Sport : Verein, ärgere dich

Werder Bremen streitet sich mit Ailton über dessen Nachfolger

Frank Hellmann

Bremen. Ailton kann kaum lesen und schreiben – außer seiner Unterschrift –, aber er kann schnell rennen und viele Tore schießen. Eigenschaften, die er auch am Sonntag beim Gastspiel im Münchner Olympiastadion gegen 1860 offenbaren will. Mitunter verdribbelt sich der brasilianische Farmersohn, dem Bremens Sportdirektor Klaus Allofs manchmal noch heute „ein Verhalten wie ein kleines Kind“ bescheinigt, indes abseits des Platzes. Bei Werder Bremen sind sie gerade nicht glücklich mit dem öffentlichen Erscheinungsbild ihres Brasilianers. Seine Heiratspläne sind zweimal an fehlenden Papieren gescheitert, außerdem geht der Stürmer zum Saisonende zu Schalke 04 und will zudem bald für Katar stürmen (siehe Text oben). Und nebenbei mäkelt er auch noch am Transfer von Miroslav Klose, den sich Bremen als Ersatz für Ailton holte, herum.

„Für mich war kein Geld da. Ich wäre für weniger Geld in Bremen geblieben", hat Ailton gesagt. Unwirsch reagiert Vorstandsboss Jürgen L. Born auf diese Vorwürfe. „Ailton will jetzt alles: die Champions League mit Werder, das große Gehalt bei Schalke und Länderspiele für Katar“, sagt Born. „Ich habe das Gefühl, er verzettelt sich da.“ Außerdem hätte der Verein Ailton einst ein ähnliches Gehalt angeboten, das Klose jetzt erhalte. Der Neuzugang kann in Bremen künftig inklusive Prämien bis zu 2,5 Millionen Euro jährlich verdienen. Der ablösefreie Ailton streicht jedoch zusammen mit dem Handgeld in Gelsenkirchen ein höheres Salär ein, sickerte aus Bremer Kreisen durch.

Werder aber habe im Oktober vergangenen Jahres das wirtschaftliche Risiko begrenzen müssen, nachdem Ailton und Mladen Krstajic mit Schalkes Rudi Assauer einig geworden waren. „Da wussten wir nicht, dass uns der DFB-Pokal und der Meistertitel winken würden“, sagt Born. Inzwischen ist der Klub bereit, den Etat von derzeit 40 Millionen Euro zu erhöhen. Schließlich kostet der Vier-Jahres-Kontrakt für Klose in der Summe von Gehalt, Ablöse und Honorar mindestens 13 Millionen Euro. „Bei so einem Super-Transfer wie dem von Miroslav Klose steigen natürlich die Personalkosten“, gibt Aufsichtsratsmitglied Willi Lemke zu. Das einflussreiche Kontrollgremium hatte den Klose-Deal lange verzögert und auch die Gehaltsangebote für die abtrünnigen Ailton und Krstajic gedeckelt. Beim serbischen Abwehrspieler galt eine Million Euro Jahresgehalt als Grenze, dem brasilianischen Stürmer wurde das Doppelte offeriert. Born sagt: „Hätten beide Profis bis Frühjahr gewartet, wäre es möglich gewesen, sie zu halten.“

In einem ist sich Bremens Vereinsführung einig: Ailtons Erfolg sei nur bei Werder möglich gewesen. „Wir haben seine Eingewöhnung in Deutschland erst möglich gemacht“, sagt Born, der wie Ailton portugiesisch spricht. „Am Anfang war er hier völlig hilflos.“ Lemke, der als Manager den Torjäger im Herbst 1998 nach Bremen lotste, erzählt, wie Ailton auf der Tribüne hockte, von Trainer Felix Magath als übergewichtig und zu langsam abgestempelt wurde und die Welt nicht verstand. Ailton hatte auch private Probleme: Mal war der Führerschein weg, oft ging er zu lange aus, scharte falsche Freunde um sich. Lief das Gültigkeitsdatum seines Passes ab, war er ratlos. Schließlich schlug er sogar seine Lebensgefährtin Rosalie, die Polizei musste eingreifen. „Es war immer viel los mit ihm“, sagt Born. Doch im eher beschaulichen Bremen wurde vieles davon nicht bekannt.

Auf so viel Rücksicht kann Ailton bei Schalke nicht hoffen. Lemke sagt: „Einen Erfolg wie bei Werder wird er auf Schalke nicht haben.“ Außerdem ist Bremens Spielweise ganz auf den Torjäger abgestellt: Das Mittelfeld mit Passgeber Johan Micoud sowie Fabian Ernst, Frank Baumann und Krisztian Lisztes spielt den Ball zuerst steil und zentral in die Spitze – zu Ailton. Ist das alles übertragbar?, fragen die Verantwortlichen in Bremen und auf Schalke. Ailton antwortet: „Lieber Herr Assauer, machen sie sich keine Sorgen: Sie werden auf Schalke denselben Ailton erleben wie bei Werder.“

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