Sport : Verdacht auf Wettbetrug in Berlins Fußball

Matthias Koch

Berlin - Bernd Schultz telefoniert heute mit einem leitenden Angestellten des privaten Wettanbieters wetten.de. Der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) erhofft sich fundierte Erkenntnisse über einen möglichen neuen Manipulationsskandal in der Oberliga. Im Fokus steht besonders die Partie zwischen Berliner AK und Anker Wismar, die der Tabellenletzte Wismar am 30. April überraschend 3:1 gewonnen hatte. Das Warnsystem mehrerer Wettanbieter schlug Alarm, weil im Vorfeld hohe Einsätze auf Außenseiter Wismar getätigt worden waren. Der Anbieter expekt.com behauptet, verlässliche Zeugen für klare Unregelmäßigkeiten zu haben. In einer Mitteilung an Kunden wurde um Verständnis dafür geworben, dieses Spiel im Nachhinein als abgesagt zu bewerten. „Ich habe am 1. Mai von diesem Manipulationsverdacht erfahren“, sagt Schultz. Vorsorglich informierte Schultz Theo Zwanziger, den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, über mögliche Unregelmäßigkeiten. Der DFB hat sich des Falles angenommen.

„Solange es keine personalisierten Zeugen gibt, kann der Verdacht jedoch kaum erhärtet werden", sagt Schultz. Das befürchtet auch Rainer Hornberger. Der Rechtsanwalt und Präsident des BAK wusste schon vor dem Wismar-Spiel von Verdachtsmomenten. „Trotz der Niederlage konnte ich objektiv keine Handlungen erkennen, die auf ein absichtliches Fehlverhalten unserer Spieler schließen ließen“, sagt Hornberger. Zudem biete seine Mannschaft ohnehin bei Heimspielen schwächere Leistungen. Die Statistik bestätigt das. Nur drei ihrer 13 Heimspiele konnten die Weddinger gewinnen.

Hornberger ist an einer Aufklärung stark interessiert: „Wir haben uns mit dem BFV kurzgeschlossen. Wir warten auf Anweisungen.“ Auch die Partie Tennis Borussia – Berliner AK (1:2) am Mittwochabend wurde von Wettanbietern aus dem Programm genommen.

Für den Oberligafußball ist das kein gutes Zeugnis. In einer Spielklasse, in der selten Fernsehkameras das Geschehen festhalten und jeder jeden kennt, scheint vieles möglich. Deshalb fordern sowohl Schultz als auch Hornberger, dass nicht mehr auf Oberligaspiele gewettet werden darf.

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