Sport : Verdient verloren

Schalke 04 ist mit dem 1:4 beim neuen Spitzenreiter Werder Bremen noch gut bedient

Frank Hellmann

Bremen. Selbst die Analyse ging daneben. „Wir haben hier vollauf verdient gewonnen“, entfuhr es Jupp Heynckes, ehe der steigende Geräuschpegel im Presseraum des SV Werder Bremen auch den Trainer von Schalke 04 auf die richtige Fährte führte. „Ich meine natürlich: verdient verloren.“

Damit war wenigstens verbal die Richtigstellung gelungen, nachdem vor 34 500 Zuschauern im Weserstadion aus Schalker Sicht so ziemlich alles schief gegangen war. Selten fiel ein Sieg dem SV Werder leichter als der gestrige 4:1 (3:0)-Triumph gegen desolate Gäste aus Gelsenkirchen.

Die Bremer sind damit Tabellenführer – und wenn die Bayern heute im Jubiläumsspiel beim Hamburger SV mit nicht mehr als zwei Toren Differenz gewinnen, bleiben die Bremer auch Liga-Primus bis zum 13. September. „Das würde dem Umfeld hier ganz gut tun“, sagte Werders Sportdirektor Klaus Allofs, der bemängelt, dass der augenblickliche Erfolg zu wenig Würdigung erfährt.

Das Schalker Umfeld wird sicher mit Unruhe auf die „blamable Klatsche“ (Torwart Frank Rost) reagieren. „Wir können doch froh sein, dass es nur ein 1:4 wurde“, gab Rost zu. Der Torwart musste sich an alter Wirkungsstätte ziemlich verloren vorgekommen sein. Die Abwehr um die Innenverteidiger Eduardo Alcides und den schwachen Kapitän Tomasz Waldoch war löchrig, das Mittelfeld pomadig, der Angriff wirkungslos. „Schwächen im Defensivverhalten und Fehler in der Offensive“, konstatierte Jupp Heynckes noch relativ wohlwollend. Gerald Asamoah wurde deutlicher: „Es lief gar nichts.“

Vor allem liefen die Schalker den klug und abwartend kombinierenden Gastgebern stets hinterher. So auch bei den ersten drei Gegentoren: Beim 1:0 verwandelte Charisteas, als Ailton unbehindert flanken durfte, beim 2:0 verwertete Borowski freistehend eine Flanke des umsichtigen Türken Ümit Davala, beim 3:0 lief Ailton nach Pass von Lisztes einfach Waldoch davon. „Wir waren nicht frisch und spritzig genug“, meinte Waldoch, der nun sogar davor warnt, das UI-Cup-Rückspiel am Dienstag gegen Pasching zu unterschätzen.

Denn zum Erschrecken von Rudi Assauer („Das war heute gar nichts") bäumte sich Schalke auch nach der Pause nicht auf. Ehe der 19-jährige Amateur Nelson Haedo Valdez zum 4:0 traf, und Agali im Gegenzug das Ehrentor schoss, hätte Bremen einiges fürs Torverhältnis tun können: Ailton traf das Lattenkreuz, Stalteri den Pfosten, Hajto rettete gegen Ailton auf der Linie. Weitere Tore hätten die Begeisterung der Bremer Zuschauer noch gesteigert, doch auch so tönten gegen 17 Uhr bereits euphorische Gesänge durchs Rund. „Deutscher Meister wird nur der SVW“, schmetterte Werders Anhängerschar bei der Einblendung der Blitztabelle. Klaus Allofs ist das nicht unbedingt recht: „Darüber rede ich nach vier Spieltagen nun wirklich nicht.“

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