Sport : Verein, wechsle dich

Wenn Trainer für zwei Klubs arbeiten

Stefan Hermanns,Mathias Klappenbach

Berlin - Mitglied Nummer 3086 hat sich in schwerer Zeit nicht vor der Verantwortung gedrückt. Der Mann hängt an seinem Verein, mit dem er als Spieler viele schöne Jahre erlebt hat. Außerdem ist er Pfälzer von Geburt, dem 1. FC Kaiserslautern schon 1976 beigetreten, und in besseren Zeiten war er sogar Kapitän der Bundesliga-Mannschaft: Wolfgang Wolf, der 248 Bundesligaspiele für den FCK bestritten hat, ist immer ein Roter Teufel geblieben, auch als er in Stuttgart gearbeitet hat, in Wolfsburg und in Nürnberg. Man muss das wissen, um zu verstehen, warum Wolf am 21. November als Trainer in Kaiserslautern angefangen hat, beim Tabellenletzten und nur drei Wochen nach seiner Entlassung in Nürnberg. „Wenn es nicht der FCK gewesen wäre, hätte ich nein gesagt“, sagt Wolf.

Acht Trainer sind in der Hinrunde entlassen worden – so viele wie nie zuvor in der Bundesliga-Geschichte. Man könnte auch sagen: so viele, dass am Ende die Kandidaten knapp wurden. Neben Wolf hat auch Klaus Augenthaler in der Hinrunde für zwei Klubs gearbeitet. Bis zum 16. September stand er in Leverkusen unter Vertrag, seit dem 29. Dezember in Wolfsburg.

Es ist schon seltsam: Ein Trainer, der gerade entlassen worden ist, weil er angeblich unfähig ist, wird bei seinem neuen Klub als vermeintlicher Retter gefeiert. Doch so läuft das Geschäft. Für Vereine, die in ernste Not geraten, kommt es ohnehin weniger darauf an, was passiert, sondern darauf, dass überhaupt etwas passiert. Wolf sagt: „Jeder Trainer ändert etwas.“ Das soll die Spieler aus dem Trott reißen. Entscheidend seien vor allem die ersten Tage. Da müsse der neue Trainer rüberbringen, was passieren soll. „In diesen ersten Tagen musst du frisch sein“, sagt Wolf. „Wer ausgebrannt ist, schafft das nicht.“

Es gibt jedoch wenige Trainer, die zugeben würden, dass sie nach einer Entlassung eine Pause brauchen. Man benötigt in der Branche schon einen ausgezeichneten Ruf, um keine Jobängste zu durchleben. Ottmar Hitzfeld muss auch nach zwei Jahren Auszeit nicht fürchten, dass er keine Anstellung mehr findet. Er kann sich die Vereine weiterhin aussuchen.

Der normale Durchschnittstrainer kann das nicht und nimmt daher oft das, was auf die Schnelle zu kriegen ist. „Wenn das ein Problem wäre, dürfte es gar keine Trainerwechsel mehr geben, weil 99,9 Prozent der Trainer zuvor anderswo entlassen worden sind“, sagt Wolf. „Als ich von den Stuttgarter Kickers nach Wolfsburg gegangen bin, lagen vier Wochen dazwischen, zwischen Wolfsburg und Nürnberg waren es fünf.“ Nicht immer ist die Konstellation dabei so günstig wie bei Wolf und Kaiserslautern. Für die Fans des Vereins ist Wolf immer einer der Ihren geblieben. Der neue Trainer sagt: „Ich kenne die Leute, das Umfeld. Deshalb habe ich schnell Fuß gefasst.“

Bei Ralf Rangnick und dem VfL Wolfsburg wäre dies nicht der Fall gewesen. Rangnick sagt sogar, dass er „grundsätzlich kein Freund von Jobhopperei“ sei. Trotzdem hätte er das Angebot der Wolfsburger angenommen – gerade mal zwei Wochen nach seiner Entlassung in Schalke. Der VfL hat sich dann jedoch für Klaus Augenthaler entschieden. Augenthaler hat Erfahrung darin, innerhalb kürzester Zeit zwei Vereine zu trainieren. 2003 wurde er in Nürnberg entlassen, drei Wochen später in Leverkusen angestellt. Am letzten Spieltag traf er mit seinem neuen auf seinen alten Klub und rettete Bayer vor dem Abstieg. „Vor einem Jahr habe ich mit den Nürnbergern hier den Klassenerhalt gefeiert“, hat Augenthaler damals gesagt. „Jetzt stehe ich auf der anderen Seite und feiere mit Leverkusen. Das ist schon schizophren.“ Aber ein Bundesligatrainer muss das wohl aushalten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar