Sport : Verfluchtes Hundebein

Martin Kaymer musste sein Spiel für das Golf-Masters in Augusta umstellen

Petra Himmel[Augusta]
Kleiner Slicer. Eigentlich liegt Martin Kaymer der Kurs in Augusta gar nicht, deswegen hat er sich besonders intensiv auf das US-Masters vorbereitet.Foto: dpa
Kleiner Slicer. Eigentlich liegt Martin Kaymer der Kurs in Augusta gar nicht, deswegen hat er sich besonders intensiv auf das...Foto: dpa

„Pink Dogwood“ heißt das zweite Loch im Augusta National Golf Club. Eine 518 Meter lange Bahn, die sich einen Hügel herab zieht und vor einem querliegenden Grün mit zwei frontalen Bunkern endet. Auf den ersten Blick nichts Spektakuläres. Bäume und Azaleen säumen das Par-5-Loch, die Szenerie ist eher beruhigend denn erschreckend. Martin Kaymer sieht das Loch mit anderen Augen. „Pink Dogwood“ ist für ihn ein Dogleg nach links, ins Deutsche übersetzt ein Hundebein. Gemeint ist ein Golfloch, das etwa nach der Hälfte seiner Länge abknickt. In Augusta knicken sie in der Regel nach links, idealerweise würde Kaymer seine Abschläge also in einer schönen Rechts-Links-Flugkurve die Bahn herunterschicken, elegant zwischen allen Bäumen hindurch. Draw nennt man diese Art von Schlag. Die Sache ist nur: Mit genau dieser Flugkurve stand der 26-Jährige in der Vergangenheit immer auf Kriegsfuß.

„Er ist eher ein Slicer“, analysiert Alexander Cejka, der diese Woche ebenfalls beim US-Masters startet, die Neigung seines Landsmannes zu einer Links-Rechts-Flugkurve. „Aber in Augusta muss man den Ball anders herum fliegen lassen.“ Der Betroffene kennt das Problem selbst: „Mein größter Nachteil war immer, dass ich keinen Draw spielen konnte. Das macht einen großen Unterschied. Wenn man den Ball nur links-rechts spielt, wird der Golfplatz noch schwieriger“, erklärt Kaymer seine etwas komplizierte Beziehung zum Augusta National.

Es bleibt deshalb schwer zu sagen, was vom Weltranglistenersten in dieser Woche zu erwarten ist. Zu den großen Favoriten kann man ihn nur bedingt zählen, dazu ist seine bisherige Bilanz in Augusta einfach zu schlecht: Zwölf über Par liegt Kaymer nach sechs gespielten Runden in den Jahren 2008 bis 2010. Den Cut hat er dabei noch nie geschafft. Auch aus diesem Grund formuliert er seine eigenen Erwartungen vorsichtig: „Mein Ziel ist es, in diesem Jahr am Samstag und Sonntag zu spielen.“

Für dieses Ziel hat er zwei Wochen lang kein Turnier gespielt, stattdessen verschärfte er sein Training. Er feilte in Amerika an dem Draw, den er zwar mit den Eisen schon ganz gut beherrschte, der ihm aber gerade mit den Hölzern deutlich Probleme bereitete. Das Fazit vor Beginn des Turniers am Donnerstag lautet: Den Schlag hat er jetzt im Griff.

Abseits von rein technischen Anforderungen, sieht Kaymer sich seit der Übernahme der Weltranglistenposition 1 am 27. Februar dieses Jahres auch einem deutlich höheren Erfolgsdruck ausgesetzt. Kollegen, Fachleute und Fans äußern sich ständig über ihn. Auch ein Sieg beim Masters wird ihm langfristig zugetraut. „Selbstverständlich erwarte ich das von ihm“, sagte Bernhard Langer diese Woche dem „Augusta Chronicle“. „Ich habe ihm das auch schon mehrmals gesagt. Keine Ahnung, wieso er bisher nicht besser gespielt hat, hoffentlich lag es nicht an den Proberunden mit mir.“

Zu diesen ist es diesmal ohnehin nicht gekommen. Langer musste aufgrund einer Daumenverletzung absagen. Das deutsche Aufgebot wird komplettiert durch Alexander Cejka, der eher zu den Außenseitern zählt. Der Deutsche gilt als erstklassig, wenn es darum geht, das Grün zu treffen. Dort angekommen, beginnen allerdings die Probleme. In der Puttstatistik findet man Cejka selten unter den Führenden. Drei Putts an einem Loch, für einen Profi eine kleine Katastrophe, sind häufig Teil seiner Runden. „Die Grüns sind wie immer sehr schnell“, stellte Cejka am Montag in Augusta fest. „Deshalb werde ich hier noch ein paar Trainingseinheiten zum Kurzen Spiel einlegen.“

Am Ende geht es während der Turniertage darum, die Herausforderung zu genießen, sich auf den Platz einzulassen, ein Stück weit zu verlieben. Ein Großteil der Golfprofis geht diese mentale Aufgabe mit Hilfe von Sport-Psychologen an. Im deutschen Lager winkt man dankend ab. Cejka hat das US-Masters schon lange zu seinem Lieblingsturnier erklärt, er ist gelöst und locker. Was Martin Kaymer betrifft, so ist es gerade seine mentale Stärke, die ihn auf Dauer trotz seiner bis dato schlechten Bilanz zum Titelkandidaten macht. „Am wichtigsten ist das Gehirn, der Kopf auf seinen Schultern“, sagt der zweifache Masters-Champion Bernhard Langer. „Er hat einen sehr alten Kopf auf seinen jungen Schultern. Und er trifft kluge Entscheidungen.“ Martin Kaymer jedenfalls hat beschlossen, ab sofort auch Doglegs wie Pink Dogwood zu mögen.

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