Sport : Verfluchter Samstag

Profigolfer Alexander Cejka spielt bei den US Open

Thomas Lötz[Hamburg]

Das Wochenende ist in den letzten Monaten das größte Problem für den Golfprofi Alex Cejka. Im zweiten Jahr auf der US-Tour spielte der gebürtige Tscheche zuletzt bei der Buick Classic in Harrison (US-Bundesstaat New York) sein weltweit 15. Turnier 2004. Zwar hat Cejka bei seinen Einsätzen meistens den Cut am Freitag geschafft, aber nachdem er diese Qualifikation bestanden hatte, begannen die wahren Probleme für den 33-Jährigen ja auch erst.

„Meine größte Schwäche ist wahrscheinlich mein Spiel am Samstag“, sagt Cejka, „da habe ich immer zu kämpfen.“ So auch am vergangenen Samstag, als er nach Runden von zuvor 70 und 69 Schlägen eine 73 produzierte. Und hätte Cejka am letzten Loch des dritten Tages diesen Eagle nicht gespielt, zwei Schläge unter Par für die 18. Bahn, wäre sein SamstagsProblem mit 75 notierten Schlägen auf der Scorekarte noch deutlicher geworden. Nach vier Runden belegte er den 69. Platz im Endklassement.

Nicht anders erging es Cejka beim ersten Major-Turnier dieses Jahres, dem US Masters. Nach zwei Runden von je 70 Schlägen lag Cejka Anfang April im berühmten Augusta National Golf Club auf Platz zwei, am Samstag dann erwischte es ihn mit einer 78, die alle Träume ein wenig Golfgeschichte schreiben zu können zunichte machte. Mit einer Schlussrunde von 73 Schlägen sicherte sich Cejka am Ende in Augusta noch den geteilten 25. Platz.

Trotz der Samstagsschwächen hat Cejka es in dieser Saison bereits auf nahezu 400 000 Euro an Preisgeld gebracht. Ganz so bedauernswert ist seine Lage darob nicht – und ein paar Turniere und dort einzuheimsende Geldscheine harren seiner bis zum Jahresende ja nun auch noch.

So etwa anlässlich der ab Donnerstag in Shinecock Hills (New York) ausgetragenen US Open, dem zweiten von insgesamt vier Majorturnieren der Saison. Bei der mit insgesamt 6 Millionen US-Dollar dotierten Veranstaltung wird der mit den Folgen einer Handgelenksverletzung beschäftigte Golfprofi Bernhard Langer nicht an den Start gehen. Cejka ist somit der einzige deutsche Teilnehmer. Der Weg in dieses Turnier war alles andere als einfach, in jedem Fall war es aber ein für Cejka typischer. Üblicherweise qualifizieren sich die besten 50 der Weltrangliste an einem zuvor bestimmten Stichtag automatisch für die US Open. Cejkas Pech in diesem Jahr war es, dass er kurz vor diesem Datum aufgrund seiner Samstags-Schwäche nicht mehr zu den besten 50 zählte. Und so blieb ihm nur der Weg über ein Qualifikationsturnier.

Cejka hat sich in den USA einen Namen gemacht. Als „Ironman“, „Eisenmann“, hat ihn irgendwer einmal bezeichnet, was Leuten, die den Mann mit Wohnsitzen in München und Boca Raton (Florida) näher kennen, ein bisschen wie ein schlechter Witz vorkommen musste. Cejka selbst möchte sich auch nicht nur als von eiserner Disziplin besessener Vieltrainierer verstanden wissen.

Dazu passt auch jene Geschichte, die sich im Mai nach der BMW Asian Open in China zutrug. Bevor Cejka zur Deutsche Bank/SAP Open in St. Leon-Rot (nahe Heidelberg) weiterreisen konnte, nutzte er die ausgiebige Wartezeit bis zum Abflug zu einer Trainingseinheit. Eine halbe Stunde lang machte er, ohne sich groß aufzuwärmen, Krafttraining. Das Resultat: Oberschenkelzerrung. „Da habe ich wohl übertrieben“, sagte Cejka, nachdem er humpelnd seine zweite Runde in St. Leon Rot absolviert hatte. Nebenbei stellte er dabei übrigens den von ihm selbst und Tiger Woods gehaltenen Platzrekord ein — es war an einem Freitag.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben