Sport : Verdacht im Diskusring

Lars Riedel erhebt schwere Dopingvorwürfe

Frank Bachner

Athen - Man kann nicht sagen, dass Lars Riedel überrascht aussah. Er hatte erst gestern erfahren, dass der Olympiasieger im Diskuswerfen, Robert Fazekas aus Ungarn, seine Goldmedaille zurückgeben muss. Die genauen Details kannte er zwar nicht, wahrscheinlich interessierten sie den Deutschen auch nicht – schließlich war der fünfmalige Weltmeister im Wettkampf verletzt ausgeschieden. Aber er konnte sich ausmalen, was vorgefallen war. „Ich habe im letzten Jahr gezeigt bekommen, wie Fazekas Dopingtests manipuliert“, sagte Riedel. Ein ungarischer Diskuswerfer hatte ihm bei einem Wettkampf in Cuxhaven einen Zettel zugesteckt. Darauf hatte er eine Art Katheter gezeichnet. „So arbeitet Fazekas“, sagte er dem überraschten Riedel. „Er ist voll mit Steroiden.“

Ob Fazekas am Montag versucht hat, mit Hilfe der von Riedel beschriebenen Konstruktion Fremdurin abzugeben, ist noch nicht geklärt. Auf jeden Fall war Fazekas nach seinem Sieg unter den Augen der Kontrolleure nicht fähig dazu, die geforderten 75 Milliliter Urin abzugeben. Er verließ das Kontrollzimmer und ließ von einer „psychischen Blockade“ berichten. Er gilt jetzt als positiv getestet. Dagegen will der Ungar beim Internationalen Sportgerichtshof Berufung einlegen.

Es verwundert allerdings, dass Fazekas erst jetzt aufflog. Riedel hatte den Zettel damals sofort an den Deutschen Leichtathletik-Verband weitergegeben, und vor allem sein Trainer Karlheinz Steinmetz machte daraufhin Druck. Er forderte den Weltverband IAAF auf, eine gezielte Kontrolle bei Fazekas durchzuführen. „Aber passiert ist nichts“, sagte Riedel. Beim Golden-League-Meeting in Zürich im Juli etwa wurde nicht Sieger Fazekas zur Dopingprobe gebeten, sondern der 37-jährige Riedel, der Vierter geworden war. Brisant in diesem Zusammenhang: Der IAAF-Präsident heißt Istvan Gyulai – und ist Ungar. „Man wird prüfen müssen, ob Gyulai das gedeckt hat“, sagte Steinmetz.

Solche Seltsamkeiten passen ins Bild einer Disziplin, die immer stärker als Refugium von Dopern ins Bild rückt. Auch dem Litauer Virgilius Alekna, nach Fazekas Disqualifikation der neue Olympiasieger, unterstellt Steinmetz unverhohlen Doping. „Getestet werden immer nur die Deutschen“, sagt er.

Aber die Zahl der Kontrollen allein hilft nicht, es geht auch um Qualität. Als Riedel im Trainingslager in Portugal war, tauchte plötzlich ein Dopingfahnder bei ihm auf. Aber statt wie vorgeschrieben die ganze Zeit den Athleten zu begleiten, plauderte der Besucher eine Minute lang im Nebenraum mit Steinmetz, als Riedel auf der Toilette war. „In dieser Zeit hätte ich locker meinen Urin vertauschen können“, sagte Riedel. Zumindest am Montag bei Fazekas haben die Fahnder offenbar besser aufgepasst.

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