Sport : Verfolgt, verachtet, beschimpft: fünf Geheimfavoritinnen in Berlin

Dietmar Wenck

Die Favoriten sind bekannt: Martina Hingis, Conchita Martinez, Arantxa Sanchez-Vicario - diese Drei haben in den vergangenen Jahren die German Open bereits gewonnen. Doch diesmal sind auch viele junge Spielerinnen am Start, die zwar bei bedeutenden Veranstaltungen schon vordere Platzierungen erzielten, aber auf einen großen Turniersieg noch warten. Fünf von ihnen stellen wir an dieser Stelle kurz vor.

Anna Kurnikowa (geb. am 7. Juni 1981 in Moskau). Die Russin eine Außenseiterin? Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass sie bei jedem ihrer Auftritte die Fans in Scharen anlockt. Das Interesse gilt jedoch weniger ihren sportlichen Vorstellungen, obwohl auch die sich sehen lassen können. Das Glamour-Girl der Tennis-Szene wurde Anna Kurnikowa durch ihr attraktives Äußeres und die immer neuen Gerüchte über ihr Privatleben, in dem Eishockeyspieler eine besondere Rolle spielen sollen. Ob ihr das alles schrecklich lästig ist oder ob sie es genießt, die Klatschspalten der Boulevardzeitungen (und nicht nur die) zu füllen, sei dahingestellt. In jedem Fall hat sie an Werbeeinnahmen in ihren knapp fünf Jahren als Profi weit mehr verdient als durch ihre Erfolge auf dem Platz. Und die belaufen sich immerhin auch schon auf über drei Millionen Mark. Sie spielt in Berlin ihr 64. Einzelturnier. Gewonnen hat sie noch keines.

Amelie Mauresmo (geb. am 5. Juli 1979 in Laye/Frankreich). Auch so ein Fall für die Klatschspalten, weil sich die Französin offen zu ihrer Liebe zu einer Frau bekannte, einer Barbesitzerin in St. Tropez. Wen das störte, dem gefiel auch ihre für eine Frau sehr kräftige Statur nicht. Aber Amelie Mauresmo hat den Sprung in die Top Ten geschafft. Einer ihrer größten Erfolge war das Erreichen des Berliner Finales 1998, als sie unter anderem die Top-Spielerinnen Jana Novotna und Lindsay Davenport bezwang. Im Jahr darauf stand sie im Endspiel der Australian Open, unterlag dort jedoch Martina Hingis. Die Anfeindungen mancher Konkurrentinnen wegen ihrer kraftbetonten Spielweise (Davenport: "Damentennis wird normalerweise nicht so gespielt.") verletzten sie. Im Gegensatz zu anderen hat sich die Amerikanerin für ihre Äußerungen entschuldigt.

Mirjana Lucic (geb. am 9. März 1982 in Dortmund). Die Kroatin gilt schon seit Jahren als einer der kommenden Stars, obwohl sie erst 18 Jahre alt ist. 14-jährig gewann sie bei den Juniorinnen zwei Grand-Slam-Turniere, in New York und in Melbourne. Das gelang außer ihr in dem Alter nur Martina Hingis und Jennifer Capriati. Als sie 1997 im Finale von Straßburg 2:6, 5:7 gegen Steffi Graf verloren hatte, sagte die Deutsche: "Mit 15 war ich nicht annähernd so stark wie sie." Doch bisher hat Mirjana Lucic die großen Erwartungen nicht erfüllt. Zwar stand sie im vergangenen Jahr im Halbfinale von Wimbledon, wo sie erneut an Graf scheiterte, aber insgesamt hatte sie in ihrer Laufbahn viele Höhen und Tiefen. Anfangs wurde sie bei ihren Tennisreisen von ihrem Vater Marinko begleitet, der allerdings äußerst streng mit ihr umging. Inzwischen trainiert sie an Nick Bollettieris Akademie in Florida.

Alexandra Stevenson (geb. am 15. Dezember 1980 in La Jolla/Kalifornien). Erst seit Juni 1999 ist die Amerikanerin von Beruf Tennisspielerin, doch schon bei ihrer ersten professionellen Teilnahme in Wimbledon gelang ihr eine Sensation, als sie als erste Qualifikantin der Geschichte bis ins Halbfinale der All England Championships vordrang. Dort wurde sie von der späteren Turniersiegerin Lindsay Davenport gestoppt. Großen Wirbel machte nach diesem Erfolg ihrer Tochter Samantha Stevenson, eine dunkelhäutige Sportjournalistin aus New York. Sie behauptete, in der WTA-Tour sei Rassismus weit verbreitet. "Mehrfach wurde Alexandra von ihren Gegnerinnen als Nigger beschimpft", klagte sie.

Elena Dementiewa (geb. am 15. Oktober 1981 in Moskau). Sie ist eine von mehreren hoch talentierten russischen Tennisspielerinnen neben neben Kurnikowa, Elena Lichowtsewa, Nadeschda Petrowa und Tatjana Panowa. Demetiewa hat sich in diesem Jahr weit nach vorn gespielt, insbesondere bei den Turnieren in Indian Wells (Halbfinale), Key Biscayne und Hilton Head (jeweils Achtelfinale). Als Juniorin gewann sie 1986 den Orange Bowl, eines der bedeutendsten Nachwuchsturniere der Welt. Sie reist gemeinsam mit ihrer Mutter Vera zu den Turnieren, auch ihr Vater und ihr Bruder sind begeisterte Tennisspieler. In ihrer Heimat wurde Elena Demetiewa besonders bekannt, weil sie die US-Amerikanerin Venus Williams 1999 im Fedcup-Endspiel besiegte. Es nützte allerdings der Mannschaft wenig. Die USA gewannen 4:1.

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