Sport : Varianten des Verlierens

Alba kämpft gegen das frühe Aus im Uleb-Cup

Helen Ruwald

Berlin - Der Mittwoch begann nicht gut für die Basketballer von Alba Berlin. Sie mussten in ihrem Madrider Hotel ein Video anschauen, das wenig Unterhaltungswert hatte. Vor allem eine dreiminütige Sequenz über Untergang und Selbstzerstörung muss den Berlinern schon am Morgen auf den Magen geschlagen haben. Trainer Henrik Rödl ließ die zweite Halbzeit des Uleb-Cup-Spiels bei Estudiantes Madrid (84:92) zeigen, in der die Berliner am Vorabend vorgeführt worden waren – drei Minuten nur, doch diese Minuten unmittelbar nach der Pause entschieden das Spiel. 19:0 Punkte in Folge machte der Vorletzte der Gruppe A, aus dem 40:49 wurde eine deutliche Führung. „Dafür gibt es keine Erklärung“, sagte Vizepräsident Marco Baldi, während Teammanager Henning Harnisch von einem „Blackout“ sprach.

Es war die dritte Niederlage im dritten Europapokal-Spiel. Der nach neun Spielen noch ungeschlagene Tabellenführer der Bundesliga ist siegloser Tabellenletzter im Uleb-Cup. Mit jeder Niederlage schwindet nicht nur die Hoffnung auf den Einzug ins Achtelfinale, das die ersten vier Teams der Sechsergruppe erreichen. Es zerbröckelt auch der Traum, innerhalb der nächsten Jahre zum europäischen Topteam werden zu können. Anspruch und Wirklichkeit haben bei internationalen Auftritten eine sehr kleine Schnittmenge.

Baldi erlebte die entscheidenden 180 Sekunden fassungslos auf der Tribüne, Henrik Rödl stand machtlos am Spielfeldrand. „Ich habe mit zwei Auszeiten versucht, den Rhythmus von Estudiantes zu stören“, sagt er. Gebracht hat es nichts, Alba fing sich erst wieder, als es zu spät war. „Madrid hatte einen Lauf, solche Serien passieren im Sport“, sagte Rödl, fügte aber hinzu: „Das darf nicht passieren, wir müssen viel stabiler werden.“ Dabei gab es gar keinen Grund zu Nervosität. Alba hatte in der ersten Halbzeit einen 5:16-Rückstand wettgemacht und war danach mit einer 13:0-Serie davongezogen. Doch statt selbstbewusst weiterzuspielen, brachen die Berliner ein. Estudiantes-Trainer Juan Antonio Ortega „wird seinen Spielern gesagt haben: ’Es ist egal, wer fünf Fouls bekommt. Geht drauf!“, glaubt Baldi. „Wir hatten sofort Ballverluste, die Spanier sind nach vorne gerannt und haben getroffen.“ Das galt vor allem für Iker Iturbe, der beim 35:14 im dritten Viertel 17 Punkte erzielte.

Die Einstellung der Spieler habe gestimmt, sagt Baldi, aber das im Sommer neu zusammengesetzte Team sei noch nicht so weit, „dass wir in schwierigen Situationen immer besondere Energie freisetzen und enger zusammenrücken. Jeder kämpft für sich allein weiter.“ Was in Oldenburg klappte, wo Alba am Sonnabend durch Dreipunktewürfe in letzter Sekunde zunächst die Verlängerung erzwang und dann siegte, klappte in Madrid nicht. „Die Mannschaft braucht gemeinsame Erfahrungen, um aus solchen Situationen wieder rauszukommen, und diese Situationen sind nicht immer gleich“, sagt Baldi. So verlor Alba gegen Aris Saloniki mit der Schlusssirene durch einen Distanzwurf, in Sofia (88:108) war das Team chancenlos, in Madrid brachte es sich mit einem dreiminütigen Debakel um den möglichen Erfolg. „Wir haben noch sieben Spiele, wir werden weiter kämpfen“, kündigt Rödl an. Doch viel Zeit bleibt den Berlinern nicht mehr, um noch aus weiteren Varianten des Verlierens die Lehren zu ziehen. Nach dem Bundesliga-Heimspiel gegen TBB Trier (Samstag, 18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) tritt am Dienstag Euphony Baskets Bree in Berlin an. Gegen die Belgier „müssen wir gewinnen“, sagt Baldi, „wenn wir das zu Hause nicht schaffen, wird es schwer zu glauben, dass wir im Uleb-Cup noch etwas reißen“.

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