Sport : Variable Verteidigung

Hertha BSC experimentiert in der Abwehr, weil Josip Simunic noch lange auszufallen droht

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Alexander Madlung dürfte sauer geworden sein, als Falko Götz beim gestrigen Training von Hertha BSC die Mannschaften einteilte. Madlung befand sich nämlich überraschend nicht in der potenziellen Stammformation. Arne Friedrich war auf seine Position in der Innenverteidigung gerückt, dafür spielte Oliver Schröder statt Friedrich rechts in der Vierer-Abwehrkette. Dass Trainer Götz seinen als trainingsfaul geltenden Verteidiger Madlung mit dieser Maßnahme nur warnen wollte, ist unwahrscheinlich. „Ich will die gesamte Breite meines Kaders nutzen“, sagt Götz dazu. Es ließen sich aus dem Training sehr wohl Schlüsse auf die tatsächliche Startelf ziehen, sagt Götz.

Alexander Madlung glaubt nicht, dass er seine Leistungen steigern muss, um eingesetzt zu werden. „Es ist wichtig, dass wir gewinnen und dass ich spiele“, sagt er. Vielleicht will Götz bis zum Auftakt der Rückrunde am Samstag gegen Hannover 96 tatsächlich nur möglichst viele Varianten ausprobieren. Denn er wird länger auf seine in der vergangenen Saison so souveräne Aufstellung in der Abwehr verzichten müssen.

Josip Simunic fällt wegen einer starken Reizung der Achillessehne aus. „Wir wollen in zehn Tagen mal sehen, wie es ihm geht“, sagt Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher. Bis dahin wird Simunic wohl nur Lauftraining absolvieren können. Und der Kroate ist ein Spieler, der laut Götz richtig fit sein muss, um gut spielen zu können. „Sonst macht er Fehler“, sagt der Trainer. Beim Spiel in Bielefeld war das beispielsweise zu beobachten, als der Kroate Simunic von einer Länderspielreise zurückkehrte, trotz einer Erkältung spielen musste und Hertha auch wegen Simunic’ schwacher Leistung 0:3 verlor. „Er wird 14 Tage richtiges Training brauchen“, sagt Götz. Simunic könnte demnach noch über drei Wochen ausfallen – er würde sechs Pflichtspiele verpassen.

Der 27-Jährige will sich momentan kein genaues Datum für seine Rückkehr setzen. „Ich will einfach gesund werden“, sagt er. Simunic ist genervt von seinem Verletzungspech: Bereits am Ende der Hinrunde hatte er vier Spiele wegen einer Fußprellung aussetzen müssen. Im Training zog er sich dann eine Außenbanddehnung im Kniegelenk zu. Und während des Aufbautrainings danach trat die Reizung der Achillessehne auf.

In den vergangenen vier Pflichtspielen, in denen Simunic gefehlt hatte, musste Falko Götz zusätzlich auf Dick van Burik verzichten. Er probierte in diesen Spielen verschiedene Besetzungen in der Abwehr aus. Zuerst spielte der 22-jährige Sofian Chahed in der Innenverteidigung, dann rückte er auf die rechte Seite und Friedrich nach innen, dann durfte sich der 21 Jahre alte Christopher Samba statt Chahed in der Abwehr versuchen – zufrieden war Herthas Trainer mit keiner dieser Formationen, sonst hätte er sie nicht immer wieder geändert.

Im Training stellte Götz zuletzt sogar den Stammplatz von Malik Fathi in Frage, indem er Gilberto aus dem Mittelfeld auf die linke Abwehrseite beorderte. „Ich bin froh, dass ich mit der Entscheidung, wer spielen soll, noch bis zum Samstag Zeit habe“, sagt Götz.

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