittgrößte Stadt Kanadas im zweiten Wahlgang den Zuschlag gegenüber Außenseiter Pyeongchang/Südkorea bekommen. „Das beste Angebot an das IOC hat gewonnen. Calgary 1988 gibt Vancouver ein großartiges Beispiel“, sagte Jacques Rogge zur Entscheidung für Vancouver.“

Mitbewerber Salzburg war mit 16 Stimmen im ersten Wahlgang gescheitert, in dem Pyeongchang noch mit 51:40 Stimmen gegenüber Vancouver vorn gelegen hatte.

„Ich bin sicher, dass die Spiele 2010 außergewöhnlich werden“, sagte Kanadas Premierminister Jean Chretien an der Spitze der Vancouver-Delegation in Prag: „Es war schon eine sehr nervenaufreibende Angelegenheit, zwischendurch hat sogar jemand verkündet, die Koreaner hätten gewonnen.“ John Furlong, Chef des Bewerbungskomitees, war ebenfalls völlig fertig: „Die Warterei war extrem hart, umso größer ist dieser Sieg für Kanada und seine Menschen.“ Auf den Sieger wartet bereits ein erster IOC-Zuschuss von 400 Millionen Dollar aus dem jüngsten Verkauf der US-Fernsehrechte an NBC. Weitere Millionen werden folgen. Zum dritten Mal finden Olympische Spiele in Kanada statt. 1976 war Montreal im Sommer, 1988 Calgary im Winter Olympiagastgeber.

Mit den jeweils einstündigen Präsentationen der drei Finalisten hatte am Mittwochmorgen in Prag der Countdown zur Vergabe der 21. Olympischen Winterspiele begonnen. Wahlberechtigt waren 111 der 119 IOC-Mitglieder, die zur 115. Session im Hilton Hotel an der Moldau angereist waren, darunter die drei Deutschen Thomas Bach, Walther Tröger und Roland Baar. Europa stellte 53 Wahlmänner, die aber keinen geschlossenen Block bildeten. Die meisten Prognosen liefen auf ein Duell zwischen Vancouver und Salzburg hinaus. Beide hatten in Wayne Gretzky und Hermann Maier Superstars als Aushängeschilder in ihren Reihen.

Salzburg hatte sich auf eine knappe Entscheidung eingestellt. Dass die Stadt gleich im ersten Wahlgang scheitern würde, das hatten die Salzburger nicht für möglich gehalten. Um 16.42 Uhr waren Salzburgs Olympiaträume ausgeträumt. IOC-Präsident Jacques Rogge schien selber nicht zu glauben, was auf dem Zettel des Wahlkomitees stand. Lange brauchte er, um das Ergebnis des ersten Wahlgangs zu lesen, ein wenig schüttelte er den Kopf, dann flüsterte er es ins Mikrofon: Von den drei Kandidaten hatte Salzburg die wenigsten Stimmen erhalten. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zeigte sich „sehr getroffen“. Bürgermeister Heinz Schaden sagte: „Wir haben gegeben, was wir geben konnten. Wir müssen uns nicht schämen.“ Und auf dem Salzburger Kapitelplatz, unter den Videowänden, begaben sich tausende Zuschauer auf den Heimweg – unter den Klängen der „Kleinen Nachtmusik“.

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