• Vedad Ibisevic ist neuer Kapitän: Hertha BSC: Pal Dardai entmachtet Fabian Lustenberger

Vedad Ibisevic ist neuer Kapitän : Hertha BSC: Pal Dardai entmachtet Fabian Lustenberger

Vier Tage vor dem Pokalspiel in Regensburg trifft Trainer Dardai eine überraschende Entscheidung: Vedad Ibisevic löst Fabian Lustenberger als Kapitän ab.

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Wachwechsel. Fabian Lustenberger (links) ist bei Hertha BSC als Kapitän abgesetzt worden. Jetzt darf sich Vedad Ibisevic versuchen.
Wachwechsel. Fabian Lustenberger (links) ist bei Hertha BSC als Kapitän abgesetzt worden. Jetzt darf sich Vedad Ibisevic...Foto: imago/Contrast

Pal Dardai reagierte überraschend ungehalten, er wurde sogar richtig laut. Unverschämt sei diese Frage, schimpfte der Trainer von Hertha BSC. Die Frage, die ihn so erzürnt hatte, war im Grunde ziemlich harmlos gewesen. Es war die Frage, ob Fabian Lustenberger auch in der neuen Saison Kapitän bleiben werde. Ziemlich genau ein Jahr ist das jetzt her, und die harsche Reaktion Dardais musste einen erst recht auf die Idee bringen, dass der Ungar sich ertappt gefühlt hatte; dass er tatsächlich schon mit dem Gedanken spielte, das Kapitänsamt mit einem anderen Spieler zu besetzen als mit dem Schweizer, der zwar sportlich beim Berliner Fußball-Bundesligisten meist unumstritten war, aber eben auch ein eher stiller Interpret der Kapitänsrolle ist. Gewissermaßen ein Absolvent der Philipp-Lahm-Schule, die eine Mannschaft nicht durch starke Worte führen will, sondern durch ihr präzises Passspiel.

Was sich Dardai vor einem Jahr noch nicht getraut hat, hat er jetzt – zur allgemeinen Überraschung – doch noch durchgezogen: Vier Tage vor dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal bei Jahn Regensburg und nur anderthalb Wochen vor dem Start der Bundesliga-Saison hat der Ungar eine weitreichende personelle Entscheidung getroffen: Er hat Fabian Lustenberger als Kapitän abgesetzt und Vedad Ibisevic zu seinem Nachfolger ernannt.

Der Zeitpunkt mag überraschend sein, die Entscheidung an sich ist es nicht – weil Dardai ein anderes Konzept von Führung hat. Schon im vergangenen Jahr soll er den Bosnier Emir Spahic unter anderem mit der Aussicht auf das Kapitänsamt nach Berlin gelockt haben. Spahic, der sich dann doch für den Hamburger SV entschieden hat, ist auch einer, der dazwischenhaut, wenn es nötig ist. So wie Dardai es in der aktuellen Situation von Ibisevic erwartet.

Anders als vor einem Jahr hatte Dardai die Frage nach dem Kapitän eigentlich schon am Tag des Trainingsauftakts abschließend beantwortet. Natürlich bleibe Lustenberger im Amt. „Warum soll ich etwas ändern? Er hat es gut gemacht“, sagte Herthas Trainer. Dass er diese Entscheidung jetzt doch noch revidiert hat, deutet auf eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Zustand der Mannschaft hin: Offenbar hatte Dardai das Gefühl, dass sich etwas ändern muss, damit die Saison, die für Hertha durch das Aus in der Europacup-Qualifikation schon schlecht angefangen hat, nicht auch böse endet.

Dardai will die Absetzung des Kapitäns nicht als Entscheidung gegen den 28 Jahre alten Fabian Lustenberger verstanden wissen, sondern als „eine für einen Neuanfang mit einem anderen Spielertyp“. Der Trainer wünscht sich eine deutlich aggressivere Körpersprache der Mannschaft. Dafür steht Ibisevic, der laut Dardai ein „Motivator und Anführer“ ist und der sich in der Vorbereitung als einer der wenigen Berliner in Normalform präsentiert hat. Unter anderem erzielte der 32-Jährige in der Europa-League-Qualifikation gegen Bröndby beide Tore für Hertha.

Ganz anders war zuletzt das Auftreten von Lustenberger, der seit neun Jahren bei Hertha unter Vertrag steht, der sogar noch mit Dardai zusammengespielt hat, drei Jahre lang Kapitän war und erst im März seinen Vertrag bis 2019 verlängert hat. Herthas Trainer war bei der 1:3-Niederlage gegen Bröndby so unzufrieden mit dem Schweizer, dass er ihn am vergangenen Wochenende gegen den SSC Neapel, im letzten Testspiel vor Saisonbeginn, nicht einmal in seinen 18er-Kader berief. Auch im Training am Mittwoch stand Lustenberger nicht in der vermeintlichen Startelf für das Pokalspiel am Sonntag. Zumindest zu Saisonbeginn dürfte er es schwer haben, seinen Platz in der Startelf zurückzubekommen. Die drei Positionen im zentralen Mittelfeld scheint Dardai in Regensburg mit Vladimir Darida, Per Skjelbred und Valentin Stocker besetzen zu wollen – Lustenberger muss sich mit den beiden bisherigen Neuen dieses Sommers, dem derzeit verletzten Ondrej Duda und dem Brasilianer Allan, erst einmal mit der Rolle des Herausforderers begnügen.

Möglicherweise hat auch das eine Rolle bei Dardais Entscheidung gespielt, die er Lustenberger schon in der vergangenen Woche in einem Vieraugengespräch mitgeteilt hat. Die Mannschaft wurde erst gestern Mittag informiert. Am Ende der Trainingseinheit hatte Dardai den Spielern gesagt, dass sie sich um ein Uhr zu einer Sitzung einfinden sollten – angeblich zum Scouting.

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