Sport : Vereint zum Gebet

Die Idee einer Hertha-Kapelle kommt in Berlin gut an

Robert Ide,Daniel Pontzen

Von Robert Ide

und Daniel Pontzen

Berlin. Zum Teil klangen die Sätze, als seien sie wohlgemeinten Sonntagspredigten entliehen. Das Vorhaben, im Olympiastadion eine Kapelle zu errichten, „unterstützen wir, weil die Kirche beim Sport Frieden stiftet“, sagte der Chef des Landessportbundes, Peter Hanisch. „Das Olympiastadion ist mehr als Fußball, es ist ein Begegnungsort für Menschen. Daher wäre ein Ruheraum wünschenswert“, ließ die Sportverwaltung des Senats wissen. „Für die Verbindung von Kirche und Fußball gibt es schon einige gelungene Beispiele“, meinte Andreas Herzig, Sprecher des Erzbistums Berlin.

Wen man auch fragte, es gab ausschließlich positive Reaktionen auf die im Tagesspiegel veröffentlichten Pläne der Evangelischen Kirche. Auch Hertha-Manager Dieter Hoeneß, der im Stadion Nou Camp in Barcelona einst die weltweit erste Stadionkapelle besichtigte, zeigte sich aufgeschlossen: „Bisher ist das in den Planungen nicht vorgesehen. Aber es ist nicht so, dass ich mich dagegen wehren würde.“

Es erscheint sogar möglich, dass Hertha- Fans in der Kapelle unabhängig von ihrer Konfession Seite an Seite für Tore beten können. Erzbistum-Sprecher Herzig schließt nicht aus, dass sich die katholische Kirche an einem solchen Projekt beteiligt: „Wenn die Initiative von Hertha oder sogar einzelnen Spielern ausginge, können wir uns das gut vorstellen.“ Eine Kapelle solle schließlich allen offen stehen, auch katholischen Herthanern. „Die Brasilianer im Team hätten daran sicher auch ein Interesse.“

Herzig kennt einige Beispiele, in der die Verbindung von Kirche und Sport hervorragend funktioniert. Neben der Begleitung der deutschen Olympiateams durch Sportpfarrer erinnert er sich gerne an einen Gottesdienst auf St. Pauli: „Da trugen die Messdiener Schweißbänder mit dem Vereinsemblem.“ Auch als Stätte für Taufen und Hochzeiten könnte eine Kapelle genutzt werden – so wie das derzeit in der Arena Auf Schalke geschieht. Für Herzig gibt es in Berlin nur ein Personalproblem: „Ich kenne bislang keinen Pfarrer, der so Hertha-verrückt ist, dass er das unbedingt machen wollte.“

Eine entscheidende Rolle in der Planung und Realisierung käme der mit dem Stadionumbau beschäftigten Walter Bau-AG zu. „Es ist ein Vorschlag, der prüfenswert ist“, sagt Sprecher Alexander Görbing. „Man müsste sich mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen und sehen, wie das zu realisieren ist.“ Von Bedeutung sei die gewünschte Größe und Ausstattung sowie die Stelle, an der die Kapelle entstehen soll. Einige Bereiche seien schließlich schon fertig gestellt. „Die Entscheidung liegt aber vor allem beim Senat“, sagt Görbing.

Sportsenator Klaus Böger (SPD) sieht offenbar durchaus Bedarf. „Man muss sehen, ob das machbar ist“, sagte Böger, „aber bei den Hertha-Spielen der Hinrunde ist mir manchmal schon zum Beten zumute gewesen.“

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