Sport : Vasile Miriuta: Ein Schachspieler übt den nächsten Zug

Benedikt Voigt

Immerhin, die genaue Aussprache seines Namens stellt Vasile Miriuta bereitwillig klar. Nicht "Mi-riu-za" will der Spielmacher des Fußball-Bundesligisten Energie Cottbus genannt werden, sondern: "Mi-riu-ta, das ist ungarisch." Schwieriger wird es jedoch, in diesen Tagen weitere Auskünfte von dem Freistoßspezialisten zu bekommen. "Es tut mir so Leid", sagt der gebürtige Rumäne, "aber ich rede nicht mehr mit den Zeitungen." Weil er ein höflicher Mensch ist, wiederholt er: "Es tut mir so Leid."

Ein Beitrag in der "Bild"-Zeitung hat die neue Sprachlosigkeit bei Vasile Miriuta ausgelöst. Der Cottbuser Spielmacher war am vergangenen Montag in einem Hamburger Hotel gesehen worden, als er mit dem Trainer des Hamburger Sportvereins, Frank Pagelsdorf, und HSV-Manager Holger Hieronymus sprach. Bei seinem aktuellen Arbeitgeber nimmt man diese Nachricht schicksalsergeben hin. "Was soll man da machen?", fragt Klaus Stabach, "wir können ihm nicht verbieten, dass er sich mit anderen Vereinen unterhält." Ein Punkt aber ärgert den Cottbuser Manager sehr. "Dass er das vor dem Spiel macht, bereitet uns Kopfzerbrechen."

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Das heutige Ostderby bei Hansa Rostock ist eines der wichtigsten Spiele der Saison für den Bundesliga-Aufsteiger. Drei Spieltage vor Saisonschluss steht die Mannschaft von Trainer Eduard Geyer einen Punkt hinter der SpVgg Unterhaching und dem VfB Stuttgart auf einem Abstiegsplatz. Eigentlich muss heute gepunktet werden, um in den Spielen zu Hause gegen den Hamburger SV und bei 1860 München den Klassenerhalt zu schaffen. Und in so einer Situation verhandelt Miriuta mit einem anderen Verein. Glaubt er womöglich selber nicht mehr an den Klassenerhalt? Stabach hat festgestellt: "In den letzten drei Spielen hat er nicht so stark gespielt."

Das ist fatal, denn die Abhängigkeit der Mannschaft von ihrem einzigen Führungsspieler ist groß. "Wenn er den Kopf frei hat, ist er erstklassig", findet Stabach. Für 300 000 Mark hat er ihn 1998 von Ujpest Budapest gekauft. "Wir haben ihn zweimal gesehen", erinnert sich der Manager, "damals hat er auch schon einen seiner Freistöße verwandelt." Doch dass der eingebürgerte Ungar mit 32 Jahren in dieser Saison zu einem Leistungsträger in der Bundesliga gewachsen ist und sich die erstmalige Berufung in die ungarische Nationalmannschaft verdiente, hatte niemand erwartet. "Er hat sich sensationell entwickelt", gibt Stabach zu.

Miriuta besitzt in Cottbus noch einen Vertrag bis 2002, doch bei einem Abstieg in die Zweite Liga dürfte er nicht zu halten sein. Der designierte Bundesliga-Aufsteiger Borussia Mönchengladbach hat bereits ein Gebot für den Techniker abgegeben. "Man muss das dann eben über Geld regeln", sagt Stabach. Der Marktwert des glatzköpfigen Ungarn wird inzwischen in Fachkreisen auf etwa drei Millionen Mark taxiert. Eine Summe, die dem notorisch finanzschwachen Verein gut tun würde. Für Neueinkäufe hat Energie bislang lediglich vier Millionen Mark vorgesehen. Vielleicht will der Manager auch deshalb die Abhängigkeit von dem leidenschaftlichen Schachspieler auf dem Rasen nicht zu hoch einordnen. "Jeder Spieler ist ersetzbar." Der einzige Star im Team wird - nicht erst seit seinem Ausflug nach Hamburg - natürlich noch kritischer beäugt. "Er hat Schwächen im Abwehrverhalten", sagt Stabach.

Für Unstimmigkeiten sorgt auch, dass Cottbus zuletzt immer mit Miriutas neuem Berater Jörg Neubauer verhandelte. In Hamburg tauchte der Spielmacher aber überraschend wieder mit seinem alten Berater und Freund Laszlo Kleber auf. "Er hat wohl für jeden Verein einen anderen Berater", witzelt Stabach. Einiges deutet darauf hin, dass Miriuta vor seinem Abschied aus Cottbus steht. Die Worte dafür nimmt er zurzeit öfters in den Mund: "Es tut mir so Leid."

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