Sport : Venus Williams: Black Magic Woman

Venus Williams lacht viel. Und dann leuchten ihre Augen und die strahlend weißen Zähne um die Wette. In Hamburg hatte die 20-jährige Amerikanerin bei ihrem zweiten Titelgewinn am Rothenbaum reichlich Grund dazu. Das Wetter war ausnehmend schön, die Gegnerinnen ergaben sich fast kampflos und mit ihrem Sandspiel durfte die zweifache Olympiasiegerin mehr als zufrieden sein. So auch im amerikanischen Finale gegen Meghann Shaughnessy, das sie in nur 54 Minuten spielend leicht mit 6:3, 6:0 gewann. "Wenn es nur ein bisschen wärmer wäre", meinte sie und wirkte dabei trotz ihrer imponierenden Siege einen Moment lang nicht sehr glücklich.

Die Wimbledon- und US-Open-Siegerin des Vorjahres hielt Hof und wurde wie eine Königin umsorgt. Ein Raunen ging durch die Menge, wenn sich die durchtrainierte und nach eigenen Angaben wieder "völlig gesunde" Tennis-Queen freimachte und neben wenig Stoff viel Haut zeigte. Ihrem Ausrüster (Reebok), der in fünf Jahren 40 Millionen Dollar auf das Williams-Konto überweist, ist das nur recht. In Melbourne bei den Australian Open musste sie im Gegenzug für das stattlichste Honorar ihrer Zunft "ein zweiteiliges Oberhemdchen im Schlampenlook tragen", wie "Die Welt" formulierte.

In einem gerade abgedrehten 37-Sekunden-Spot wird Venus Williams zur schwarzen Grace Kelly mit hellem Kopftuch und großer Sonnenbrille, im Liegestuhl von gutgebauten, schönen Kerlen umgarnt. In einer anderen Einstellung posiert die 186 cm große Athletin im offenen Sportwagen. Am Ende zeigt sie sich im weißen Brautkleid.

Mit der Realität hat das wenig zu tun. "Für einen Boyfriend habe ich keine Zeit", sagt Venus Williams, und dabei wirkt ihr Lachen aufgesetzt. So wie bei den Geschichten, die über sie und ihre gleichfalls in den Slums von Los Angeles aufgewachsene jüngere Schwester Serena erzählt werden. Dann geht es um ihren jähzornigen Vater Richard und um Vorwürfe, der Patriarch bestimme, wer aus seinem Clan zu gewinnen hat, so wie zuletzt bei den US Open. In Hamburg ist nur Mutter Oracene dabei - und niemand ist darüber unglücklich.

Das Venus-Herz schlägt sowieso nur für einen. Bobby heißt er und ist immer dabei. Bobby ist ein Yorkshire-Terrier. "Bobby ist mein Sohn", sagt Venus Williams. Kein Geld der Welt könne die Beziehung zu ihm aufwiegen. Ein schweres Feld für einen potenziellen Boyfriend, zumal Bobby sogar als Kolumnist arbeiten darf - für das größte deutsche Boulevard-Blatt.

Das außergewöhnliche Randgeschehen hatte beim Rothenbaum-Turnier seine Entsprechung auf dem Center Court. In spektakulärer Form präsentierte sich die 20-Jährige und unterstrich mit Nachdruck ihre Ambitionen: "Ich will mich in der Weltrangliste verbessern", kündigte die Weltranglisten-Zweite an. Martina Hingis, die mit reichlich 800 Punkten führende Nummer eins aus der Schweiz, muss sich warm anziehen. So wie Bobby im kühlen Hamburg, wenn er nicht andauernd in der Luxus-Sporttasche seines Frauchens verschwinden will.

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