Sport : Verdutzt und verwirrt

Die Eisbären verwandeln gegen Iserlohn einen Rückstand in einen Vorsprung – und unterliegen dennoch 2:4

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Kein Durchkommen. Auch der Berliner Frank Hördler (l.) scheitert am Iserlohner Torhüter Sébastien Caron.
Kein Durchkommen. Auch der Berliner Frank Hördler (l.) scheitert am Iserlohner Torhüter Sébastien Caron.Foto: Engler

Berlin - Das Spiel der Eisbären gegen die Iserlohn Roosters hatte noch gar nicht begonnen, da feierten die Berliner auch schon. Es war eine Party auf der Basis alter Erfolge – versehen mit allerlei Nostalgie. Vor Gästen wie dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit huldigten die Berliner noch einmal dem Titelgewinn der Vorsaison. Für die Spieler gab’s Ringe aus Weißgold, für die Fans ein neues – das fünfte – Meisterbanner in der Arena. So viel Hommage durfte es sein am Sonntag, auch wenn die folgende Darbietung im Vergleich dazu zwar ähnlich aufregend, aber schmucklos daherkam. 2:4 (0:1, 0:0, 2:3) unterlagen die Eisbären nach einem mühevollen Abend.

Eine ganze Weile dauerte es, bis die 14 100 Zuschauer hochklassiges Eishockey sahen. Mit ihren eigenen Möglichkeiten gingen vor allem die Eisbären anfangs zu nachlässig um, den Gegner ließen sie allzu oft gewähren. Wie in der 10. Minute, als die Iserlohner durch Colton Fretter in Überzahl die Führung erzielten. Die Eisbären reagierten verdutzt bis verwirrt. Dabei versuchten sie nun, den Frust wegzuspielen. Sie schossen und schossen, sie zielten und zielten, aber ein Kontrahent blieb lange stärker – Sébastien Caron. Das Duell Eisbären gegen Roosters hatte sich zur Auseinandersetzung der Eisbären mit dem Iserlohner Torwart entwickelt. Der Berliner Trainer Don Jackson fand das „ganz schlimm“.

Ein wirksames Mittel fiel Jacksons Mannschaft nur sehr spät ein. Allerdings nicht zu spät. Gut eine Minute war im letzten Abschnitt vorüber, als Florian Busch die Berliner nach einem Zuspiel von Barry Tallackson erlöste. Die beiden hatten sich schon in den vorangegangenen Partien besonders treffsicher gezeigt und ihr Team ein ums andere Mal gerettet.

Eishockey spielen und Tore schießen können jedoch auch andere Berliner Profis. Zugang Nick Angell zum Beispiel, der danach mit voller Wucht das 2:1 erzielte. Keine fünf Minuten dauerte es, bis die Eisbären einen Rückstand in einen Vorsprung gewandelt hatten. Ob die Iserlohner geschockt waren? Keineswegs. Fretter brachte sie zurück, Mike York traf danach und David Spina kurz vor Schluss auch noch, was in der Summe ein 4:2 ergab – für die Gäste wohlgemerkt. „Wir sind am Ende nicht genug gelaufen“, sagte Jackson dazu. „Wir dürfen das Spiel eigentlich nicht mehr aus der Hand geben. Das war so schlecht wie es nur ging.“

So zahm die Begegnung begonnen hatte, so dramatisch ging sie also zu Ende. Und so statistisch wertvoll. Denn die Iserlohn Roosters hatten es mehr als fünf Jahre nicht mehr fertig gebracht in Berlin zu gewinnen – bis zum Sonntag. Jetzt war es ein Minigrüppchen auf dem Gästerang, das feierte, während die Fans der Eisbären nur das zweifelhafte Glück hatten, vorher schon ausgiebig gejubelt zu haben.

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