Sport : Verdeckte Zahlungen

Ein vertrauliches Papier der Steuerfahndung zeigt: Der Finanzskandal beim 1. FC Kaiserslautern ist kein Einzelfall

Oliver Trust

Kaiserslautern. Was da auf den Papieren unter „Zentrale Fahndungsnachrichten“ mit dem Stempel „Vertraulich – nur für den Dienstgebrauch“ steht, liest sich wie ein Auszug aus der Kartei für clevere Steuervergehen. Es geht um die gängigen Praktiken der Klubs aus dem deutschen Profifußball und wie sie durch „verdeckte Lohnzahlungen“ Millionen am Fiskus vorbei schleusen. Das Fazit der gründlich forschenden Finanzbehörden könnte einen Skandal in der gesamten Branche auslösen. „Diese Art der verdeckten Lohnzahlungen an Lizenzspieler ist offenbar inzwischen bei den Transfergeschäften der Fußball-Bundesligisten üblich“, heißt es in dem Papier, das dem Tagesspiegel vorliegt. Geschäfte dieser Art seien seit etwa 1989 zu beobachten. Viele der versteckten Zahlungen für angebliche Persönlichkeits- und Werberechte erfüllen dem Papier zufolge den Tatbestand der Steuerhinterziehung.

Das jüngste Beispiel liefert in diesen Tagen der 1. FC Kaiserslautern. Heute mit 30 Millionen Euro verschuldet und kurz vor dem finanziellen Kollaps, hat der Klub vermutlich jahrelang krumme Geschäfte gemacht. Von den Folgen wäre nicht nur der Verein betroffen, sondern auch die verantwortlichen Ex-Funktionäre Jürgen Friedrich und Robert Wieschemann. Sie müssten mit ihrem Privatvermögen haften und eine Haftstrafe fürchten. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken ermittelt jetzt wegen des Verdachts der Untreue und Steuerhinterziehung.

Muss am Ende doch der Klub gerade stehen, müsste der gegen die alten Vorstandsmitglieder klagen. Als hätten die Pfälzer Macher die Ergebnisse der Steuerfahnder als Richtschnur benutzt, sollen die Transfers der Spieler West, Djorkaeff und Ognjenovic nach bewährtem Muster abgelaufen sein. Es wurden Gehälter gezahlt und versteuert, nebenbei aber flossen offenbar hohe Millionensummen auf Auslandskonten, die als Zahlungen für Persönlichkeits- und Marketingrechte deklariert waren. Eintracht Frankfurt hatte im Fall Yeboah so gehandelt. Angeklagt wurde der damalige Manager Bernd Hölzenbein, der zu einer siebenmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt wurde, und nicht der Verein. Yeboah musste im Jahr 2001 1,2 Millionen Mark Steuern nachzahlen. Hinzu kam eine Strafe von 360000 Mark.

West soll nun berichtet haben, der Tipp mit Zahlungen auf Auslandskonten sei vom FCK gekommen. Er habe die Gelder als Gehaltszahlungen eingestuft. In einer Strafanzeige wird der ehemalige Präsident und Aufsichtsrat Hubert Kessler so zitiert: „Eine Vorauszahlung von einer Million Mark“ sei „als Gehaltszahlung für die Persönlichkeitsrechte“ geflossen.

Nichts Neues für die Ermittler. Zahlungen würden „mithilfe von fingierten Rechnungen“ für Werbe- und Persönlichkeitsrechte auf Auslandskonten fließen, obwohl der Mustervertrag des DFB die Abtretung der Persönlichkeitsrechte des Spielers an den Verein klar regelt. Das passiere, „um der hohen Steuerbelastung zu entgehen“ und tauche nicht in der Buchführung der Vereine auf. Handgelder und Transfersummen, die teilweise „zum Schein“ überhöht angegeben werden, würden zum Teil tatsächlich direkt zu Spielern oder Briefkastenfirmen fließen. Die Sondervereinbarungen „befinden sich selten bei den Originalunterlagen“. Hierfür würden Nebenverträge auf „einfachem Briefpapier oder Schmierpapier“ benutzt. Auffallend seien die verwendeten Begriffe „Spielerbeobachtung, Werbebereich und Werbetätigkeit“. Es wird von „schwarzen Kassen“ berichtet, aus denen die Zahlungen gespeist würden, die weder umsatz- noch lohnversteuert würden. Viele Zahlungen, auch die in Millionenhöhe, würden bar abgewickelt. Es werde mit fingierten Rechnungen ausländischer Vereine gearbeitet. Als Fazit heißt es: „Es wird angeregt, Vereine der 1. und 2. Fußball-Bundesliga durch die Betriebsprüfung oder Lohnsteueraußenprüfung überprüfen zu lassen.“

Die Behörden sind sich der Schwere ihrer Aufgabe bewusst. Diese Form der verdeckten Lohnzahlung sei „schwer nachzuweisen und wird häufig praktiziert“. In Kaiserslautern ist für den Klub noch ein anderes Problem aufgetaucht. Der Verein prüft Rückforderungen an die Spielerberaterfirma „Rogon“. Deren Chef Roger Wittmann hatte für die Transfers der Spieler Markus Anfang, Selim Teber und Christian Tim rund 1,8 Millionen Euro Provisionen erhalten. Eine überdurchschnittlich hohe Summe, die als absolut „marktunüblich“ eingestuft wird. Gängig sind zehn Prozent. Auch dafür könnte sich die Steuerfahndung interessieren.

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