Sport : Verdacht auf Doping

Der Deutsche Leichtathletik-Verband nimmt Ermittlungen gegen Grit Breuer und Nils Schumann auf

Friedhard Teuffel

Berlin - Die deutsche Leichtathletik steht vor einem weiteren prominenten Dopingverfahren, die internationale Leichtathletik sogar vor ihrer vielleicht größten Dopingkrise überhaupt. Denn der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat ein Ermittlungsverfahren gegen zwei seiner erfolgreichsten Sportler eingeleitet, Welt- und Europameisterin Grit Breuer und Olympiasieger Nils Schumann. Der Vorwurf: Doping. Gegen den niederländischen Manager Jos Hermens und den spanischen Arzt Miguel Anguel Peraita hat der DLV Strafanzeige gestellt. Bei ihnen sieht der DLV Anhaltspunkte für Vergabe und Handel von Dopingmitteln. Hermens betreut etwa 140 Leichtathleten, darunter die äthiopischen Langstreckenläufer Haile Gebrselassie und Kenenisa Bekele. Er gilt als renommiertester Manager der internationalen Leichtathletik.

Grundlage sind die Akten aus dem Prozess gegen den Trainer Thomas Springstein. Er war im März vom Amtsgericht Magdeburg wegen Dopingvergabe an eine minderjährige Athletin zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt worden. Bei der Durchsuchung von Springsteins Haus hatte die Staatsanwaltschaft Magdeburg auf seinem Computer auch E-Mails sichergestellt, die auf ein internationales Netzwerk hindeuteten. Der DLV hatte nach dem Prozess Einsicht in die Akten beantragt. Die Durchsicht der Akten hat offenbar ausgereicht, um Dopingverdächtigungen gegen Breuer, Schumann, Hermens und Peraita auszusprechen. Breuer ist Springsteins Lebensgefährtin, Schumann hat bei ihm 2003 und 2004 trainiert, Hermens hat Breuer und Schumann als Manager betreut.

Peter-Michael Diestel, der Springstein als Rechtsanwalt im Prozess vertreten hatte und auch Breuer vertritt, sagte dem Tagesspiegel: „Wer aus der Aktenlage einen Verdacht gegen Grit Breuer macht, hat kein Interesse an Dopingaufklärung, sondern an der Rufschädigung eines Sportlers. Ich werde mich mit aller Macht dagegenstellen, dass eine der populärsten Athletinnen beschädigt wird.“ Zu Schumann hat Diestel Kontakt aufgenommen und hält sich offen, auch ihn anwaltlich zu vertreten. „Die Akten sind nicht dazu geeignet, um schlechtes Licht auf unseren Olympiasieger zu werfen“, sagte Diestel. Roland Augustin, der Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) schätzt die Aktenlage dagegen anders ein: „Das ist ein grandioser Hammer. Ich habe selten etwas gelesen, was mich so umgehauen hat.“ Zu Einzelheiten wollte er sich ebenso wenig äußern wie Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. „Unsere Hinweise reichen aus, damit die Staatsanwaltschaft Magdeburg sich damit beschäftigen wird“, sagte Prokop. Aus informierten Kreisen war zu vernehmen, dass Breuers Erfolge rückwirkend bis 1998 in Zweifel gezogen werden könnten, wenn sich der Verdacht bestätigen würde. Bei Schumann ginge es dagegen nur um einen engen Zeitraum, der nicht bis zum Olympiasieg zurückreiche. Spanische Zeitungen hatten berichtet, dass Schumann beim Haus des spanischen Arztes Peraita in Madrid gesehen worden war. Der Name Peraita tauchte auch in Springsteins E-Mails auf. Schumann bestritt jedoch, Peraita zu kennen.

Breuer und Schumann drohen bei einem Schuldspruch eine zweijährige Wettkampfsperre. Die 400-Meter-Läuferin Breuer hat ihre Karriere jedoch schon beendet und als Fitnesstrainerin in einem Hotel in Rostock-Warnemünde angefangen. 800-Meter-Olympiasieger Schumann hat seit einem Hundebiss im März keine Wettkämpfe mehr bestritten.

Gravierender wären die Folgen im Fall Hermens, dessen Ruf mit dem der internationalen Leichtathletik verbunden ist. Mit seiner Agentur „Global Sports Communication“ betreut er nicht nur Athleten, sondern richtet den Amsterdam-Marathon und den Grand Prix in Schanghai aus. Zu den Vorwürfen sagte er dem Tagesspiegel: „Es ist Unsinn, dass ich in einem Dopingnetzwerk stecken soll. Ich habe nie etwas mit Doping zu tun gehabt.“

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